Schloss in Trippstadt

Alternative Bezeichnungen: Kleine Residenz, Maison de la Campagne

Das Barockschloss mit ursprünglich französischer Parkanlage wurde zwischen 1764 und 1767 in der Gemeinde Trippstadt im Landkreis Kaiserslautern errichtet. Es ist das markanteste Bauwerk Trippstadts und ist auch unter dem Namen „Kleine Residenz im Pfälzerwald“ bekannt. Es befindet sich im Südteil der Gemeinde an der Hauptstraße auf etwa 400 Meter über NN. Hinter dem Gebäude erstreckt sich der heute gut drei Hektar große Schlossgarten.

Geschichte

Die Geschichte des Schlosses in der Gemeinde Trippstadt und der Burg Wilenstein sind eng miteinander verknüpft. Im 17. Jahrhundert entflammten Erbschaftsstreitigkeiten um die Burg und die Herrschaft Wilenstein zwischen dem Falkensteiner und dem Flörsheimer Geschlecht. In Folge dessen wurde Freiherr von Hacke 1719 mit beiden Anteilen von Burg und dem Amt Wilenstein beliehen. 1724 gründete Ludwig Anton Freiherr von Hacke (1682-1752) Eisenhüttenwerke im Moosalbtal, welche die Wirtschaft florieren ließen. Zur Zeit der Fertigstellung des Schlosses im Jahr 1767 stieg durch die gute Arbeitslage die Einwohnerzahl Trippstadts nochmals explosionsartig auf über 500 an.

Bauherr des Schlosses war sein Sohn, Franz Karl Josef Freiherr von Hacke (1727-1780) mit seiner Gemahlin Amönia Marie Charlotte Juliane Sturmfeder von Oppenweiler (1723-1752). Freiherr von Hacke bekleidete das Amt des kurfürstlichen Obristjägermeisters. Seine Aufgabe war es, das kurfürstliche Jagd- und Waldgebiet über die 51 Quadratkilometer große Herrschaft Wilenstein zu verwalten. In dieser Funktion verfolgte er das Ziel, den Zustand des Forsts ständig zu verbessern. So führte er mit Erfolg neue Holzarten ein: nordamerikanische Weymouthkiefer, Fichte, Weiß-Tanne und Lärche. Trippstadt zählte zu den ersten deutschen Gemeinden, in deren Wäldern die vom englischen Lord Weymouth (1640-1714) etablierte, aus Nordamerika stammende Weißkiefer, wuchs. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es im Trippstadter Forst lediglich Aspen, Eichen, Buchen, Birken und heimische Waldkiefern.

Der Bau des Schlosses wurde 1764 nach den Plänen des Baumeisters Sigmund Jacob Haeckher (1726-1772) begonnen und 1767 vollendet. Das Trippstadter Schloss wurde auch unter dem Namen „Maison de la Campagne“ bekannt, was so viel bedeutet wie Landhaus oder im weitesten Sinne Jagd- oder Lustschloss. Es diente der freiherrlichen Familie von Hacke als Sommerresidenz. Sie pflegte sich, in Trippstadt von den Strapazen des Mannheimer Hoflebens zu erholen. Das Schloss und der zugehörige Schlosspark sind durch eine Mauer begrenzt. Den Französischen Garten hatte um 1780 Landschaftsarchitekt Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) geplant. Ursprünglich war dieser Park kurz nach Fertigstellung des Schlosses streng geometrisch im Versailler Stil angelegt worden und hatte eine viel größere Ausdehnung als heute. Jenseits der Mauer schloss sich an die Parkanlage eine naturbelassene Verlängerung, das landschaftlich reizvolle Karlstal, an.

Am 17. April 1776 wurde durch den Physiker Johann Jakob Hemmer (1733-1790) aus Mannheim auf dem Dach des Schlosses der erste Blitzableiter in der Pfalz installiert.

1793 musste Familie von Hacke nach Mannheim vor der französischen Revolutionsarmee fliehen. Bereits einige Jahre nach dem Bau des Schlosses, wurde es am 13. Juli 1794 durch französische Revolutionstruppen erobert und teilweise durch Geschosse an seiner Westseite und dem Dach zerstört. Dadurch waren nur noch das Untergeschoss und der östliche Teil bewohnbar. Das Innere wurde von Sansculotten restlos ausgeräumt. Durch die bis ins Jahr 1797 anhaltenden kriegerischen Auseinandersetzungen konnte Familie Hacke das Schloss nicht wieder Instand setzen. Erst später wurde es mit einem Kostenaufwand von 70.000 Mark vollständig renoviert.

