Landesgestüt Zweibrücken in Zweibrücken

Alternative Bezeichnungen: Ehemaliger Palais Forbach

Das Palais Forbach war ein kleines Schloss in Zweibrücken, welches der damalige Herzog Christian IV. im Jahr 1758 errichten ließ. Zu dem Anwesen gehörte auch eine große Parkanlage. 1793 wurde der Palais Forbach durch französische Revolutionstruppen niedergebrannt und zerstört. Napoléon verfügte im Jahr 1806 über die Errichtung eines Gestütes auf dem ehemaligen Gelände des Palais Forbach. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gestüt zerstört, in den Folgejahren jedoch wieder aufgebaut. Heute ist die Anlage der Knotenpunkt des Reitsportes im Süd-Westen.

Palais Forbach (1758-1793)

Das Palais Forbach war ein kleines Schlösschen in Zweibrücken, welches der damalige Herzog Christian IV. (1740-1775) für seine Frau, die Gräfin von Forbach (1734-1807), im Jahr 1758 errichten ließ. Architekt des Palais Forbach war der Pariser Baumeister Pierre Patte, welcher sich bei der Planung am Stil des Pariser Stadtpalais orientierte. Es entstand ein zweigeschossiger, elfachsiger Bau mit dreiachsigem Mittelrisalit, reliefierter Dreiecksgiebel und einem einachsigen Seitenrisaliten. Der Palais Forbach verfügte jeweils, laut Grundriss aus dem Jahre 1808, über eine breite siebenstufige Treppe auf der Vorder- und Rückseite des Gebäudes. Die Räume des Schlosses waren in einen vorderen und einen hinteren Gebäudeteil durch einen langen Mittelkorridor unterteil. Im Stil des Barocks und Rokokos waren die Räume so angeordnet, dass die Zimmertüren in einer Achse lagen und man so vom ersten Raum bis in den hintersten Raum schauen konnte. Im vorderen Teil waren zwei Speisezimmer, zwei Küchen, ein Wohnzimmer sowie ein Kinderzimmer untergebracht und im hinteren Teil waren zwei Vorzimmer, zwei Salons, ein Schlafzimmer sowie zwei kleine angrenzende Zimmer vorhanden.

Hinter dem Palais Forbach befand sich ein dazugehöriger Park, der sich entlang des Schwarzbaches, wie auch der gegenüberliegende Schlossgarten, bis hin zum heutigen Rosengarten erstreckte. Der Park wurde von Johann Ludwig Petri geplant, welcher sich bei der Planung an der Gartenanlage des Pariser Stadtpalais orientierte.

Im Jahr 1761 wurden die Bauarbeiten am Schloss abgeschlossen und 15 Jahre später folgte der Bau eines Hoftheaters von Christian von Mannlich in direkt Nähe des Schlosses. Im Jahr 1793 wurde der Palais Forbach in den Revolutionskriegen durch französische Revolutionstruppen niedergebrannt und später abgebrochen. Im Jahr 1808 beschloss man die Ruine des Schlosses mit dem noch intakten Theater als Verwaltungssitz des Zweibrücker Gestütes zusammenlegen. Vom Hauptgebäude des eigentlichen Schlosses existieren heute nur noch Zeichnung von der Fassade der Gartenseite.

Das Schloss befand sich auf der Fläche des Gestüts, an der heute der große Reitplatz vor dem Verwaltungsgebäude zu finden ist.

Landesgestüt Zweibrücken

Die Gründung des Zweibrücker Gestütes geht auch auf die Regierungszeit von Christian IV. zurück. Nach einer Reise nach England, bei der er die englischen Vollblutpferde kennenlernte, ließ er zwischen 1752 und 1755 in Birkhausen im nahen Hornbachtal, auf dem Eichelscheiderhof bei Waldmohr, bei Kirkel und auf dem Holzhauserhof bei Nohfelden an der Nahe Einrichtungen des herzoglichen Gestüts errichten.

