Katholische Pfarrkirche St. Marien in Kaiserslautern

Die katholische Pfarrkirche St. Marien wurde zwischen 1887 und 1892 auf damals noch unbebautem Gelände im Westen der Stadt Kaiserslautern erbaut. Es handelt sich um eine dreischiffige Hallenkirche des Architekten Heinrich von Schmidt (1850-1928) im neugotischen Stil. Eine Besonderheit ist der die Stadt Kaiserslautern überragende 92 Meter hohe Kirchturm. Somit ist die Marienkirche das höchste Gebäude Kaiserslauterns.

Geschichte

Aufgrund steigendender Bevölkerungszahlen im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde die Errichtung einer neuen katholischen Kirche in Kaiserslautern notwendig. Im Jahr 1878 wohnten in Kaiserslautern bereits rund 30.000 Menschen, von denen etwa ein Drittel Katholiken waren. Bis zu diesem Zeitpunkt war die St. Martinskirche die einzige katholische Kirche in der ganzen Stadt. Der damalige Pfarrer sprach sogar von einem „Kirchennotstand“.

Im Jahr 1878 wurde daraufhin ein Kirchenbauverein gegründet, der den Bau vorantreiben sollte. Ein Jahr darauf konnte der Bauplatz auf ursprünglich noch unbebautem Gelände erworben werden. Erst nach und nach wurde das Stadtgebiet in Richtung Westen erweitert und so die Kirche in ein zusammenhängendes Stadtgefüge integriert. Der Stadterweiterungsplan aus dem Jahr 1887 von Eugen Bindewald sah vor, dass die Kirche in Zukunft ein axialer Mittelpunkt der Königstraße werden sollte, so wie es heute auch der Fall ist. Der Kirchenbauverein entschied sich dafür die neue Kirche im neugotischen Stil zu errichten. Mit dem Kirchenentwurf wurde der Architekt Professor Heinrich von Schmidt beauftragt.

Es dauerte allerdings noch einige Jahre bis es schließlich im Jahr 1887 zum ersten Spatenstich kam. Zum Großteil konnte der Bau durch die Mitgliedsbeiträge des Vereins, Spenden sowie eine staatliche Lotterie finanziert werden. Dennoch mussten an den ursprünglichen Plänen des Architekten Heinrich von Schmidt Änderungen vorgenommen werden, um die Baukosten zu mindern. Deshalb wurde beispielsweise nur einer der zwei geplanten Kirchtürme umgesetzt. Die feierliche Einweihung der katholischen Pfarrkirche St. Marien fand nach rund fünf Jahren Bauzeit am 8. September 1892 statt.

Während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) wurden drei der vier Glocken von der Wehrmacht beschlagnahmt. Außerdem kam es unmittelbar vor dem Kirchengebäude zu einer Explosion durch eine Fliegerbombe. Hierdurch wurden zwei Menschen getötet und die Fenster der Kirche zerstört.

Nachdem Anfang der 1920er Jahre in der Kirche ein neues Geläut angebracht sowie das Gebäude 1936 gründlich saniert worden war, führte der Zweite Weltkrieg (1939-1945) erneut zu einer Beschlagnahmung der Glocken. Sie wurden für Kriegsmaterialien eingeschmolzen. Des Weiteren sorgte der Abwurf einer Fliegerbombe in unmittelbarer Umgebung erneut zum Bruch der Kirchenfenster. Glücklicherweise blieb das Gebäude selbst unversehrt.

Als Folge der Inflation sowie dem Mangel an Material nach dem Zweiten Weltkrieg konnten nur notdürftig neue Fenster eingebaut werden. Erst Anfang der 1950er Jahre wurden neue Ornamentfenster für das Hauptschiff und drei Chorfenster mit Szenen aus dem Marienleben in Auftrag gegeben. Im Jahr 1952 bekam die Kirche ein neues Glockengeläut, welches 60 Jahre nach dem Weihetag der Marienkirche ebenfalls feierlich geweiht wurde. Das Kirchturmdach wurde 1964 wegen starker Verwitterung erneuert und mit Kupferblech überzogen.

Zwischen 1972 und 1973 fand eine umfangreiche Innenrenovierung statt. Im Jahr 2010 begann eine mehrjährige Außensanierung, die im September 2017 zum 125-jährigen Weihejubiläum feierlich abgeschlossen werden konnte.

Baubeschreibung

Die St. Marienkirche ist ein Sandsteinquaderbau im neugotischen Stil. Der 92 Meter hohe Kirchturm ist auch heute noch das höchste Gebäude der Stadt und der zweithöchste Kirchturm der Pfalz. Auf dem schlanken Turmhelm befindet sich ein einfaches Kreuz mit vergoldetem Hahn. Der Turm mit quadratischem Grundriss wird an jeder Seite durch je zwei Strebepfeiler gerahmt. Des Weiteren befinden sich auf jeder Seite längliche Lichtöffnungen sowie florale und animalische Ornamente. Darüber erstreckt sich das Glockengehäuse, welches von außen durch die vertikalen Schallöffnungen erkennbar ist. Eine Etage darüber befindet sich das Turmwächtergeschoss. Der Kirchturm ist der dreischiffigen Hallenkirche vorgelagert, welche im Grundriss ein lateinisches Kreuz bildet. Betrachtet man das Gebäude von Osten, mit Blick auf das Hauptportal und den Kirchturm, wird der Turm durch zwei achteckige kleinere Türme flankiert. Sie setzen an den Ecken der Seitenschiffe an und dienen als Treppentürme zum Dachraum. Die Seitenschiffe sind jeweils jochweise und über jedem Fenster mit Querwalmdächern versehen. Das Querhaus verfügt über auffallend hohe Giebel.

