Schloss in Zweibrücken

Alternative Bezeichnungen: Zweibrücker Residenz, Neue Residenz

Das Herzogsschloss in Zweibrücken ist einer der größten und prächtigsten profanen Barockbauten in Rheinland Pfalz. Es wurde zwischen 1720 und 1725 vom schwedischen Architekten Jonas Erikson Sundahl (1678-1762) als neuer Fürstensitz des Herzogtums Pfalz-Zweibrücken gebaut. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde das Schloss stark beschädigt, in einer dreijährigen Bauphase nach den Originalplänen Sundahls wiedererrichtet und im Jahr 1965 eröffnet. Seitdem beherbergt das Schloss das Pfälzische Oberlandesgericht und die Generalstaatsanwaltschaft.

Vorgängerbauten

Anfang des 12. Jahrhunderts stand etwa an der Stelle des heutigen Schlossplatzes eine Wasserburg, umschlossen von einem Arm des Bleicherbaches. Die Burg war zunächst im Besitz des Grafen von Saarbrücken, ging 1385 zur Hälfte an das Wittelsbacher Geschlecht und wurde im 15. Jahrhundert zerstört. Im Jahr 1585 wurde an selber Stelle der Vorgänger des heutigen Schlosses errichtet, der „lange Bau am Wasser“. Die Wittelsbacher Herzöge ließen neben dem Schloss mit eigener Mühle und Bibliothek einen ganzen Schlossbezirk anlegen.

Geschichte des heutigen Schlossbaus

Herzog Gustav Samuel Leopold (1670-1731) ließ zwischen 1720 und 1725 das heutige Zweibrücker Barockschloss vom schwedischen Landmesser und Architekten Jonas Erikson Sundahl (1678-1762) als neuen Fürstensitz für das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken bauen. Der schwedische Baumeister hatte das Schloss an der Nordseite des bereits bestehenden Schlossplatzes errichten lassen. Im Westen stand der bereits erwähnte „Lange Bau am Wasser“. Östlich wurde der Platz unter anderem von einem Ballhaus, einer Münzstätte und einer Reitschule begrenzt. Zusammen mit weiteren an dem Platz gelegenen herzoglichen Bauten bildete das neue Schloss ein beeindruckendes Ensemble.

Die beiden direkten Nachfolger des Herzogs residierten ebenfalls im Schloss. Der dritte Nachfolger, Karl II. August, zog 1778 in das noch nicht ganz fertig gestellte Schloss Carlsberg bei Homburg um, sodass das Zweibrücker Schloss an Bedeutung verlor. Von nun an diente es nur noch für gelegentliche Kurzaufenthalte des Herzogs. Maximilian I. Joseph (1756-1825), der 1806 der erste König Bayerns wurde, verbrachte seine Jugend im Schloss Zweibrücken. Die Feierlichkeiten seiner Vermählung mit Auguste Wilhelmine Marie von Hessen-Darmstadt (1765-1796) im Dezember 1785 waren die letzten großen Ereignisse im Schloss.

Am 03. August 1793 wurde das Schloss durch französische Soldaten geplündert und angezündet. Das Dach wurde völlig zerstört, nur die Grundmauern und die Räume im westlichen Eckbau hielten dem Feuer stand. Das verwüstete Innere blieb Jahre lang der Witterung ausgesetzt.

Erst im Jahr 1809 wurde von der Diözese Zweibrücken angeordnet, das Schloss wieder mit einem Dach zu versehen und eine katholische Kirche im Inneren des Gebäudes zu errichten, denn in Zweibrücken hatte es bisher kein katholisches Gotteshaus gegeben. Die Bauarbeiten begannen allerdings erst 1818, als das Schloss an das Königreich Bayern gefallen war. Im Juni 1819 wurde das neue Walmdach fertiggestellt und Ende Mai 1820 die Kirche in der Mitte des Schlosses eingeweiht. Namenspatron war der heilige Maximilian, in Anspielung auf den ersten Bayernkönig Maximilian I. Joseph, weshalb die Kirche den Namen Maximilianskirche trug. Die komplette Sanierung des Schlosses konnte erst 1824 abgeschlossen werden. Seit dem befand sich neben der Maximilianskirche im westlichen Teil des Schlosses ein Quartier für den aus der Pfalz stammenden bayerischen König Maximilian und seine Familie. Da diese Wohnräume durch die Königsfamilie allerdings kaum genutzt wurden, zogen zwischen 1837 und 1838 der Appellationsgerichtshof und der Generalstaatsprokurator in die Räumlichkeiten ein.

