Schloss in Kirchheimbolanden

Alternative Bezeichnungen: Residenz in Kirchheimbolanden

Das Schloss Kirchheimbolanden liegt im nördlichen Teil der gleichnamigen Stadt. Bereits um 1390 wurde erstmals an der Stelle des heutigen Schlosses eine Burg urkundlich erwähnt. Seit 2003 wird das ehemalige Schloss als Seniorenresidenz genutzt. Das Gebäude stellt durch Mitteltrakt, Seitenflügel und den Innenhof die ursprüngliche Anlage des 18. Jahrhunderts wieder her. Dennoch behielt lediglich der Ostflügel seine äußere Gestalt bei.

Geschichte

Der Graf von Sponheim, der das Gebiet in dem Kirchheimbolanden lag regierte, bat im Jahr 1368 Kaiser Karl IV. (1316-1378) dem Dörfchen Kirchheimbolanden die Würde einer Stadt zu verleihen, womit das Recht zur Befestigung verbunden war. Der Kaiser, dessen Residenz in Prag lag erteilte die Genehmigung, woraufhin Kirchheimbolanden mit Gräben, Türmen, Toren und einer wehrhaften Mauer ausgestattet wurde. Der Graf kaufte zwei Edelknechten in Kirchheimbolanden ein Haus ab, das man „Die Burg“ nannte. Vermutlich war es größer und stabiler als alle anderen Häuser. Das Haus wurde ausgebaut und eine Burgkapelle errichtet. Es handelte sich um einen Vorläufer aller später errichteten Residenzen in genau dem gleichen Stadtteil.

Die Heirat des Grafen hatte zur Folge, dass er Ende des 14. Jahrhunderts zur Herrschaft über Kirchheim wechselte, welche mit den Linien Nassau-Saarbrücken und Nassau Weilburg 400 Jahre lang die Geschichte der Stadt bestimmte. Kirchheimbolanden blieb lange Zeit allerdings nur Nebensitz. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts wurde aus der ehemaligen Wehranlage eine Schlossanlage entwickelt. Dieser zweite Bau wurde später abfällig das „alte Haus“ genannt, obwohl es viele schöne Gemächer gehabt haben soll. Noch während der Bauphase zwischen 1602 und 1618 begann der dreißigjährige Krieg (1618-1648), der Elend und Zerstörung über die Stadt brachte. Im Laufe des 17. Jahrhunderts stand die Pfalz 14 Jahre lang unter französischer Verwaltung, was sich in späterer Zeit noch dreimal wiederholten sollte. Ende des 17. Jahrhunderts schmiedete man deshalb bereits neue Bauvorhaben. Reichsfürst Carl August von Nassau-Weilburg (1685-1753) veranlasste den Bau. Er griff das unterbrochene Vorhaben seines Vaters auf und ließ zwischen 1738 und 1740 ein neues Schloss im, barocken Stil an anderer Stelle errichten. Es war das dritte Schloss in Kirchheimbolanden. Guillaume d`Hauberat war kurpfälzer Oberbaudirektor und renomierter Bauherr, der am Bau des Mannheimer Schlosses und des Schwetzinger Schlosses beteiligt gewesen war. Das Erscheinungsbild richtete sich nach dem Versailler Vorbild. Das Schloss war allerdings kein Prunkbau mit Zügen von Übertriebenheit und Verschwendungssucht, denn der Fürst war zwar Anhänger des Absolutismus, aber dennoch war er am Wohl seines Landes interessiert. Das Schloss war bislang die Sommerresidenz des Fürsten und neben Weilburg auch zweiter Herrschaftsmittelpunkt des Landes. Das Ensamble aus Schloss, -garten und –kirche machten das Städtchen zur Residenz. Der Barocke Eindruck erstreckte sich durch weitere Bauten über das Schloss hinaus auf das umgebende Stadtviertel und gibt dem Ort auch heute noch einen unübersehbaren Reiz einer früheren Residenz.

Der Fürst verlieh bis zu seinem Tod 1753 der Stadt wachsendes Ansehen und seine linksrheinische Herrschaft dehnte sich von Alsenz im Norden bis Eisenberg im Süden aus. Sein Nachfolger war sein minderjähriger Sohn Carl Christian (1735-1788), der den Schwerpunkt der Herrschaft noch weiter in die Nordpfalz verlagerte. Die Stadt wurde zur „kleinen Residenz“ des Fürstentums. Es dauerte fast 20 Jahre, bis er die Regierungsgeschäfte seines Vaters völlig übernahm. Bis dahin war er in vielfältigen militärischen Diensten tätig. Er war Anhänger der Aufklärung und räumte der Stadt in diesem Zuge das Recht zur Selbstverwaltung ein und manch andere Neuerungen. Dies führte allerdings zu Auseinandersetzungen, wodurch es unter anderem zu Verhaftungen und zu einer Bedrohung des Schlosses kam, weshalb sich der Fürst nach Oppenheim zurückzog.