Das Kirchengebäude ist relativ schlicht und zierlos, obwohl das Gebäude im neugotischen Stil errichtet wurde. Es gibt im Gegensatz zu anderen bekannten gotischen Kirchen nur wenige Ornamente. Typisch gotisch an der St. Marienkirche sind dagegen die Maßwerkfenster (Fenster mit steinernen geometrischen Mustern) und die Wimperge (giebelförmige Bekrönung) auf dem Querschiff sowie über dem Hauptportal. Im Kircheninneren zeigt sich der neugotische Baustil vor allem am Kreuzrippengewölbe. Doch auch hier wurde an übermäßigen Verzierungen gespart. Lediglich die Kapitäle der roten Sandsteinpfeiler sowie die Plättchen und Schlusssteine der Gewölberippen sind vergoldet. Mithilfe des hohen Kreuzrippengewölbes, welches in den Seitenschiffen fast genauso hoch ist wie im Mittelschiff, wird ein mächtiger und würdiger Eindruck vermittelt.

Die heutigen Fenster wurden zwischen 1952 und 1954 vom Münchner Glasmaler Wilhelm Pütz erstellt. Besonders beeindruckend sind die Fenster des Chores, die das Marienleben thematisieren. Die Fenster des Langhauses bestehen aus Ornamentglas.

Der Chor der Marienkirche befindet sich nicht wie üblich im Osten, sondern ist nach Westen ausgerichtet. Grund dafür ist der Stadterweiterungsplan von Eugen Bindewand, der die Kirche als Kreuzungspunkt an der Königstraße vorsah. Somit wurde anstatt des Chores die Portalfront nach Osten das heißt in Richtung Stadtzentrum, ausgerichtet.

Linksseitig des Chores befindet sich die gewölbte Marienkapelle, in welcher der neugotische Josefaltar aus dem Jahr 1906 steht. Durch Josef als Schutzpatron aller Stände und als Vermittler des sozialen Friedens wird die besondere Lage der Kirche in einem ehemaligen Arbeiterviertel Kaiserslauterns betont. Rechtsseitig des Chores befindet sich die am Grundriss zur Marienkapelle, mit dem Mittelschiff als Symmetrieachse, gespiegelte Sakristei. Unterhalb dieser drei leicht erhöhten Bauelemente befindet sich die Krypta mit dem Heiligen Grab.

Im untersten Geschoss des vorgelagerten Kirchturmes befindet sich eine Vorhalle, in der zum Gedenken an den Prinzregenten Luitpold von Bayern (1821-1912) eine Tafel hängt.

Die „katholische Pfarrkirche St. Marien“ ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Geschichte zur Hochkanzel mit Drachenfigur

Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelten sich zunehmend liberale Strömungen in Europa. Die katholische Kirche befürchtete deshalb eine Schwächung ihrer Stellung innerhalb der Gesellschaft. Der zu dieser Zeit amtierende Papst Pius IX. (1792-1878) versuchte bereits ab 1864 mit kirchlichen Anordnungen die katholische Kirche wieder vermehrt zu stärken. Reichskanzler Bismarck (1815-1898) sah darin eine Provokation und einen negativen Eingriff in den gerade erst entstandenen deutschen Nationalstaat. Aus dieser Differenz entwickelte sich der sogenannte „Kulturkampf“. Bismarck setzte deshalb drastische Maßnahmen, wie die Auflösung der katholischen Abteilung im preußischen Kultusministerium im Jahr 1871, die Einstellung staatlicher Finanzmittel an die katholische Kirche sowie seit dem Jahr 1875 das Verbot aller geistlicher Orden und ordensähnlicher Gemeinschaften. Eine weitere Maßnahme war der „Kanzelparagraph“. Dieser besagte, dass jeder Geistliche inhaftiert wurde, der sein Kirchenamt für politische Äußerungen missbrauchte. An der Kanzel der katholischen Marienkirche in Kaiserslautern wird die Kritik an dieser Maßnahme sichtbar. Am Geländer der Hochkanzel befindet sich eine in Stein gemeißelte Drachenfigur, die symbolisch für die Person Otto von Bismarck steht.

Da sich nicht nur Katholiken gegen die antikatholische Bismarck-Politik wendeten, verabschiedete Bismarck 1886/87 Minderungs- und Friedensgesetze, um größeres Unheil für sich und seine politischen Ziele zu verhindern. Dies bedeutete das Ende des „Kulturkampfes“.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die St. Marienkirche befindet sich westlich der Innenstadt Kaiserslauterns an der Kreuzung der Königstraße und Rudolph-Breitscheid-Straße. Von der Innenstadt kommend, kann bereits von weitem ihr Eingangsportal erblickt werden.

Literaturverzeichnis

  • Rheinpfalz (1995). „Kirchennotstand in der Industriestadt“. Eine halbe Million Mark kostet der Bau von St. Maria – Ursprünglich zwei Türme geplant. Kaiserslautern.
  • Pfarramt Sankt Maria (Hrsg.) (1967). 75 Jahre Marienkirche Kaiserslautern.
  • Hoermann, F.X. (1892). Die St. Marienkirche zu Kaiserslautern. Denkschrift zur Einweihung des Gotteshauses. Die St. Marienkirche zu Kaiserslautern. Denkschrift zur Einweihung des Gotteshauses..

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 26“ 30′ N, 7° 45“ 41′ O

Datierung:
1892 bis heute

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