Ab 1867 wurde die Maximilianskirche nicht mehr genutzt und das Schloss wurde nun komplett zum Justizpalast inklusive Untersuchungsgefängnis umgebaut. Außer den bisherigen Einrichtungen beherbergte der Bau, bis zur Evakuierung Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-1945), nun auch andere Justizbehörden Zweibrückens, wie das Landgericht, die Gendarmerie, das Schwurgericht, das Bezirksgericht sowie die Staatsanwaltschaft. Abgesehen vom Westteil wurde das Innere des Schlosses dafür neu gestaltet, ein neues niedriges Walmdach gebaut und der seit 1843 nicht mehr ganz standfeste Glockenturm abgerissen. Die Pläne hierfür stammten von August von Voit, die besondere Entwürfe für die aufwendige Dekoration des Schwurgerichts- und Bezirksgerichtssaals, sowie des Hof- und Gartenportals enthielten. Im Jahr 1879 wurde das Bezirksgericht durch das Landesgericht sowie das Appellationsgericht durch das Oberlandesgericht ersetzt. Die Gendarmerie und das Gefängnis wurden anderweitig untergebracht. Die neu erworbenen Räume standen dem Gericht zur Verfügung.

Bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg am 14. März 1945 wurde auch das Herzogschloss von mehreren Bomben alliierter Flugzeuge getroffen und brannte völlig aus. Das Dach verbrannte, die Außenmauern der Ost- und Südseite wurden fast komplett zerstört, lediglich der westliche Teil und die Gartenfront hielten stand. Das Schlossinnere war verwüstet und mit Schutt verfüllt. Zwischen 1951 und 1952 fanden erste Sicherungsarbeiten statt. Im Jahr 1959 wurden einsturzgefährdete Bereiche beseitigt und der Schutt weggeräumt. Im gleichen Jahr ging das Schloss in den Besitz der Stadt Zweibrücken über. Nach zahlreichen Überlegungen der Stadt über die Nutzungsmöglichkeiten wurde das Schloss schlussendlich nach den Originalplänen von Jonas Erikson Sundahl in vornapoleonischer Form restauriert. Die Grundsteinlegung fand am 7. November 1962 statt. Die Bauarbeiten dauerten bis zur Fertigstellung etwa zwei Jahre. Am 1. Januar 1963 ging das Schloss in rheinland-pfälzischen Besitz über. Seit 1965 beherbergt das Schloss das Pfälzische Oberlandesgericht sowie die Generalstaatsanwaltschaft.

Baubeschreibung

Nach dem Wiederaufbau im Zweiten Weltkrieg ist das Schloss mit querrechteckigem Grundriss heute etwa 80 Meter lang, 23 Meter breit und 24 Meter hoch. Vor dem Schloss grenzt der Schlossplatz mit Brunnen an, dahinter der gegenüber seiner ursprünglichen Ausdehnung deutlich verkleinerte Schlossgarten mit dem Denkmal des ersten bayerischen Königs Maximilian I. Joseph (1756-1825). Der Schlossgarten war ehemals weit ausgedehnt und im Stil des Barock angelegt.

Außen:

Den unteren Teil des Schlosses bildet ein 1,90 Meter hoher Sockel, dem sichtbaren Teil des Kellergeschosses. Darüber erheben sich zwei Stockwerke. Das gesamte Gebäude wird durch eine Balustrade vor einem flachen Dach bekrönt. Die Außenmauern bestanden ursprünglich aus gelben Sandsteinen aus Lothringen und roten Sandsteinen aus der Nordpfalz, wovon heute nur noch der rote Sandstein zu sehen ist.