1760 heiratete der Fürst Prinzessin Caroline (1743-1787) aus dem Hause Oranien in den Niederlanden, die erst 1770 an den Hof kam. Durch sie erfuhr das Hofleben seine kulturelle Blüte. Sie selbst war eine hervorragende Sängerin, spielte Klavier und es existierte ein kleines Hoforchester. Aus diesem Grund engagierte sie namhafte Musiker, wie zum Beispiel Wolfgang Amadeus Mozart. Caroline hat Mozart erstmals, als er neun Jahre alt war, nach Den Haag gebeten und voller Bewunderung seinem Spiel gelauscht.

Sowohl Carl Christian, als auch seine Gemahlin Caroline starben in jungen Jahren. Sie konnten aber nicht am gleichen Ort bestattet werden. Caroline wurde als Reformierte, wie mehrere ihrer Kinder in der Gruft der Peterskirche bestattet und der Fürst als Lutheraner in der Paulskirche.

Kurz nach dem Tod des Fürsten folgten schwere Zeiten. Sein Sohn Friedrich Wilhelm (1768-1816) trat die Regentschaft an und vergrößerte den Besitz durch die Heirat mit der schönen Erbgräfin Luise Isabelle von Sayn-Hachenburg (1772-1827). 1789 brach die Französische Revolution (1789-1799) aus und Kriege berührten das Land, in gefährlicher Nähe zum Nachbarn. 1792 besetzten die Truppen Kirchheimbolanden, die Fürstenfamilie ist allerdings schon zuvor auf die andere Rheinseite und später nach Bayern geflohen. Erst zwei Jahre später kehrte der Fürst nach Kirchheimbolanden zurück. Er wurde überraschenderweise sehr herzlich begrüßt, denn durch die französische Besetzung gingen die Eigenschaften einer Residenz verloren und führte zu einer Verarmung der Bevölkerung. Seine Rückkehr war allerdings nicht von Dauer, denn bald stießen die Franzosen erneut bis nach Kirchheim vor und eroberten das linksrheinische Gebiet für die nächsten zwei Jahrzehnte. Selbst nachdem Napoleon niederlag und auf dem Wiener Kongress (1814/15) eine neue Friedensordnung ausgehandelt wurde, bekam Kirchheim nicht seine ehemalige Würde zurück. Die Herrschaft der Nassau-Weilburger wurde linksrheinisch nicht wiederhergestellt.

Danach gelangte Kirchheimbolanden, sowie die ganze Pfalz in Bayerische Hände. Die Ära der Nassau-Wittelbacher und somit der fürstlichen Residenzstadt endete also eigentlich schon bereits vier Jahre nach dem Tod des Vaters, Carl Christians. Das Schloss diente nur 50 Jahre den Fürsten, dann wurde das Schloss nach den Kampfhandlungen im „Plünderungswinter“ von 1792 auf 93 schwer beschädigt. Gestohlen wurden nicht nur Betten, Sättel und Pistolen, sondern auch Ölgemälde, Kupferstiche, Fernrohre und viele Bücher. Außerdem kam es zu Schäden an der Bausubstanz, etwa an den Fenstern, Mauern und Dächern. Eine weitere Zerstörung erfolgte durch französische Soldaten sowie von den Einwohnern gleichermaßen.

Schloss, Park und andere Liegenschaften waren französisches Nationaleigentum und wurden 1807 in Mainz versteigert. Dadurch gelangte es in den Besitz des Mülheimer Gutsbesitzers und Textilfabrikanten Daniel Andreas. Dieser ließ nur den Ostflügel restaurieren, da hier die Substanz am besten erhalten war. Westflügel und Mittelbau verschwanden gänzlich. Ein kompletter Wiederaufbau war nicht finanzierbar oder auch nicht beabsichtigt, was in den nachfolgenden zwei Jahrhunderten auch so blieb. In den darauffolgenden Jahren wechselte das Schloss immer wieder seinen Besitzer. Am 3. November 1861 kam es zu einer erneuten Zerstörung des Ostflügels. Ein Haus in der Nähe des Schlosses geriet in Brand und Funken gerieten in das Dachgeschoss des Schlosses, in dem zu diesem Zeitpunkt Zentnerweise Tabakblätter getrocknet wurden. Danach lag auch der letzte Teil des ehemaligen Fürstenschlosses in Schutt und Asche. Der abgebrannte Teil wurde durch den damaligen Besitzer Landwirt Friedrich Brunck wieder aufgebaut, wenn auch in vereinfachter Form: Zwei Stockwerke mit Walmdach, woran sich auch in den nächsten 130 Jahren nichts mehr änderte.

