Fasanerie und ehemaliges Lustschloss Tschifflik in Zweibrücken

Alternative Bezeichnungen: Maison de plaisance

Die etwa 30 Hektar große historisch barocke Gartenanlage „Fasanerie“ beherbergt heute neben dem Landschloss Hotel noch den Wildrosengarten, die salische Ruine der Ehrwoogburg aus dem frühen 12. Jahrhundert sowie den Landschaftsgarten mit zahlreichen Spazierwegen. Auf dem Gelände, das heute unter dem Begriff Fasanerie bekannt ist, befand sich einst das Lustschloss Tschifflik. Der einstige Schlossgarten ist heute eine öffentliche Parkanlage.

Historie

Im Jahr 1537 wird das Gelände der Fasanerie erstmals urkundlich erwähnt unter der Bezeichnung „Gutshof und Wald am Ehrbrunnen“. Das Grundstück war im Besitz des Klosters Wörschweiler, das 40 Jahre an das Herzoghaus Pfalz-Zweibrücken verpachtet war, bis es 1557 schließlich in den Besitz der Herzöge überging. Ein erster Garten wurde durch Prinzessin Magdalena von Jülich-Kleve (1553-1633), der Gattin des Herzogs Johann I. (1550-1604), angelegt. Der Ehrgarten war an eine Schweizerei angeschlossen, einen Hof, der der Viehwirtschaft diente. Außerdem war ein Lusthaus, ein Ehrbrunnen und ein Fischweiher mit Forellenzucht angelegt worden. Des Weiteren wird ab 1621 ein „Thiergarten“ erwähnt, der wohl einem Wildgehege glich.

Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde der Garten teilweise zerstört und verwilderte. Im Jahr 1715 wurde dort das Lustschloss Tschifflik errichtet und wenig später ein Schlossgarten angelegt.

 

Lustschloss Tschifflik

Dem vertriebenen Polenkönig Stanislaus Leszcynski (1677-1766) wurde 1714 von seinem Freund Karl XII. (1682-1718), König von Schweden und Herzog von Zweibrücken, das Exil in Zweibrücken angeboten. Zunächst bezog er Quartier im „Langen Bau am Wasser“, dem Vorgängerbau des heutigen Herzogenschlosses in Zweibrücken. Danach ließ er einen Landsitz östlich von Zweibrücken, auf dem Gelände der heutigen Fasanerie errichten. Erste Pläne hierzu entstanden um 1715 vom schwedischen Architekten Jonas Erikson Sundahl (1678-1762), der 10 Jahre später auch Baumeister des Herzogenschlosses in Zweibrücken war. Um 1718 erhielt die Anlage ihren Namen „Tschifflik“, was an das Wort „Çiftlik“ aus dem Osmanischen angelehnt ist und „Landgut“ bedeutet. Mit der Namensgebung erinnert Stanislaus an sein Exil in der Türkei, wo ihm und König Karl XII. ein Landgut als Wohnsitz überlassen wurde.

Die Anlage bestand aus mehreren einzelnen Pavillons, was an die exotische Architekturmode des frühen 18. Jahrhunderts erinnerte, die orientalische und südostasiatische Elemente aufnahm und im barocken Stil umsetzte. Stanislaus bewohnte allerdings nie die fertige Anlage, denn nach dem Tod Karl XII. im Jahr 1718 übernahm Herzog Gustav Samuel Leopold (1670-1731) den Herzogensitz. Aus diesem Grund verließ Stanislaus 1719 das Herzogtum und ging in das elsässische Weißenburg, wo er später zum Herzog von Lothringen berufen wurde. Der neue Herzog von Zweibrücken ließ in den 1720er Jahren das Landschloss Tschifflik nach den Plänen Sundahls fertigstellen, darunter Einzelbauten, komplexe Brunnenanlagen sowie den reich gestalteten Garten. Die Gartenanlage sowie die Wasserkünste wurden erst am Ende der Bauzeit 1728 ausgestaltet. Kurz darauf übernahm der Pfalz-Zweibrückische Hofgärtner Johann Arndt Koellner (1676-1742) die Pflege des Gartens.

