Pfrimmtalviadukt bei Marnheim

Alternative Bezeichnungen: Tor zum Zellertal

Die Gemeinde Marnheim im Donnersbergkreis war einst ein bedeutender Dreh- und Angelpunkt für Schienenverkehr in der Westpfalz. Hier durchlief die Achse des Zugverkehrs Paris-Kaiserslautern-Mainz über eine Brücke, die das Pfrimmtal überspannte. Von dieser Brücke sind heute noch drei Bögen vorhanden, die unter Denkmalschutz stehen.

Geschichte

Die Gemeinde Marnheim war einst ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) fuhren hier zahlreiche Züge über die hoch oben liegende Eisenbahnstrecke. Hiervon zeugt die imposante Eisenbahnbrücke, die heute alleinstehend übrig ist von der damaligen Infrastruktur an der Grenze zum Zellertal. Die stolze Brücke war der kürzeste Weg von Paris über Saarbrücken bis nach Mainz und Frankfurt. Erbaut wurde die Strecke zwischen 1872 und 1873. Neben der Brücke besaß Marnheim weitere bauliche Anlagen, die entsprechend den Gleisanlagen von guter Beschaffenheit waren. Der Bahnhof bestand aus einem Empfangsgebäude, das sich sehen lassen konnte. Die Brücke an sich war bereits zu ihrer Entstehungszeit ein spektakuläres Bauwerk, das jedoch unter den Kriegsgeschehen der kommenden Jahre leiden sollte.

Im Februar 1945 bombardierten die Alliierten das Bauwerk mehrfach. Die Attacke galt den Wiederlagern links und rechts der Stahlkonstruktion, wo die Dämme und Gleise zerstört wurden. Die Brücke an sich blieb zunächst unversehrt. Nach der Marnheimer Chronik wurde die Brücke am 20. März um 3 Uhr nachts durch ein Sprengkommando komplett zerstört. Nach Erzählungen wollten die Marnheimer Bürger die Aktion verhindern, indem sie die für die Sprengung zuständigen Soldaten mit Wein und endlosen Gesprächen ablenkten, jedoch löste ein hoher Offizier die Situation auf und die Soldaten rückten zur Brücke aus, woraufhin das Bauwerk über dem Pfrimmtal zusammenbrach.

Die Überreste der gesprengten Brücke wurden zerlegt und abtransportiert. Das mit Bombentrichtern übersäte Gelände machte man wieder eben. Es gab zu Beginn der 1950er-Jahre Bestrebungen einen Wiederaufbau der Brücke anzupacken, jedoch konnten sich Gemeinden, Land und Bundesbahn nicht einigen das Bauwerk zu einem damals noch recht günstigen Preis wiederherzustellen. Etwa Zehn Jahre später wäre ein weiteres Übereinkommen möglich gewesen, jedoch habe sich der Preis bis dorthin mehr als verzehnfacht. Daher wurden alle Pläne zum möglichen Wiederaufbau gänzlich aufgegeben und Marnheim verlor seine Bedeutung als wichtiger Schienendrehpunkt.

Mit dem Bau der Ortsumgehung der B47 erhielt das Viadukt sein Alleinstellungsmerkmal als Baudenkmal.

Objektbeschreibung

Die landschaftsprägende Ruine ist stattliche 39 Meter hoch, ist ein touristischer Orientierungspunkt und Beginn des Radweges von Marnheim durch das Zellertal. Die Brücke überspannte mit 260 Metern Länge das gesamte Pfrimmtal und war eine beeindruckende Gitterwerkbrücke. Sie besaß steinerne Auflieger auf der Nord- und Südseite und drei gusseiserne Röhrenpfeiler auf Steinsockeln als Stütze für die Fahrbahn. Lange Zeit lief die Bundesstraße B47 durch den mittleren Brückenbogen, was jedoch mit einigen Risiken einherging: Aufgrund des stetig ansteigenden Autoverkehrs führten die scharfen Kurven durch das Viadukt zu vielen Unfällen. Auch einige LKWs hatten Probleme durch die Bögen zu fahren. Besonders für Radfahrer war daher die Durchfahrt sehr riskant, manchmal sogar lebensgefährlich.

Entgegnet wurde diesem Problem durch den Bau einer Straßenverlegung. Den Weg durch das Viadukt nutzen heute noch Radfahrer, Fußgänger und Landwirte. Am Fuße des Baudenkmals errichtete die Gemeinde einen Rastplatz mit Tischen und Bänken. Die Jahreszahlen der Errichtung der Brücke sind im Sandstein eingelassen.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Das Viadukt, welches auch als „Tor zum Zellertal“ bekannt ist befindet sich am nordöstlichen Bebauungsrand der Gemeinde Marnheim im Donnersbergkreis. Es steht südlich der Bundesstraße B47, die von West nach Ost in Richtung Zellertal führt.

Literaturverzeichnis

  • Treiber, Gabriele (2024). Das Tor zum Zellertal Rheinpfalz Nr. 249.

Quellenangaben

    Artikel-Historie

    Koordinaten:

    49° 38“ 16′ N, 8° 2“ 49′ O

    Baustil:

    Unbekannt

    Datierung:
    1872/1873

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