St.-Martinskirche in Kaiserslautern

Alternative Bezeichnungen: Franziskaner-Minoriten-Kloster Kaiserslautern

Die katholische Pfarrkirche St. Martin in der Kaiserslauterer Innenstadt war ehemals eine Klosterkirche der Minderen Brüder des Franziskanerordens. Sie wurde 1302 fertiggestellt und ist bis heute gut erhalten. Die Klostergebäude wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgetragen.

Geschichte

Der König von Habsburg gab 1284 der franziskanischen Ordensgemeinschaft der Minderen Brüder das Recht und die Genehmigung, in Kaiserslautern ein Kloster mit Klosterkirche zu errichten. Bereits sechs Jahre später waren die Klostergebäude fertiggestellt, 1302 folgte der Bau der Klosterkirche. Am Bau der Gebäude war neben den Minderen Brüdern auch die Bevölkerung beteiligt.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gewährte der damalige Papst den Minderen Brüdern einige Privilegien, was zu einem schwierigen Verhältnis zu dem benachbarten Kloster an der Stiftskirche führte. Zu diesen Privilegien zählten die Vollmacht, frei zu predigen, Beichten hören zu dürfen und eine eigene Begräbnisstätte zu besitzen. Hinzu kam, dass die Frauen aus dem Dritten Orden sich in den Angelegenheiten der Seelsorge fast ausnahmslos an die Minderen Brüder wandten und zudem auch nur sie mit ihren finanziellen Mitteln unterstützten. Auch die Bevölkerung sympathisierte mit den Minderen Brüdern mehr als mit den benachbarten Prämonstratensermönchen der Stiftskirche, da sie bodenständig und bescheiden lebten. Aufgrund der daraus resultierenden Überlastung der Klosterkirche wurde eine bauliche Erweiterung erforderlich.

1538 verließen die Mönche das Kloster, bis es mitten im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wiedererrichtet wurde. Nur neun Jahre später wurde die Stadt Kaiserslautern von schwedischen Truppen besetzt, weshalb die Mönche das Kloster vorübergehend verlassen mussten.

Im Rahmen des Westfälischen Friedens (1648) kam Kaiserslautern zur Kurpfalz und somit unter einen calvinistischen Kurfürsten. Die Mönche mussten aus dem Kloster ausziehen und die Kirche wurde in den folgenden Jahrzehnten profaniert, also für andere Nutzungen zweckentfremdet. Beispielweise diente die Klosterkirche als Zeughaus oder als Reithalle des Kurfürsten. Hierfür mussten die Gräber aus dem Mittelalter ausgehoben und weggeschafft werden. Des Weiteren wurde ein Zwischendeck eingebaut, womit sich die Lagerfläche verdoppelte. Noch heute kann man an den Kirchenwänden erkennen, dass aus diesem Grund einst für die untere Etage Fensternischen freigelegt wurden, die später wieder zugemauert wurden. Unter Kurfürst Philipp Wilhelm, der allen Religionsgemeinschaften in der Pfalz Gewissens- und Ausübungsfreiheit gewährte, konnte das Kloster nach einer umfassenden Restaurierung der Gebäude wieder seiner ehemaligen Bestimmung zugeführt werden. Nachdem zunächst noch Soldaten im Kloster gelebt hatten, konnten die Mönche erst im Jahr 1688, rund 40 Jahre nach ihrem erzwungenen Auszug, wieder einen Gottesdienst in der Klosterkirche abhalten.

Im Zuge der Pfälzischen Kirchenteilung einigte man sich 1705 darauf, die Klosterkirche der Franziskaner den Katholiken zu überlassen (fortan dem heiligen Martin geweiht) und die benachbarte Stiftskirche den Reformierten zu übertragen.

Aufgrund der Säkularisation mussten die Franziskanermönche die Stadt im Jahre 1795 für immer verlassen. Die Klosterkirche wurde der katholischen Gemeinde als Pfarrkirche überlassen. In den 1810er Jahren riss man die Klostergebäude ab. Heute sind nur noch Reste der Südwand zu sehen, an der die ehemaligen Gebäude ansetzten. An das ehemalige Klostergelände grenzen heute noch Überreste der ehemaligen Stadtmauer.

Baubeschreibung

Die St.-Martinskirche ist aufgrund der Errichtung durch die Minderen Brüder, welche eine am armutsideal der Franziskaner ausgerichtete Lebensweise führten, sehr schlicht und schmucklos gehalten. Aus diesem Grund besitzt die im gotischen Stil errichtete Hallenkirche zum Beispiel nur einen Dachreiter statt eines Kirchturmes.

Wegen des Flussverlaufs der Lauter und der Lage des Stadtwooges (an der Stelle, an der heute der Stiftsplatz ist) sowie der angrenzenden Klosterstraße war nur wenig Platz für den Bau einer Kirche. Sie hat deshalb nur ein Seitenschiff. Eine Erweiterung wurde durch die unmittelbar nördlich an die Kirche grenzende Klosterstraße erschwert, die damals eine bedeutende Durchfahrtsstraße war. Die Klosterkirche konnte daher nur in einem abknickenden Winkel entlang der Grundstücksgrenze verlängert werden, was noch heute auf Luftbildern und im Innern der Kirche erkennbar ist.

Die Malereien stammen aus dem 18. Jahrhundert, denn zu diesem Zeitpunkt wurde die Kirche restauriert. Wie für den Barock typisch beinhalten die Gemälde unmissverständliche Symbole und Botschaften. Beispielsweise erinnert der Engel mit dem Totenkopf und der Sanduhr in der Hand an die Vergänglichkeit und den Tod.

Renovierung und Erhaltung

Die Klostergebäude wurden bereits Anfang des 19. Jahrhunderts komplett abgetragen. Eine umfassende Kirchenrenovierung fand in den Jahren 1876 bis 1880 statt. Damals wurde unter anderem der Innenraum renoviert, neue Fenster eingebaut, die Wände frisch verputzt und angestrichen, die Orgelempore umgebaut und eine neue Barockorgel aufgestellt. Der krönende Abschluss der Restaurationsarbeiten war die Aufstellung eines neuen Hochaltars.

In den 1970er/80er Jahren kam es erneut zu einer Kirchensanierung. Verwitterungsbedingt mussten die Sandsteinmauern ausgebessert werden. Außerdem wurde der Innenraum der Kirche erneuert und umgestaltet. Der Altar wurde an die Schnittstelle zwischen Chor und Kirchenschiff auf gleiche Ebene mit dem Ambo (Erhöhung, von der die Lesung oder das Evangelium vorgetragen wurde) gerückt. Des Weiteren wurde die Orgel an ihren heutigen Standort verlegt. Die Barockdecke wurde restauriert und die Fenster mit lebendigeren Farben und Formen neugestaltet.

Die katholische Pfarrkirche St. Martin in Kaiserslautern ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die St.-Martinskirche liegt in der Fußgängerzone der Kaiserslauterer Innenstadt. Unterschiedliche Parkmöglichkeiten befinden sich in der Innenstadt. Busstationen sind fußläufig in wenigen Minuten zu erreichen.

Literaturverzeichnis

  • Hunsinger, Kurt (2010). Geschichte des ersten Franziskaner-Minoriten-Klosters und der St.-Martinskirche Kaiserslautern. Kaiserslautern.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler. Kreisfreie Stadt Kaiserslautern Mainz.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 26“ 45′ N, 7° 46“ 20′ O

Datierung:
1302

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