Zwischen 1798 und 1814 unterlagen die linksrheinischen Gebiete der Pfalz französischer Herrschaft. 1803 gelangte das Schloss schließlich in elsässischen Besitz. 1811 erwarben die Handelshäuser Nebel & Neunreuther sowie Vischer und Sohn den gesamten Hackeschen Besitz über Schloss, Garten und Forst. Erst 1833 erwarb Eisenhüttenwerksbesitzer und Großindustrielle Johann Ludwig Freiherr von Gienanth das Schloss. Ebenso wie bei den Vorbesitzern lag das Interesse weniger bei Schloss und Park, als beim Forst, als Holzkohlelieferant für seine Eisenwerke. Das Schloss verfiel und der Schlossgarten verwilderte. Nur der Ostflügel blieb bewohnbar. Freiherren von Gienanth versuchten das Trippstadter Schloss später vergeblich an die königliche Regierung zur Einrichtung einer Strafarbeitsanstalt zu verkaufen. Erst 1865 gelang das Vorhaben und das Schloss wurde für den Preis von etwa einer Million Gulden an den bayerischen Staat verkauft, welcher 1885 dort ein staatliches Forstamt einrichtete. 1888 wurde begonnen den ruinösen Teil des Schlosses wiederaufzubauen, Schul- und Wohnräume zu schaffen und der Park neu angelegt, was mit einem beträchtlichen Kostenaufwand verbunden war. Kurz darauf wurde zusätzlich eine Waldbauschule im Schloss eröffnet. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) musste die Schule 1915 geschlossen werden. Erst 1946 nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) wurde die Waldschule als Forstschule für die Pfalz wiedereröffnet. Das Schloss war von 1960 bis 1980 Sitz der Landesforstschule Rheinland-Pfalz. Im Jahr 1984 wurde es Dienstsitz der Rheinland-Pfälzischen Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft (FAWF). Zwischen 1985 und 87 war wiederum eine Renovierung mit einem Kostenaufwand von über einer Million DM notwendig.

Baubeschreibung

Das Gebäude ist ein breitgelagerter einflügliger und zweigeschossiger Sandsteinquaderbau, mit Souterrain mit Keller- und Wirtschaftsräumen und einem voluminösen Dachgeschoss angelegt. Es gibt über dreißig Räume, ein paar Säle und diverse Wirtschaftsräume. Das Schloss ist 48 Meter lang, 19 Meter breit und 18 Meter hoch. Die Hausteinfassade des ganzen Baus ist mit exakt und glatt behauenen roten Sandsteinquadern, vermutlich aus Steinbrüchen der näheren Umgebung Trippstadts, verkleidet. Die Vorderfront weist 13 Fensterachsen der Längsfront auf, die durch aus der Fassade leicht hervorspringende Gebäudeteile aufgegliedert werden. Das flache Giebelfeld über dem Mittelbau am Vordereingang zeigt die Jahreszahl 1766 sowie ein kunstvoll gehauenes Relief des Hacke’schen und Strurmfeder’schen Allianzwappens der beiden Erbauer des Schlosses. Die Fertigstellung des Schlosses fand zwar erst ein Jahr später statt, als das Wappen bezeugt, vermutlich handelt es sich aber um das Jahr des Richtfestes oder der beabsichtigten Fertigstellung. Die Frontspitze der Rückseite des Schlosses, die dem prachtvollen Park zugewandt war, erhielt ein von einer Muschel umgebenes, plastisches Ornament, welches das Auge Gottes in Dreiecksform darstellt. An allen vier Seiten des Schlosses befinden sich Freitreppen. Die gartenseitige Freitreppe ist zweiläufig und gekurvt. Das der Straßenseite zugewandte Portal besteht heute aus Basalt. Sie bestand früher wahrscheinlich aus Sandstein, da die Stufen allerdings ausgetreten waren, wurden sie in den 1960er Jahren durch Basaltstufen ersetzt. Zur Wasserversorgung wurde ein 365 Meter langer Brunnenstollen gegraben, der fünf Dorfbrunnen speiste, schließlich in die Schlossküche gelangte und im Schlossgarten endete.

Das Barockschloss in Trippstadt sowie der Schlossgarten stehen unter Denkmalschutz. 1985 übernahm die Gemeinde Trippstadt die Obhut über den Schlossgarten und wandelte diesen in eine Erholungsstätte um. 

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Das Schloss inklusive Parkanlage liegt an der Hauptstraße im südlichen Teil Trippstadts. Das Schloss kann nur von außen besichtigt werden. Der Park ist ganzjährig geöffnet und frei zugänglich.

Literaturverzeichnis

  • Hellriegel, R. (o.J.). Die Geschichte des Trippstadter Schlosses. o.O.
  • Dickerhof, E. (2003). Die Residenz im Pfälzerwald - Die Freiherren von Hacke und das Trippstadter Schloss. In: Schauder, K. (Hrsg.): Im Herzen des Pfälzerwaldes. Trippstadt in Geschichte und Gegenwart. Otterbach.
  • Breitkopf, K. (2000). Der Trippstadter Schloßgarten unter den Freiherrn von Hacke. In: Blätter zur Heimatgeschichte von Trippstadt. S. 22-39. Trippstadt.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 21“ 14′ N, 7° 46“ 4′ O

Datierung:
1767 bis heute

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