Protestantische Pfarrkirche in Eisenberg (Pfalz)

Die protestantische Pfarrkirche liegt wenige hundert Meter südöstlich der Stadtmitte von Eisenberg mit dem Marktplatz und der katholischen Kirche St. Matthäus. Die neugotische Kirche wurde vom Speyerer Architekten Franz Schöberl geplant. Bereits zwei Jahre nach Baubeginn konnte sie im Jahre 1900 eingeweiht werden. Zuvor standen an der gleichen Stelle die Gorgoniuskirche sowie die spätere St. Matthäuskirche.
(Kurzbeschreibung: Die protestantische Pfarrkirche liegt wenige hundert Meter südöstlich der Stadtmitte von Eisenberg mit dem Marktplatz und der katholischen Kirche St. Matthäus. Die neugotische Kirche wurde vom Speyerer Architekten Franz Schöberl geplant.

Geschichte

Bereits im 8. Jahrhundert hat an dieser Stelle eine Kirche gestanden. Diese wurde erstmals im Jahr 763 erwähnt und war dem heiligen Gorgonius geweiht. Im 13. Jahrhundert wurde diese Kirche durch die spätromanische St. Matthäuskirche – den Vorgängerbau der heutigen Pfarrkirche – ersetzt. Im Zuge der Reformation nahmen die damaligen Grafen von Stauf den evangelischen Glauben an und somit wurde im Jahr 1555 eine lutherische Pfarrei in Eisenberg eingerichtet wurde.

Im 17. Jahrhundert kam es zum Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697), in dem die Franzosen unter anderem die Kirche in Eisenberg belagerten und zerstörten. Da die Franzosen den katholischen Glauben besaßen, mussten die Lutheraner den Katholiken ab 1687 gestatten, dass auch sie das Gotteshaus nutzen durften. Dies führte zu vielen Streitigkeiten zwischen Katholiken und Lutheranern bezüglich der Nutzungsrechte. Nach über 200 Jahren simultaner Kirchennutzung einigten sich die katholische und protestantische Kirchengemeinde im Jahr 1893 auf eine Auflösung des Simultaneums. Die St. Matthäuskirche stand von nun an alleinig den Protestanten zu. Die Katholiken erhielten im Gegenzug 14.000 Goldmark sowie einen Bauplatz an der Kerzenheimer Straße für einen eigenen Kirchenbau (Katholische Pfarrkirche St. Matthäus in Eisenberg).

Ende des 19. Jahrhunderts wuchs die protestantische Bevölkerung stark an, weshalb die protestantische St. Matthäuskirche zu klein und entgegen dem heutigen Verständnis für Denkmalschutz abgerissen wurde. Zwischen 1898 und 1900 entstand die heutige evangelische Pfarrkirche. Beim Bau wurden im Grundstein eine Bibel und eine Flasche Eisenberger Wein mit eingemauert. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) mussten die drei größten der vier Glocken auf dem Turm abgenommen werden, um sie zum Einschmelzen abzuliefern. Im Jahr 1951 konnten wieder drei neue Glocken für die evangelische Kirche, zusammen mit denen für die katholische Kirche, in einem feierlichen Festakt eingeweiht werden. Zwischen 1990 und 1999 fand eine letzte größere Sanierung statt.

Die protestantische Pfarrkirche in Eisenberg ist ein eingetragenes Kulturdenkmal. Außerdem ist sie als Kulturgut besonders zu schützen und zu pflegen.

Baubeschreibung

Die protestantische Pfarrkirche ist ein kreuzförmiger, symmetrisch angelegter Bau mit einem Langhaus, Seitenschiffen, einer Empore und einem geraden Chorschluss. Das Kirchengebäude wird auch als „monumentaler Ausdruck protestantischen Selbstbewusstseins im wilhelminischen Deutschland“ verstanden. Sakralbauten aus dem Mittelalter sowie die des Architekten Johannes Otzen (1839-1911) in Wiesbaden, Berlin oder Ludwigshafen, dienten dem Architekten der Eisenberger Pfarrkirche, Franz Schöberl, als Vorbilder. Außerdem orientierte sich Schöberl an der Neugotik des Eisenacher Regulativs. Dies war ein Vorschriftenkatalog zur Gestaltung von protestantischen Kirchenbauten in Deutschland und entstand im 19. Jahrhundert.

Der Kirchturm der protestantischen Pfarrkirche befindet sich auf der Ostseite neben dem Hauptportal und ist mit einem Spitzhelm und vier Giebeln und Ecktürmchen versehen. Er ist 67 Meter hoch, wodurch die protestantische Kirche in Eisenberg das größte Gotteshaus in der näheren und weiteren Umgebung ist. Am Langhaus sind Querarme angegliedert. Beim Betreten der Kirche fällt der Blick des Betrachters unmittelbar auf das große Chorfenster mit dem sich darunter befindenden Presbyterstuhl, den Sitzplatz für die gewählten Vertreter der Gemeinde. Davor steht der große Steinaltar, der stilistisch ideal mit der benachbarten Kanzel harmoniert. Das Mauermaterial besteht aus rötlichem und graugelblichem Sandstein. Anfang der 1920er Jahre wurde die Kirche durch eine Zentralheizung und eine elektrische Beleuchtung modernisiert. Die zu dieser Zeit installierten Kronleuchter fügen sich passend in das Kircheninnere ein.

