Abteikirche Otterberg

Alternative Bezeichnungen: Simultanpfarrkirche Mariä Himmelfahrt, Klosterkirche

Die Abteikirche in Otterberg wurde vermutlich zwischen 1160 und 1170 errichtet. Sie war Teil einer Klosteranlage der Zisterziensermönche in Otterberg. Neben dem Kapitelsaal und Teilen der Außenmauern des katholischen Pfarrheims, ist die Abteikirche das einzige erhaltene Bauwerk des ehemaligen Otterberger Klosters.
Nach dem Speyerer Dom ist die Abteikirche in Otterberg die zweitgrößte und bedeutendste Kirche der Pfalz.

Geschichte

Bevor die Klosteranlage und die Abteikirche in Otterberg errichtet wurden, nutzten vermutlich zwölf Zisterziensermönche unter Führung des Abts Stephan (1145-1173) die baulichen Überreste der Otterburg, wo sie 1145 das Kloster gründeten. Es handelte sich um ein Tochterkloster der Zisterzienserabtei Eberbach.

Zwischen 1160 und 1170 wurde vermutlich mit dem Bau der Abteikirche im Tal des Otterbachs begonnen. Diese Annahmen beruhen auf dendrochronologischen Untersuchungen an Holzresten in der Kirche. Bis 1225 war der größte Teil der Kirche fertiggestellt. Nach 86 Jahren Bauzeit wurde die Abteikirche im Jahre 1254 schließlich geweiht.

Von der Gründung des Klosters bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts erlebte das Kloster durch Schenkungen, Vermächtnisse und Käufe einen wirtschaftlichen Aufschwung. Um 1340 gehörten 78 Höfe und Besitztümer in 170 Städten und Dörfern von Bad Dürkheim bis nach Boppard dem Kloster. Zu diesem Zeitpunkt lebten in Otterberg etwa hundert Mönche und hundert Laienbrüder.

Nach der Blütezeit folgte der wirtschaftliche Abschwung. Die Gründe hierfür waren der Schwund der Kaufkraft des Geldes, fallende Agrarpreise, Wertminderung von Abgaben für die Grundherren sowie das Nachlassen von Schenkungen. Dadurch war das Kloster zu Verkäufen und Verpfändungen gezwungen. Zudem wurde das Kloster Anfang des 16. Jahrhundert im Bayerischen Erbfolgekrieg (1504/05), auch Landshuter Erbfolgekrieg genannt, und im Bauernkrieg (1525) geplündert und niedergebrannt. Durch die Reformation fand das Kloster schließlich sein Ende. Im Jahr 1559 wurden die drei übrig geblieben Mönche und der Abt von Kurfürst Friedrich III. (1515-1576) gezwungen zum evangelischen Glauben zu konvertieren. Als sie sich widersetzten, verließen sie 1561 das Kloster. Das Kloster wurde schließlich aufgelöst und die Klostergüter vom Kurfürsten eingezogen. Wenig später gründete sich in Otterberg eine evangelische Gemeinde.

Im Jahr 1579 wurden die größtenteils leerstehenden Abteibauten von Pfalzgrafen Johann Casimir (1543-1592) wallonischen Glaubensflüchtlingen zur Verfügung gestellt. So wurden diese Bauten im Laufe der Jahre abgetragen, da die Wallonen die Steine für den Bau ihrer Häuser nutzten.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde Otterberg von spanischen Truppen besetzt. Dies führte kurzfristig zu einer Rekatholisierung, weshalb 1629 allmählich Zisterzienser zurückkehrten. Wenige Jahre später fielen die Schweden ein, weshalb die Katholiken wieder flüchten mussten. Die Abteikirche fiel 1648 schließlich den Reformierten zu. Nach dem Ryswijker Frieden (1697) wurde die Abteikirche simultan genutzt, das heißt von Katholiken und Protestanten gleichermaßen. In der Zwischenzeit wuchs die katholische Gemeinde an, weshalb es immer wieder zu Konflikten kam. Im Jahr 1706 wurde deshalb ein Kompromiss geschlossen. Den Katholiken wurden das Querhaus und der Chor zugesprochen und den Protestanten das Langhaus. Zur räumlichen Trennung wurde 1708 in der Kirche eine Trennmauer zwischen den Bereichen der beiden Konfessionen errichtet.

Zur Zeit der Koalitionskriege (1792-1815) wurde die Abteikirche als Lager für Heu und Stroh genutzt, worunter der bauliche Zustand der Kirche sehr litt. Deshalb wurde die Kirche zwischen 1820 und 1830 renoviert. Erst 1979 wurde die Trennmauer in der Kirche nach 271 Jahren wieder entfernt. Heute wird die Kirche von beiden Kirchengemeinden genutzt.

Baubeschreibung

Die Abteikirche in Otterberg ist ein typischer Bau der zisterziensischen Ordensbauweise und ist auch eines der größten Bauten des Ordens. Der Baubeginn lag in der Spätromanik und das Ende in der Frühgotik.