Die Gründung des Landgestüts

Im Jahr 1755 erließ Christan IV. eine Verordnung, die die Aufstellung herzoglicher Hengste auf auswärtigen Beschälstationen des Herzogtums Zweibrücken regelte. Das Zweibrücker Landesgestüt war gegründet, wo der ursprüngliche Standort des Landgestüts Zweibrücken lag kann heute jedoch nicht mehr mit Sicherheit nachvollzogen werden, vermutlich lag es auf dem Gelände des heutigen Shopping-Outlets. Christian IV. begründete die beiden Pferderassen „Zweibrücker“ und „Anglo-Araber“, welche sich sehr gut für die Kavallerie und Kurierdienst eigneten. Das Gestüt erlangte dann in den folgenden Jahren große Bedeutung, selbst König Friedrich II. von Preußen (1712-1786) kaufte im Jahr 1783 150 Hengste aus der Zweibrücker Zucht. Der Herzog Karl II. August (1775–1795), der Nachfolger von Christian IV. führte in diesen Jahren das Gestüt im Sinne seines Onkels weiter.

Vom Palais Forbach zum Gestüt Zweibrücken

Im Jahr 1793 besetzten französische Revolutionsgruppen die Besitztümer der herzoglichen Familie und die Pferde des Gestüts wurden nach Rosières-les-Salines bei Nancy verlegt. Napoléon Bonaparte (1796-1821), welcher beeindruckt von den Pferden der Zweibrücker Zucht war, verfügte am 04. Juli 1806 die Wiedererrichtung des Zweibrücker Gestütes auf dem ehemaligen Gelände des Palais Forbach. Das Gestüt wurde teilweise in den beschädigten Vorgängergebäuden des Palais geplant. Ein Plan aus dem Jahr 1808 zeigt die ehemaligen Bauten des Palais Forbach und bereits existierenden Stallungen sowie die Alleen entlang des Schwarzbaches sowie die bauliche Veränderung zum Bau des Gestüts, wie die Neuplanung eines Reitplatzes auf dem Gelände der ehemaligen Parkanlage. Im Jahr 1808 war das Gestüt wieder aufgebaut. Nach dem Grundrissplan aus dem Jahr 1808, sah das ursprüngliche Gestüt wie folgt aus: Entlang der heutigen Gutenbergstraße verlief ein längliches Gebäude, in diesem waren die Pferdeställe untergebracht. Ein weiteres (Stall)Gebäude verlief parallel zur heutigen Gabelsbergerstraße. Im Eckgebäude war eine Futterkammer sowie, durch einen Durchgang getrennt, eine Schmiede untergebracht. Der angrenzende Flügel schloss rechtwinklig an und beherbergte Wohnungen für die Pfleger, dieser Gebäudeteil endete mit einem Durchgang zur Manage im Innenhof. Leicht nach hinten versetzt schloss sich das alte Schlossgebäude der Gräfin von Forbach an, dieses wurde jedoch nun als Verwaltungsgebäude und Wohngebäude des Gestütsdirektors genutzt. Somit ergaben die Gebäude die Form eines Hufeisens, welches Platz für einen Innenhof bot. Der rechte Flügel des Gebäudes war länger und grenzte an das ehemalige Lustschloss an.

Die Hengste, die nach Rosières verlegt worden waren, kehrten nach Zweibrücken zurück und es wurden weitere Hengste aus verschiedenen Teilen Deutschlands, Spaniens und Ungarn gekauft. Ein besonderes Geschenk erhielt das Gestüt im Jahr 1811, als Napoléon seinen arabischen Hengst Fayoum Zweibrücken überließ.

Zerstörung und Wiederaufbau des Gestüts

Im Jahr 1816 fiel die Pfalz dem Königreich Bayern zu und das Gestüt war fortan Königliches Bayrisches Land- und Stammgestüt. Neben den Pferden aus der eigenen Zweibrücker Zucht wurden englische, arabische und persische Hengste erworben. Sie wurden neben dem militärischen Zweck auch als Rennpferde eingesetzt. Die Übernahme der pfälzischen Gestütsanstalt, wie das Gestüt noch vor mehr als 100 Jahren hieß, erfolgte im Jahre 1890 als Bayrisches Land- und Stammgestüt Zweibrücken. Seit dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) wurden auch Kaltblüter, für den landwirtschaftlichen Einsatz, auf dem Gestüt gezüchtet. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde das gesamte Gestüt zweimal nach Bayern evakuiert und in den letzten Kriegstagen wurde die Stadt Zweibrücken sowie das Gestüt zerstört.

