Kaiserpfalz und Casimirschloss in Kaiserslautern

Alternative Bezeichnungen: Barbarossaburg, Pfalzgrafensaal

Bereits im 9. Jahrhundert entstand auf dem Gelände zwischen dem heutigem Rathaus und der Burgstraße in Kaiserslautern ein Königshof. Als Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1152 König wurde, errichtete er dort eine außergewöhnlich prächtige Burganlage, die sogenannte Kaiserpfalz. Nachdem Kaiserslautern zur Residenzstadt des Fürstentums Pfalz-Lautern ernannt worden war, ließ Pfalzgraf Johann Casimir zwischen 1570 und 1580 östlich der Burg ein repräsentatives Schloss errichten.

Geschichte

Auf der Fläche vor dem heutigen Rathaus in Kaiserslautern befand sich einst der Königshof namens „Lutra“, der erstmals im Jahr 830 schriftlich erwähnt wurde. Es handelte sich dabei nicht um eine geschlossene Siedlung, sondern um insgesamt vier frühmittelalterliche Siedlungskerne. Diese wuchsen später zu einer gemeinsamen Stadt zusammen. In der damaligen Zeit hatten die Könige noch keine festen Regierungssitze, sondern reisten in ihrem Lande umher. Der Königshof Lutra war einer der wichtigsten Königshöfe nahe des Mittelrheins und diente als Stützpunkt für reisende Könige. Er lag an der wichtigen Fernverbindung zwischen Metz und Worms in Richtung Mainz.

Der Staufer Herzog Friedrich von Schwaben (1122-1190) wurde 1152 zum König gewählt. Drei Jahre später wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt und wurde seitdem Friedrich I. genannt. Aufgrund seiner rötlich-blonden Haarfarbe erhielt er den Beinamen Barbarossa. Kurz nach seiner Wahl zum König ließ Friedrich I. Barbarossa auf dem Königshof in Kaiserslautern eine prächtige Kaiserpfalz errichten. Bei dem Neubau handelte es sich laut Aufzeichnungen um ein außergewöhnlich prächtiges Burgenensemble, sodass die sogenannte Kaiserpfalz wahrscheinlich als Vorbild für viele weitere Burgen in der Region diente.

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam es in der Kaiserpfalz in Kaiserslautern zu tiefgreifenden Veränderungen. Pfalzgraf Johann Casimir (1543-1592) wählte im Jahr 1570 die kaiserliche Burg zu seinem Wohnsitz. Obwohl die Kaiserpfalz zu diesem Zeitpunkt noch relativ gut erhalten war, ließ der Pfalzgraf im östlichen Burgareal ein repräsentatives Renaissanceschloss neu errichten, was zu Veränderungen der vorhandenen Burganlage führte. Der Bau des sogenannten Casimirschlosses dauerte von circa 1570 bis 1580. Von diesem Schloss ist heute nur noch das Kellergeschoss des Pfalzgrafensaals vorhanden. Unterhalb des Schlosses ließ Johann Casimir einen Lustgarten anlegen (heute zwischen Fruchthalle und großer Platane).

Im 18. Jahrhundert begann der Untergang des Schlosses. Französische Truppen beschädigten die Anlage 1703 und 1713. Trotzdem blieb das Schloss bis zur Französischen Revolution (1789) der Verwaltungssitz des kurpfälzischen Oberamtmanns. Ein weiteres Mal wurden die Gebäude im Jahr 1792 durch französische Revolutionäre schwer beschädigt. Im Jahr 1813 wurden die gut erhaltenen Ruinen der Burg, die Kapelle und die Schlossmühle durch die französische Verwaltung versteigert. Ein Jahr später folgte das Schlossareal. Zwischen 1820 und 1825 ließ die königlich-bayerische Staatsregierung die Gebäude im nördlichen Burgbereich abreißen und aus diesen Steinen ein Zentralgefängnis beziehungsweise eine Schlosskaserne errichten. Durch den Einzug der Brauerei Wächter im Jahr 1842 in den südlichen Burgbereich wurden auch dort die Gebäude stark verändert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde schließlich auch die umgebaute Pfalzkapelle gesprengt.

