Historische Eisenbahnstrecke der Pfälzer Ludwigsbahn

Alternative Bezeichnungen: Saarpfälzische Ludwigsbahn, Kohlebahn, Bexbacher Bahn

Die Pfälzische Ludwigsbahn-Gesellschaft, ein 1844 gegründetes Eisenbahnunternehmen im Königreich Bayern, plante und betrieb die Pfälzische Ludwigsbahn zwischen der Rheinschanze (heute Ludwigshafen) und Bexbach in der Bayerischen Pfalz. Auf dieser zwischen 1847 und 1849 erbauten historischen Eisenbahnstrecke sollte insbesondere Kohle aus Bexbach zum Rhein transportiert werden und von dort per Schiff in Richtung Süddeutschland und der Schweiz. In der Westpfalz trat durch den Bau der Eisenbahnlinie ein wirtschaftlicher Aufschwung ein. Erbauer der Strecke war Paul Camille von Denis, der Eisenbahningenieur und Oberbaurat im Dienste der bayerischen Regierung.

Streckenverlauf

Die Bahnstrecke führte auf einer Strecke von 106 Kilometern von Ludwigshafen über Neustadt an der Weinstraße nach Kaiserslautern. Sie stellte damit die erste Ost-West-Verbindung der Eisenbahn durch die Pfalz dar.

Zwischen 1850 und 1852 erfolgte die Streckenverlängerung in Richtung Westen bis nach Neunkirchen, Sulzbach und Saarbrücken, in das damals zu Preußen gehörende Kohlerevier. Im Jahr 1904 erfolgte die Erweiterung bis Mannheim. Heute findet der Begriff „Pfälzer Ludwigsbahn“ keine Verwendung mehr, der Streckenverlauf Saarbrücken-Mannheim entspricht aber der historischen Verbindung.

Geschichte

Als Zeichen der Industrialisierung entstanden in den 1830er Jahren die ersten Eisenbahnstrecken in Deutschland, beginnend mit der Verbindung Nürnberg-Fürth im Jahr 1835. So entstanden Pläne eine Eisenbahnlinie auch innerhalb des Rheinkreises, dem linksrheinischen Territorium des Königreichs Bayern einzurichten. Bis zu diesem Zeitpunkt dienten Kutschen als alleiniges Transport- und Verkehrsmittel. Bereits ein Jahr später beschlossen preußische Unternehmer aus dem Saarrevier die Gründung einer Gesellschaft für die Errichtung einer Eisenbahn von Saarbrücken nach Mannheim. Unter anderem sollte dadurch Steinkohle aus den Gruben im Einzugsgebiet von Bexbach und Neunkirchen an den Rhein transportiert werden, weshalb die Ludwigsbahn auch unter dem Namen Kohlebahn bekannt wurde. An einem staatlichen Bahnbetrieb innerhalb der linksrheinischen Gebiete hatte das Königreich Bayern kein Interesse.

Zunächst wurde eine direkte Verbindung zwischen Rheinschanze und Kaiserslautern geplant. Die Überwindung der Höhenunterschiede im nördlichen Teil des Pfälzerwaldes konnte technisch allerdings nicht bewerkstelligt werden, weshalb man sich für den Verlauf über das Neustadter Tal entschied. Im April 1844 wurde mit der Gleisverlegung begonnen. Bereits im Juni 1847 konnte der erste Streckenabschnitt zwischen Rheinschanze und Neustadt eröffnet werden. Zwischen dem 10. Und 15. Juni konnten 5500 Reisende auf der Strecke zwischen Homburg und Kaiserslautern erste Probefahrten durchgeführt werden. Am 25. August 1849 konnte schließlich die gesamte Strecke zwischen Rheinschanze und Bexbach freigegeben werden. Bis zum Jahr 1850 wurde die Strecke bis Neunkirchen erweitert und zwei Jahre später bis nach Saarbrücken. Seit dieser Zeit wurde auch der Posttransport über die Ludwigsbahn abgewickelt.