Gravierende bauliche Veränderungen nahm Herzog Christan IV. (1722-1775) ab 1748 an Tschifflik vor. Die verbliebenen Gebäude wurden in eine größere Anlage eines herrschaftlichen Hofgutes integriert, die von einer heute weitgehend erhaltenen Umfassungsmauer abgegrenzt wurden. Neue Pavillons und Gebäude wurden zwischen 1757 und 1769 vermutlich nach den Entwürfen von Christian Ludwig Hautt (1726-1806) errichtet. Zur gleichen Zeit wurde die Anlage von dem renommierten Saarbrücker Gartenarchitekten Johann Ludwig Petri (1714-1794), der zuvor den barocken Schwetzinger Schlossgarten gestaltete, revitalisiert und zu einem Landschaftspark erweitert. Mit der Errichtung einer Fasanerie im Gartenbereich in den Jahren zwischen 1757 und 1769 erhielt das Gelände seinen heutigen Namen. Eine Fasanerie ist ein Gehege in dem Fasane gehalten werden, aber oftmals wurden nicht nur Fasane sondern auch andere vom Adel als schön empfundene Tiere, wie Pfauen, in einer Fasanerie gehalten. Tschifflik verlor an Bedeutung, als Herzog Carl II. August (1746-1795) im Jahr 1779 nach Karlsberg übersiedelte, wo der Karlsgarten noch an Größe und Aufwand Tschifflik übertrumpfte.

Nach den kriegerischen Unruhen, ausgelöst durch die Französische Revolution (1789), wurde das Gelände verstaatlicht und große Teile dem Landgestüt Zweibrücken zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung zugesprochen. Die Ruinen Tschiffliks wurden in das Gestüt integriert, das fast 100 Jahre später in städtischen Besitz überging. Anfang des 20. Jahrhunderts begann ein neues Kapitel der Fasaneriegeschichte, denn durch seine Nutzung als Volkspark mit einem Ausflugslokal, an dessen Stelle heute das „Romantikhotel Landschloss Fasanerie“ steht, wurde das Gelände wiederbelebt. Die heute noch teilweise erhaltene Anlage ist Teil des Naherholungsgebietes innerhalb der Zweibrücker Fasanerie.

 

Geländebeschreibung Tschiffliks nach den Plänen Sundahls

Die Architektur und die Gartenanlage Tschiffliks waren in einer einzigartigen und einheitlichen Komposition zusammengefügt und gelten als herausragendes Beispiel barocker Landschaftsarchitektur. Die Hauptachse der Anlage verlief in Ost-West-Richtung längs eines kleinen Seitentals. Die Ostseite bildete ein steiler Hang mit fünf Terrassierungen entsprechend der Topographie. Auf der Westseite wurden nur zwei Terrassen angelegt, die wesentlich aufwendiger gestaltet wurden. Die gesamte Anlage schmückten Blumenbeete, Wasserspiele und Skulpturen, neben Pavillons im Stil der polnischen Landgüter aus Holz.

Den Abschluss der obersten Ebene bildete das Gärtnerhaus, das außerhalb des herrschaftlichen Bereichs lag und gewissermaßen ein Torgebäude war. Die Grundfläche der oberen Terrasse war bereits zu dieser Zeit eine rechteckige Ebene. Als Außenbegrenzung diente eine Hecke, die von einem Wassergraben begleitet wurde. Die Hälfte der Ebene wurde von einem quadratischen Bassin eingenommen, das bis heute in dieser Form existiert; Lediglich die Balustrade fehlt. Das architektonische Zentrum dieses Plateaus bildete der Pavillon des schwedischen Gouverneurs und Feldmarschalls von Adlersfeld, der direkt an das große Bassin angrenzte. Der Adlersfeldpavillon war ein verputzter, eingeschossiger Fachwerkbau mit hohem Walmdach. Nach 1755 entstand an dieser Stelle das obere Bassin, das heute noch zu sehen ist. Das Gärtnerhaus verschwand zu dieser Zeit; Wassergraben und Hecke wurden durch Wege ersetzt. Im Südwesten entstanden neue Gebäude, die heute noch zum Teil in das Schlosshotel integriert sind.

Auf der mittleren Ebene lag der gestaltungstechnische Höhepunkt. Über eine Freitreppe von der oberen Terrasse kommend, gelangte man rechts und links davon zu den Pavillons der beiden Prinzessinnen und der Königinmutter. Diese waren mit Flachdächern versehen, was zum einen die darüber liegende Terrasse flächenmäßig vergrößerte und zum anderen als Aussichtsterrasse diente. In der Mitte der Ebene lag der Königspavillon. Dabei handelte es sich um ein verputztes, doppelgeschossiges Fachwerkhaus mit Pyramidendach. Den östlichen Abschluss bildeten die Flachdächer der zwei dreigeschossigen Pavillons auf der unteren Ebene, die bis heute an dieser Stelle erhalten sind.