Mumifizierte Schwur- oder Schwörhand

Eine Besonderheit in der Kirche ist die Schwur- oder auch Schwörhand, die im linken Seiteneingang unter dem Kirchturm in einer Vitrine zu besichtigen ist. Diese Hand ist mumifiziert und gehörte zu einer Person, welche einen Meineid geschworen haben soll. Die Sage lautet folgendermaßen:

„[Es] bestanden in grauen Vorzeiten zwischen Waldbesitzern Grenzstreitigkeiten. Es waren ja damals noch keine Grenzgemarkungssteine vorhanden. Bei einem solchen Grenzstreit wurde vom Gericht ein Förster als Zeuge und Gutachter anerkannt. […] Der Förster, so laut Hebel, streute sich vom umstrittenen Waldboden Sand in seine Schuhe, unter seinen Hut versteckte er einen Suppenschöpfer und legte folgenden Eid ab: So wahr mein Schöpfer über mir, stehe ich auf dem Grund und Boden meines Herren! Das Gericht legte aufgrund des Eides den Grenzverlauf fest. Der Förster entging zwar dem irdischen Richter wegen des falschen Eides, aber die Strafe Gottes sollte ihn doch erreichen. Nach seinem Tode soll sich die Schwurhand aus dem Sarg und Grab immer wieder empor gestreckt haben. Da erkannte man das Gericht Gottes an dem Meineidigen und man trennte die Hand zum ewigen Andenken ab.“ (Hebel 1906, S. 49)

Das protestantische Viergeläut

Die ersten Glocken der protestantischen Kirche in Eisenberg wurden 1942 während des Krieges zur Waffenproduktion eingeschmolzen. Anfang des Jahres 1951 beschlossen die katholische und die protestantische Pfarrgemeinde in Eisenberg, dass sie zeitgleich bei der gleichen Firma neue Glocken bestellten und diese aufeinander abgestimmt sein sollten. Daraufhin orderte die protestantische Gemeinde beim Bochumer Verein für Gussstahlfabrikationen drei neue Glocken. Aus Kostengründen wurden nicht wieder Bronzeglocken, sondern Glocken aus Stahlguss in Auftrag gegeben.

Nach der Fertigstellung wurden die sieben neuen Glocken zum Eisenwerk Gebr. Gienanth transportiert und auf vier festlich geschmückte Wägen umgeladen. Am 21. Oktober 1951 wurden die Glocken unter großer Begeisterung durch die Straßen Eisenbergs gefahren. Vor dem Platz der katholischen St. Matthäuskirche fand eine Begrüßungsfeier, unter anderem mit Bürgermeister, Landrat und Kirchenchor, statt. Die Einmütigkeit war zu dieser Zeit erstmalig in der Geschichte Eisenbergs, ausgelöst durch die Harmonie der Glocken beider Konfessionen miteinander, die der gemeinsam geleisteten Arbeit Ausdruck verliehen.

Beide Kirchen besaßen nun wieder jeweils ein komplettes Viergeläut. Das protestantische Glockengeläut bestand nun aus den Glocken „Gloriosa“ (Die Prächtige), „Irene“ (die Friedenskünderin), „Angela“ (die Botin) und „Clara“ (die Ewigkeitsglocke). Letztere gehörte bereits zum ersten Glockengeläut und wurde bereits um 1900 gegossen. Die größte der Glocken „Gloriosa“ hat einen Durchmesser von 1,88 Metern und ein Gewicht von 2676 Kilogramm. Sie trägt die Inschrift: „Drei Bronzeglocken des Vier-Geläutes raubte der Krieg 1942. In Stahl ließ mich die protestantische Kirchengemeinde Eisenberg mit meinen Schwestern Irene und Angela neu gießen im Jahre des Herrn 1951“.

Am 04. November 1951 waren alle Glocken läutefähig montiert. Um 17 Uhr begann das Geläut mit den katholischen Glocken, die erst alle einzeln und dann zusammen erklangen. Darauf folgte gleiches mit den protestantischen Glocken. Zum Abschluss erklangen die katholischen und protestantischen Glocken gemeinsam.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die evangelische Pfarrkirche liegt in der Hauptstraße von Eisenberg (Pfalz). Parkplätze befinden sich direkt neben und gegenüber der Kirche. Sie ist somit mit dem PKW oder auch zu Fuß vom Bahnhof Eisenberg aus erreichbar.

Literaturverzeichnis

  • Donnersberg-Touristik-Verband e.V. (Hrsg.). (2015). Kirche, Burg- und Klosterruinen im Donnersbergkreis. Kirchheimbolanden.
  • Krienke, Dieter. (1998). Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz – Donnersbergkreis. Band 15. Hrsg. Im Auftrag des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen vom Landesamt für Denkmalpflege. Worms.
  • Eichling, Gustav. (2008). Die ehemalige Simultankirche in Eisenberg in der Hauptstraße Eisenberg.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.). (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Koblenz.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 33“ 29′ N, 8° 4“ 30′ O

Datierung:
1900

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