Außen

Die dreischiffige Pfeilerbasilika mit östlichem Querhaus und fast quadratischer Vierung, zeichnet sich durch ihre Kreuzform aus. Die Kreuzarme sind unterschiedlich lang und der Chor wurde durch eine polygonale Apsis erweitert. Die Kirche weist einschließlich der Chorkapellen eine Länge von knapp achtzig Metern auf. Mit ihrer einstigen Vorhalle vor dem Westportal war die Kirche sogar noch länger. Heute sind von der Vorhalle nur noch Abbruchstellen erkennbar. Das Querhaus weist eine Breite von etwa 36 Metern auf. Bis zum Dachfirst beträgt die Höhe knapp 26 Meter. Das Kirchengebäude wurde aus gelblich-weißem Sandstein geschaffen, der wahrscheinlich in der näheren Umgebung gewonnen wurde.

An der Außenwand, an der Ecke des nördlichen Seitenschiffs zum nördlichen Querhaus ist ein viereckiger Treppenturm angebaut. Der ehemalige Kreuzgang schloss in südlicher Richtung an die Längsseite der Abteikirche an.

Ebenfalls typisch für einen Bau der Zisterzienser waren die neun angegliederten Nebenkapellen. Es handelte sich dabei um sechs Querhauskapellen und drei Chorkapellen, die sich an den Ostwänden der Kreuzarme sowie an der Apsis am Altarraum befanden. Die Taufkapelle und die Sakramentskapelle mit Tabernakel sind am südlichen Querhaus noch vorhanden. Die übrigen Kapellen wurden 1650 abgebrochen und sind nur noch an ihren Abbruchstellen am Mauerwerk erkennbar.

Innen

Durch das Westportal tritt man in das Mittelschiff der Abteikirche. Der Raumeindruck besticht durch seine Einfachheit und Schlichtheit. Dieser Eindruck ist typisch für Zisterzienserbauten des Burgunds. Das Raumgefühl war in der Zeit, in der eine Trennmauer die Kirche entzweite, verändert.

Das Mittelschiff wird durch spitzbogige Gurtbögen in fünf Joche mit Kreuzrippen und Schildbögen geteilt. Über den durch Pfeiler gestützten spitzbogigen Arkaden verläuft ein Gesims, das durch die Hauptpfeiler unterbrochen wird. Die Seitenschiffe weisen verschiedene Raumhöhen auf und besitzen je zehn kreuzgratgewölbte Joche. Der Grund dafür ist, dass man während des Baus auf starke Quellen stieß, wodurch man gezwungen war, einige Teile der Kirche in einem höheren Bodenniveau anzulegen. Auch die Breite der Seitenschiffe variiert. So ist das nördliche Seitenschiff schmaler als das südliche Seitenschiff.

Ein Schmuckstück ist die burgundische Fensterrose aus dem Jahr 1249 mit einem Durchmesser von sieben Metern. Sie befindet sich in der Westfassade und ist von besonderer Schön- und Einzigartigkeit. Die Fensterrose weist drei Ringe mit Fenstern auf. Den äußeren Kranz bilden 16 spitzbogige große Fenster, worauf acht kleinere Fenster im mittleren Ring folgen. In der Mitte sind vier Fenster zu sehen, die in die vier irdischen Himmelrichtungen weisen. Die beiden inneren Radkränze zeigen außerdem Darstellungen von Weintrauben und Tieren. 

Renovierung und Erhaltung

Im 20. Jahrhundert fanden einige Renovierungsarbeiten an der Abteikirche statt. 1902 wurden die Innenwände des Lang- und Querschiffes saniert. Anfang der 1970er Jahre fand eine Dacherneuerung statt. In diesem Zuge wurde ein Dachreiter über der Vierung mit drei Glocken aufgesetzt, der der Gotik nachempfunden wurde.

Zwischen 1978 und 1991 fand wiederholt eine umfangreiche Renovierung statt, bei der unter anderem die Trennmauer in der Kirche entfernt wurde. In diesem Zuge wurde auch ein neues Entwässerungssystem installiert. Bereits im 19. Jahrhundert hatte man die Grundwasserproblematik erkannt und ein Entwässerungssystem eingebaut.

Seit 1999 besitzt die Abteikirche Otterberg eine neue Orgel der Firma Goll AG aus der Schweiz. Sie wurde in der ersten Nordarkade westlich der Vierung eingebaut.

Das Objekt „Simultanpfarrkirche Mariä Himmelfahrt Kirchstraße 10“ ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Abteikirche befindet sich im Zentrum von Otterberg nahe der Hauptstraße, die von Norden nach Süden durch Otterberg führt. Parkplätze befinden sich vor dem Hauptportal der Abteikirche.

Literaturverzeichnis

  • Kaller, Gerhard (1984). Geschichte von Kloster und Stadt Otterberg. Band 1. Von den Anfängen bis zum Dreißigjährigen Krieg. Schriftenreihe: Ortschroniken des Landkreises Kaiserslautern. Otterbach.
  • Keddigkeit, Jürgen et al. (2015). Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden. Band 3. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Koblenz.
  • Steinebrei, Hans (1993). Otterberg (Pfalz). Die Kirche des ehem. Zisterzienserklosters. Regensburg.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 30“ 11′ N, 7° 46“ 24′ O

Datierung:
seit 1160/1170

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