Vor dem großen Eingangsportal der Hofseite liegt eine weit vorspringende Freitreppe. Rechts und links neben dem Eingang steht jeweils eine Balustrade mit zwei Säulen, die zum ersten Obergeschoss hin abschließen. Die südliche Hauptfront gliedert sich in fünf vertikale Abschnitte, jeweils abgetrennt durch korinthische Pilaster (in den Mauerverbund eingearbeiteter Teilpfeiler), die über alle Stockwerke reichen. Eine waagerechte Gliederung wird durch Fenstergesimse geschaffen, die in allen Stockwerken den unteren Abschluss der Fensteröffnungen durchziehen. Die vorspringenden Teile der Hoffassade werden von Giebeln bekrönt, der mittlere Abschnitt von einem Segmentgiebel, die seitlichen von Dreiecksgiebeln. Auf dem Segmentgiebel ist das Wappenschild Gustav Samuel Leopolds unter dem Fürstenhut zu sehen, flankiert von Kriegsgöttern inmitten militärischer Embleme. In den Dreiecksgiebeln ist jeweils zwischen zwei Putten (engelsähnliche Gestalten) auf einem Schild das Monogramm des Herzogs mit dem Fürstenhut abgebildet. Bis 1793 befanden sich auf allen Giebeln jeweils drei stehende Statuen und zwei sitzende und insgesamt eine reiche Dekoration mit Vasen und Trophäen.

Die nördliche Hauptfront, die sogenannte Gartenfassade gleicht der südlichen, jedoch die Doppelsäulenstellungen fehlen neben der Fenstertür; der darüber liegende Segmentgiebel zeigt, anstatt der Kriegsgötter, Löwen seitlich des Wappenschilds. Die westliche und östliche Seitenfassade gleichen sich baulich. Sie sind in sechs Fensterachsen aufgeteilt, ohne Vertikalgliederung. An den Ecken befindet sich jeweils ein Pilaster.

Innen:

Die Innenräume waren ehemals nach dem modernen französischen Stil gestaltet. Das Erdgeschoss durchzieht eine Halle, die von der Hofseite im Süden bis zur Gartenfront im Norden verläuft und sich in drei Seitenschiffe gliedert. Das mittlere Schiff ist dabei doppelt so breit, wie die beiden Seitenschiffe und liegt fünf Treppenstufen tiefer. Die daraus entstehende Form eines Kutschengrabens gilt als Statussymbol. In der Mitte stehen zwei mächtige Pfeiler, die sich dort erheben, wo eine starke Mauer das Schloss in eine Nord- und Südhälfte teilt. Vom östlichen Seitenschiff verläuft ein Korridor in den Osttrakt. Im westlichen Seitenschiff liegt die Haupttreppe, die in den großen Saal der Bel Étage im ersten Obergeschoss führt. Ehemals lagen dort die Staats- und Repräsentationsräume des Herzogs. Im zweiten Obergeschoss, dem Mezzanin, gleicht die Raumaufteilung der Bel Ètage. Dort befanden sich einst die Apartments für hochrangige Persönlichkeiten und die Mitglieder des Hauses Wittelsbach.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Das Schloss Zweibrücken liegt am Schlossplatz in der Innenstadt Zweibrückens. Eine Besichtigung der Innenräume ist nicht möglich, da es sich heute um ein Verwaltungsgebäude handelt.

Literaturverzeichnis

  • Freiermuth, O. (2005). Das Herzogsschloss in Zweibrücken. Worms.
  • Schneider, R. (2003). Schlösser und Landsitze der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken in den Oberämtern Zweibrücken und Homburg im 18. Jahrhundert. Heimsheim.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 14“ 56′ N, 7° 21“ 50′ O

Datierung:
1720-1725 bis heute

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