Letzter Schlossbesitzer war die Heimstiftung der Pfälzischen Evangelischen Landeskirche. Das Haus blieb bewohnt von einigen Mieter und wurde für Ausstellungszwecke genutzt. Der ursprüngliche Plan der Nutzung als Ausbildungsstätte wurde nicht umgesetzt. Danach wurden Pläne zur Wiederherstellung des gesamten dreiflügeligen Schlosses geschmiedet, also einem vierten Neubau. Drei Investoren und Fachleute, namentlich Bernd Hofmann, Jürgen Bölker und Bernd Hühne bauten aus dem Anwesen eine Seniorenwohnstätte auf. Ende 1993 zogen die letzten Mieter aus. Bald darauf wurde mit dem Um- und Neubau begonnen. Die Umwandlung geschah in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege, um eine harmonische Verbindung zwischen der überkommenen Anlage und dem Neuen zu finden.

Mit dem jährlich im August stattfindenden Residenzfest wird an die Zeit Kirchheimbolandens als Residenzstadt gedacht.

Bau- und Geländebeschreibung

Das „dritte Schloss“ wurde vom Reichsfürst Carl August von Nassau-Weilburg zwischen 1738 und 1740 vom renomierten Bauherrn Guillaume d`Hauberat erbaut. Das Schloss lag am Fuße einer Anhöhe in der Nähe der Stadtmitte. Es war nach Süden hin ausgerichtet und eine schöne Parkanlage, die heute noch existiert schloss sich an. Zwei Wachpavillons und ein schmiedeeisernes Tor schützten die dreiflügelige Anlage in Form eines Hufeisens. In der Mitte lag ein freier Platz, der Ehrenhof. Die Fassade wurde durch große, vielfach unterteilte Fenster unterbrochen. Obenauf lag das Masardendach mit zahlreichen Giebelfenstern. Der barocke Gesamteindruck wurde durch schmiedeeiserne Tore, Schmuckurnen auf den Pfeilern und Mauern geprägt. Die ehemlaige Kutschenremise lag direkt gegenüber, in der sich heute die Stadtbibliothek befindet und an den erhaltenen Rundbögen noch deutlich zu erkennen ist.

In der heutigen Amtsstraße, die am Schloss vorbeiführt sind die stattlichen Kavaliershäuser aus dem 18. Jahrhundert für Beamte bei Hofe heute noch zu finden. Die Dr.-Edeltraud-Sießl-Allee begleitet südlich das Schloss und den Schlossgarten. Es entsteht ein vornehmer Eindruck durch die Linden und die hohe Schlossgartenmauer auf der einen Seite und die Orangerie auf der anderen Seite, welche ehemals zum herrschaftlichen Gartenbereich gehörte. Sie zeigt auf der Südseite eine charakteristisch gewölbte Hausfront. Auf der Westseite des Schlosses, liegen die beiden bereits erwähnten Kirchen aus der Fürstenzeit.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Mit dem Pkw kann das Schloss über die A63, Ausfahrt Kirchheimbolanden, erreicht werden. Es liegt im nördlichen Teil der Stadt in der Nähe des Stadtzentrums und ist von dort ausgeschildert. Parkplätze stehen im näheren Umfeld auf dem Schlossplatz oder vor dem Schlossgarten auf der Dr.-Edeltraud-Sießl-Allee zur Verfügung. Auf Grund der Nutzung des ehemaligen Schlosses als Seniorenresidenz kann es nur von außen betrachtet werden.

Literaturverzeichnis

  • Heinel, J. (1995). Die Seniorenresidenz Schloss Kirchheimbolanden und ihre fürstliche Herkunft. Otterbach.
  • Mayer, P. (1997). Die Pfalz- Streifzüge durch den Garten Deutschlands. Köln.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 40“ 0′ N, 8° 0“ 40′ O

Datierung:
1740 bis heute

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  • Familiengeeignet

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