Baubeschreibung

Einst war die Kaiserpfalz aus dem 12. Jahrhundert eine prächtige Anlage, die von Rahewin, dem Geschichtsschreiber Barbarossas, folgendermaßen beschrieben wurde:

„In Kaiserslautern hat er [der Kaiser] ein königliches Haus aus roten Steinen errichtet und mit nicht geringer Pracht ausgestattet. Denn auf der einen Seite hat er es mit einer starken Mauer umgeben, die andere Seite umspült ein seeähnlicher Fischteich, der zur Weide der Augen wie des Gaumens alle Delikatessen an Fischen und Geflügel enthält.  Daran stößt auch ein Park, der eine Fülle von Hirschen und Rehen Nahrung bietet. Die königliche Pracht all dieser Dinge und ihre Menge, die größer ist, als dass man sie schildern könnte, erweckt das Staunen der Beschauer.“ (zit. nach Keddigkeit, Burkhart, Übel (2005), S. 104)

Von der ehemaligen Kaiserpfalz sind heute nur noch wenige Reste vorhanden. Dazu zählen einige Buckelquader und spärliche Mauerwerksreste der Kapellenummantelung im südlichen Burgareal. Diese liegen an der heutigen Burgstraße. Mitte der 190er Jahre wurde mit der Freilegung des Areals begonnen, wie etwa mit dem Abriss des Gefängnisses, der Brauerei und den ehemaligen Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. In den Jahren 1960 bis 64 sowie 1994 wurden weitere Grabungen durchgeführt.

In den 1960er Jahren wurde der nördliche Bereich der Anlage schließlich umgestaltet. Im Jahr 1963 wurde die Schlosskaserne entfernt und ein Jahr später mit dem Bau des Kaiserslauterer Rathauses begonnen.

Von dem im 16. Jahrhundert errichteten Casimirschloss sind ebenfalls nur noch Spuren sichtbar. Bei den Ausgrabungen in den 1930er Jahren entdeckte man die Fundamente des einstigen Schlosses. Auf einem Teil dieser Reste wurde 1935 der Pfalzgrafensaal erbaut. Dieser dient heute für offizielle Empfänge der Stadt. Die Säule im Vorraum des Pfalzgrafensaals ist ein Teil der mittelalterlichen Burg.

Im Untergeschoss wurden bei den Baumaßnahmen in den 1930er Jahren Mauerzüge der Vorgängerbauten sowie unterirdische in nord-südlicher Richtung verlaufende 70 Meter lange Gänge aus dem Mittelalter entdeckt. Ihre Funktion ist bislang unklar. Vermutlich handelte es sich um einen Fluchtweg aus dem Schloss. Außerdem wurden dort Gräber mit fränkischen Skeletten aus der Zeit um 700 freigelegt.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die spärlichen Mauerreste der ehemaligen Kaiserpfalz und des Casimirschlosses befinden sich südlich des Rathauses und nördlich der Burgstraße in der heutigen Innenstadt Kaiserslauterns. Die Ruine ist frei zugänglich. Den Pfalzgrafensaal, die Gräber sowie die unterirdischen Gänge kann man mittels Führungen besuchen.

Literaturverzeichnis

  • Friedel, Heinz (1995). Kaiserslautern. Von den Anfängen bis zur Reichsgründung. Kaiserslautern.
  • Keddigkeit, J., Burkhart, U. und Übel, R. (2005). Institut für Pfälzische Geschichte und Volkskunde Kaiserslautern (Hrsg.): Pfälzisches Burgenlexikon, Band 3, I-N. Kaiserslautern.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 26“ 45′ N, 7° 46“ 6′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1152

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