Ab Juli 1856 war die Ludwigsbahn bis nach Neunkirchen zweigleisig befahrbar. In der Folgezeit entstanden entlang der Ludwigsbahn weitere Bahnhöfe und Haltepunkte. Der erste durchgängige Zug von Ludwigshafen nach Paris fuhr am 15. Dezember 1852 und brauchte für die Strecke etwa 17 Stunden. Bis 1865 existierten im Nahverkehr keine reinen Personenzüge, sondern allenfalls gemischte Züge, die nicht an allen Bahnhöfen hielten. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte man von einem Nahverkehr mit Personenzügen im eigentlichen Sinne sprechen. Ab 1890 verkehrte ebenso der berühmte Orient-Express (1883-2009) über die Ludwigsbahn. Sie war Streckenabschnitt der Verbindung von Paris über Wien, Bukarest und Sofia bis nach Konstantinopel (heute Istanbul).

Die Haupteinnahmequelle der Ludwigsbahn-Gesellschaft, der Kohletransport, stieg bis 1869 kontinuierlich an. Im Jahr 1854 hatte die Verbindung im Güterverkehr das vierthöchste Aufkommen innerhalb des Deutschen Bundes. Neben dem Kohletransport bescherte der Steinbruch in Weidenthal, der Transport von Holz sowie die Produktion von Papier einen Teil des Güterverkehrs. Der Bau der Ludwigsbahn führte zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, so beispielsweise in der Westricher Moorniederung und in Kaiserslautern.

Ab 1904 wurde aus strategischen Gründen eine Direktverbindung zwischen Homburg und Rohrbach geschaffen. Dadurch war zwischen Homburg und Saarbrücken der kürzest mögliche Weg entstanden. Dies hatte zur Folge, dass die bisherige Ludwigsbahn keine betriebliche Einheit mehr bildete. Im Jahr 1909 ging die frühere Ludwigsbahn zusammen mit den übrigen Bahnstrecken innerhalb der Pfalz in das Eigentum der Bayerischen Staatseisenbahnen über.

Nach dem ersten Weltkrieg (1914-1918) behinderten die Siegermächte den Verkehr, etwa durch die Blockade von Eisenbahnbrücken, wodurch der Ausbau der Bahnstrecken zum Erliegen kam. Während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) war die Reichsbahn ein unverzichtbarer Bestandteil der militärischen Logistik Richtung Westfront. Nach Kriegsbeginn fuhr nur etwa die Hälfte der üblichen Reiszüge auf der Strecke der Ludwigsbahn. Ab November 1943 wurden aus Frankreich kommend etwa 11.000 Kinder über die Ludwigsbahn Richtung Auschwitz deportiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Kriegsschäden beseitigt und die Strecke wiederhergerichtet. Zwischen 1961 und 1964 wurde die frühere Strecke schrittweise elektrifiziert. Die erste durchgehende Fahrt von Mannheim nach Saarbrücken mit einem elektrischen Zug fand im März 1964 statt. Noch heute ist die Bahnstrecke für den Fernverkehr nach Paris und den Nahverkehr ins Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Gebiet von großer Bedeutung.

Andere Bahnverbindungen

  • Maximiliansbahn (ab 1855; Neustadt bis Wissembourg/Strasbourg)
  • Alsenzbahn (ab 1871; Bad Münster bis Hochspeyer)
  • Glanthalbahn, militärstrategisch bedeutsam
  • Biebermühlbahn (Pirmasens Hbf bis Pirmasnes Biebermühle; ab 1904)
  • Moosalbtalbahn (Pirmasens Biebermühle bis Waldfischbach-Burgalben ab 1904; bis Kaiserslautern ab 1913)
  • Lautertalbahn (ab 1883)
  • Südpfälzische Wieslauterbahn (ab 1911)
  • Kuckucksbähnel (Lambrecht bis Elmstein; ab 1909)

Literaturverzeichnis

  • Geiger, Michael. (1993). Die Westricher Niederung. In: Geiger, Michael (Hrsg.): Westrich und Pfälzer Bergland. Landau.
  • Schreiner, Werner et al. (1998). Festschrift 150 Jahre Ludwigsbahn. Ober-Olm, o.S..