Von der Talsohle aus betrachtet erschienen die Plateaus mit den Pavillons wie eine Triumphwand. Der heutige Eindruck wird durch das im 19. oder frühen 20. Jahrhundert veränderte Wasserbecken bestimmt. Der Terrassenberg wurde von den umfangreichen Veränderungen zur Mitte des 18. Jahrhunderts durch Herzog Christan IV. weitgehend verschont. Fünf unterschiedlich dimensionierte Terrassen waren am Osthang angelegt worden, die über eine breite Treppenanlage in der Hauptachse verbunden waren. Den oberen Abschluss bildete ein Triumphbogen mit einem Flachdach, das über eine große Treppe begehbar war. Die Plattform diente als Musikertribühne der Hoftrompeter, die ein unvergleichbares Echo im Tal erzeugte. Die Balkone der Pavillons des Königs und des Gouverneurs, sowie die Flachdächer der Prinzessinnen und der Königinmutter dienten also nicht nur der guten Aussicht, sondern auch zum Hören der gespielten Musik.

Die Strenge der Terrassierung sowie die Abfolge der Gebäude und Pavillons unterlagen der vorherrschenden Hierarchie des französisch geprägten höfischen Lebens. Auf Grund der Lage Tschiffliks abseits Zweibrückens war der Landsitz weniger auf seine Publikumswirksamkeit angelegt, sondern vielmehr eine Inszenierung für sich selbst.

 

Die heutige Fasanerie mit Landschloss Hotel

Seitdem die Anlage 1897 in den Besitz der Stadt Zweibrücken übergegangen ist, blieb die Grundform der ursprünglichen Gartenanlage des Architekten Sundahl erhalten, trotz zahlreicher Umbaumaßnahmen an den Gebäuden und der Außenanlage. In den 1930er Jahren wurde auf dem einstigen Schlossgelände ein Ausflugslokal errichtet, welches das Gelände wiederbelebte. An dieser Stelle steht heute das „Romantik Hotel Landschloss Fasanerie“. Einige der ehemaligen Schlosspavillons sind noch erhalten sowie teilrekonstruiert und zum Teil in das heutige Schlosshotel integriert.

Im Jahr 1934 begannen archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände der Fasanerie, die die Anlage Tschiffliks nach den Plänen Sundahls bestätigten. Am Berghang der Ostseite wurden die Fundamente des Triumphbogens und auf der Westseite im Bereich der Königsterrasse die Fundamente des Pavillons der Königinmutter und die der Prinzessinnen freigelegt. Im November 2005 wurde eine Georadaruntersuchung durchgeführt. Dadurch konnten einige Fundamente, vor allem die der früheren Pavillons, wieder aufgefunden werden. Von 2006 bis 2008 wurde ein Großteil der denkmalgeschützten Gartenanlage im Auftrag der Stadt Zweibrücken erneuert. Vorbild der Erneuerung war die Anlage nach der Umgestaltung Petris, Mitte des 18. Jahrhunderts. Dabei wurde Wert darauf gelegt, den barocken Ursprung der Anlage mit der Funktion der Naherholung zu verbinden.

Teile der im Barockstil angelegten Tschifflikanlage stehen heute unter Denkmalschutz und bilden eine Denkmalzone. Laut Generaldirektion kulturelles Erbe (2017): „Fasanerie und ehem. Lustschloss Tschifflik Fasaneriestraße 1, östlich der Stadt, südlich von Niederauerbach (Denkmalzone) (terrassenförmige Lustschlossanlage nach Plänen von Jonas Erikson Sundahl, 1718-27, davon erhalten Terrassenmauer mit Kaskaden und seitlichen teilrekonstruierten Pavillons, Wasserbecken; 1757-69 Umwandlung in Fasanerie, von einer Umfassungsmauer umschlossen; darin im Norden Ruine einer Turmhügelburg des frühen 12. Jh. (Grundmauern eines rechteckigen Turmhauses, zwei Zisternen, Ringmauer, Schildmauer der Vorburg, Halsgraben).)“

 

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Das Gelände der Fasanerie mit Wildrosengarten ist eine öffentliche Parkanlage und ganzjährig ohne Zugangsbeschränkung zugänglich. Der Eingang des Wildrosengartens liegt gegenüber des Romantikhotels „Landschloss Fasanerie“, etwa 1,5 Kilometer östlich der Zweibrücker Innenstadt.

(Sonja Kasprick, ZukunftsRegion Westpfalz, 2019)

Literaturverzeichnis

  • Legner, Giesela. (o.J.). Die Fasanerie bei Zweibrücken Zweibrücken.
  • Junker-Mielke, Stella. (2006). Verborgene Gärten in Rheinland-Pfalz. Lindenberg im Allgäu.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 14“ 40′ N, 7° 23“ 42′ O

Datierung:
1715

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