Es wurde jedoch in den Folgejahren mit viel Mut und Kraft wieder aufgebaut. Bis zur Jubiläumsfeier zum 200-jährigen Bestehen des Landgestüts im Jahr 1955 war ein Großteil der heutigen Gestütsgebäude schon wieder aufgebaut worden und der Bau einer neuen Reithalle war in Planung. Die heutigen Gebäude wurden jedoch nicht mehr nach dem zerstörten Vorbild angeordnet. Es entstanden zwei langgestreckte Gebäude entlang der Gabelsbergerstraße, denen ein großer Reitplatz vorgelagert ist. Daneben schließen sich die Reithallen und weitere kleiner Gebäude an. Diese bauliche Veränderung machen auch heute noch die erhalten gebliebenen Brunnenreste deutlich. Stand dieser vor dem Krieg im Innenhof der Dreiflügelanlage, die sich über Eck entlang der Gutenbergstraße und Gabelsbergerstraße erstreckte, so stehen die Reste heute abgelegen von den heutigen Hauptgebäuden. Am Ort des heutigen Hauptgebäudes befand sich ursprünglich der Garten. Der Haupteingang wurde beim Wiederaufbau auch an die Gabelsbergerstraße verlegt. Jedoch markieren zwei Pferdeköpfe an den Torpfosten noch heute den früheren Eingang des Gestüts an der Gutenbergstraße. Hier befand sich früher auch der Eingang zu Park des Palais Forbach.

Das Landesgestüt heute

Durch die zunehmende Technisierung und den Rückgang der Pferde in der Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gestüt nach dem Jahr 1960 neu strukturiert. Das Gestüt in Zweibrücken wurde Hengstdepot (Landgestüt von Rheinland-Pfalz), das Stammgestüt Eichelscheid aufgelöst bzw. verkauft und das Hauptgestüt (Fohlenstation) Birkhausen aufgelöst und an den Trakehner-Verband verpachtet. Man züchtete fortan Pferde für die Freizeitgestaltung und den Reit- und Fahrsport.

Die 13 Hektar große historische Anlage gilt heute als der Knotenpunkt des Reitsportes im Süd-Westen. Neben der Pferdezucht ist die Anlage ein Pensionsbetrieb und richtet Pferdesportveranstaltungen sowie Zuchtveranstaltungen aus. Darüber hinaus ist das Landgestüt Zweibrücken „Heimat“ für mehrere Zweibrücker Reitsportvereine und bietet eine Reitschule für Jung und Alt.

Die gesamte Anlage ist ein Kulturdenkmal im nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler der Stadt Zweibrücken: Landgestüt, 1. Hälfte 19. Jh.: drei Stallgebäude, zwei Pferdekopfskulpturen und Säule mit Vasenbekrönung (bauliche Gesamtanlage)“

Seit dem Jahr 2020 bietet das Gestüt außerdem einen „digitalen Gestütsrundgang“ an. An den zehn wichtigsten Gebäuden und Objekten sind Schautafeln angebracht worden, die einen kurzen Abriss über ihre Bedeutung und die Gestütsgeschichte geben. Mit Hilfe eines QR-Codes kann man dann noch weitere Informationen mit dem Handy abrufen.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Das Landesgestüt Zweibrücken befindet sich in der Zweibrücker Innenstadt in der Nähe des Rosengartens. Das Gestüt erstreckt sich heute auf 13 Hektar Fläche. Parkplätze stehen in den umliegenden Straßen  und auf Parkplätzen rund um das Gestüt zur Verfügung.

Literaturverzeichnis

  • Nebe, Hans Dieter / Landgestüt Zweibrücken (2005). Der Zweibrücker und sein Gestüt. 250 Jahre Landgestüt Zweibrücken Zweibrücken.
  • Junker-Mielke, Stella (2008). Barocke Gartenlust – Auf den Spuren entlang der BarockStraße SaarPfalz - S. 84-87 o.O.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreisfreie Stadt Zweibrücken o.O.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 15“ 6′ N, 7° 21“ 55′ O

Epoche:

Unbekannt

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1955

Schlagworte:

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