Quellenangaben

Artikel-Historie

Lage:

Bahnhofstraße 1
67655 Kaiserslautern

Koordinaten:

49° 26“ 10′ N, 7° 46“ 7′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
ab 1847

Kategorie:

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Kommentare

1 Kommentar zu „Historische Eisenbahnstrecke der Pfälzer Ludwigsbahn

  1. Anmerkung zu Biebermühlbahn im Anhang Andere Bahnverbindungen

    Die oben genannte Biebermühlbahn bezieht sich auf die Strecke Pirmasens Hauptbahnhof und Pirmasens Güterbahnhof nach Pirmasens Biebermühle ( ab 1939 Pirmasens Nord ) und nicht auf die Strecke Kaiserslautern nach Pirmasens Biebermühle ( dies ist die Moosalbtalbahn ) .

    Die Biebermühlstrecke

    Tech. Daten :
    Länge =6,9 km ; Höhenunterschied 120 hm ;

    Zwei Bahnstrecken

    1 . Talstrecke Baujahr 1872/75 , Inbetriebnahme 25.November 1875 , Steigung 1 : 80 ( Höhenunterschied 80 m auf 914 m Länge ) , Kunstbauten sind : Behelfsviadukt Peterstal bei Bahn Km 2,2 , alter Fehrbacher Tunnel Länge 914 m bei Bahn Km 4,0 , Ausser Betrieb genommen 1996 .

    2. Bergstrecke Baujahr 1936 – 1939 ; Inbetriebnahme 1939 , Steigung 1 : 40 ( Höhenunterschied 40 m auf 887 m Länge ) , Kunstbauten sind :
    Peterstalviadukt bei Bahn Km 2,2 , Hexentalviadukt bei Bahn Km 2,8 , neuer Fehrbacher Tunnel Länge 887 m bei Bahn Km 4 , heute noch in Betrieb .

    Die Moosalbtalbahn

    Tech. Daten :

    Strecke Kaiserslautern nach Pirmasens Biebermühle ( Pirmasens Nord ) Länge 29,2 Km ( verlauf der Moosalb ) Baujahr 1. Teilstrecke 1.Juni.1904 von Pirmasens Biebermühle bis Waldfischbach , 2. Teilstrecke von Waldfischbach bis Kaiserslautern Hauptbahnhof am 1.August.1913 ,ab 1913 durchgängig von Kaiserslautern nach Pirmasens Hauptbahnhof .

    Die Gesamtstrecke Kaiserslautern nach Pirmasens wird zwar bei Wikipedia und diverser Literatur als Biebermühlstrecke bezeichnet ,ist aber aus historischen Gründen zu trennen ,denn diese Bezeichnug ist zu weitläufig und zu allgemein beschrieben . Alleine schon die unterschiedlichern Zeitdaten lassen hier keine zusammenfassung zu einer Begrifferklärung zu .

    Weitere Informationen findet man bei :

    1.) Heinz Sturm , Promessage , “ Die pfälzischen Eisenbahnen “ , ISBN 3-934845-26-6 , Seite 177 bis 186 , 266 bis 267
    2.) Albert Mühl , Konrad Theis Verlag , “ Die Pfalzbahn “ , ISBN 3-8062-0301-6
    3.) Lothar Spielhoff , Verlag Jürgen Pepke , “ Lokomotiven der pfälzischen Eisenbahnen “ , ISBN 987-3-940798-15-2

    Für weitere Rückfragen stehe ich gerne zu Verfügung

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