Die Kaiserstraße in der Westpfalz

Alternative Bezeichnungen: Route Impériale, La grande route de Paris à Mayence

Den Namen „Kaiserstraße“ erhielt die Straße nach der französischen Bezeichnung „Route Impériale“ und ist eng mit dem Namen Napoleons verknüpft, der die Straße in Auftrag gab und vollendete. Noch heute heißt die Hauptstraße in einigen Gemeinden des Landkreises Kaiserslautern „Kaiserstraße“.

Geschichte

Die Bundesstraße 40, von Saarbrücken über Kaiserslautern und Alzey bis nach Mainz, wird im Volksmund immer noch als „Kaiserstraße“ bezeichnet. Die richtige Übersetzung der „Route Impériale“ müsste eigentlich „Reichsstraße“ heißen, weil sie aber von Napoleon Bonaparte (1769 – 1821) gebaut wurde nannten sie die Leute Kaiserstraße. Insgesamt führt sie von Saarbrücken kommend über Homburg und Bruchhof im Saarland und erreicht „Am Alten Zoll“ bei Vogelbach die Pfalz. Von dort aus führt sie weiter über Vogelbach, Bruchmühlbach, Hauptstuhl, Landstuhl, Kindsbach, Kaiserslautern, Eselsfürth, Mehlingen, Wartenberg-Rohrbach, Lohnsfeld, Alsenbrück-Langmeil, Standenbühl, Dreisen, Weitersweiler, Bolanden, Kirchheimbolanden, Albig, Wörrstadt, Saulheim, Nieder-Olm und Klein-Winternheim nach Mainz.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gab es im linksrheinischen Deutschland keine gut ausgebauten Straßen. Daher wurde eine Kommission im Jahr 1768 gebildet, die den Auftrag hatte alle Straßen im Durchgangsverkehr im Kurfürstentum in befahrbaren Zustand zu bringen. Während den französischen Revolutionskriegen (1792-1797) wurde sich dann aber nicht mehr weiter um den Straßenausbau gekümmert, sodass die Straßen in der Pfalz in einem schlechten Zustand waren. Nach dem Frieden von Luneville (1801) wurde das linksrheinische Gebiet in sogenannte Departements Roer eingeteilt, die Pfalz gehörte danach dem Departement Donnersberg an. Die Franzosen wollten demnach die rheinischen Departements enger mit Frankreich verbinden und den Handel vorantreiben. Deshalb widmeten sie sich der Verbesserung der Straßenverhältnisse. Da die Franzosen in Frankreich ein Wegzoll eingerichtet hatten, ermöglichten diese Erträge den Bau der Straßen. Außerdem waren die Straßen rund um Paris in Klassen der Stufe I bis III eingeteilt und dieses Straßennetz sollte jetzt auch auf das linksrheinische Deutschland ausgeweitet werden.

Die erste Straße, die ausgebaut werden sollte, war die die Verlängerung der Straße I. Klasse von Paris über Saarbrücken nach Mainz. Schon im Jahr 1798 schreibt der Präfekten Jeanbon St. André (1749 – 1813) an den Kaiser Napoleon, dass die Straßen ein Mittel seien, um „die Bewohner des Departements Donnersberg mit Frankreich zu verknüpfen, ihnen unsere Sprache und Liebe zu unseren Gesetzten zu geben…“.

Deshalb wurde in den Jahren 1807 bis 1811 im Auftrag von Kaiser Napoleon I. die Alte Römerstraße zur Kaiserstraße „Route Impériale“ ausgebaut. Außerdem brauchten die Franzosen eine breite, gut ausgebaute Straße zur Beförderung der Armee nach Deutschland. Für ihre Ausführung und Richtung waren vor allem strategische Gesichtspunkte und ein gut besiedeltes Gebiet, zur Sicherung der Versorgung der Truppen, ausschlaggebend. Anfangs sollte die Straße über Kaiserslautern und Dürkheim nach Oggersheim führen und dort an die Rheinstraße anschließen. Ihren heutigen Verlauf verdankt sie aber das Fehlen des Waldes entlang der geplanten Strecke und der wohlhabenden Bevölkerung auf beiden Seiten der Kaiserstraße zwischen Kaiserslautern und Mainz. Die „La grande route de Paris à Mayence“ galt als wichtigste Straße für Krieg und Frieden.

Der Straßenzug war zu seiner Zeit nach den neusten Kenntnissen des Straßenbaus errichtet worden und sollte eine gleichmäßige Breite von zehn Metern aufweisen, wovon sechs Meter Fahrbahn und je zwei Meter Fußweg entstehen sollten. Es wurden jedoch nur 6 Meter mit Steinen befestigt. Die Trasse der Kaiserstraße war so angelegt, dass Teile von ihr noch heute den Anforderungen des Straßenbaus genügen. Außerdem wurden auf beiden Straßenseiten Pappeln gepflanzt, um Napoleons Armee Schatten zu spenden.

Mit 125 911 Metern Länge im Departement Donnersberg bedingte diese Dimension aber auch neue Arbeits- und Dienstvorschriften für das Aufsichtspersonal. So wurde für das heutige Gebiet der Pfalz am 16.12.1811 ein Decret der französischen Regierung wirksam, welches ausschließlich die Verwendung der „Kaiserlichen Straßen“ betraf. Dieses hatte bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts in der bayrischen Pfalz noch Geltung und umfasste neun Titel mit 118 Artikeln.

Mit der Fertigstellung der Kaiserstraße nahmen auch die Postfahrten immer mehr zu und die kaiserliche Post verkehrte zweimal täglich auf der neuen Straße, einmal nach Osten in Richtung Mainz und einmal nach Westen in Richtung Paris. Die Siedlungen an der Kaiserstraße entwickelten sich hauptsächlich an der Straße entlang. Solche Dörfer werden Straßendörfer oder Fuhrmannsdörfer genannt. Auch die Posteinrichtungen und Gaststätten entlang der Kaiserstraße hatten zu dieser Zeit viele zusätzliche Einnahmen. Auch der Kaiser Napoleon selbst verkehrte mehrmals auf der Kaiserstraße, wobei vor allem die Posthalterei in Bruchmühlbach zu Berühmtheit gelangte, da der Kaiser mehrmals bei der Familie Munzinger, den Besitzern, übernachtete und sie neue Pferde bereitstellten.

Nachdem die napoleonische Armee in den Befreiungskriegen 1814 geschlagen wurde, beschädigte sie die geschotterte Kaiserstraße beim Rückzug stark. Die am nördlichen Rand der Westricher Moorniederung verlaufende Scheidenberger Straße verlor zeitgleich an Bedeutung. Als die Pfalz 1816 zu Bayern kommt, ist die Kaiserstraße strak heruntergekommen und ähnelt an manchen Stellen nur noch einem Feldweg. Die Straße wird daraufhin überarbeitet und später als B 40 zwischen Saarbrücken und Mainz ausgebaut. Nach dem Ausbau der A 61 nach Mainz, wird die Kaiserstraße zur L 401 degradiert.

Die Kaiserstraße heute

Noch heute ist die Kaiserstraße in der Ortsgemeinde Bruchmühlbach, der Ortsgemeinde Hauptstuhl, den Stadt Landstuhl, der Ortsgemeinde Kindsbach, auf dem Einsiedlerhof und der Stadt Kaiserslautern bis nach Mainz sichtbar und als Hauptverkehrsstraße oder als Landesstraße ausgebaut. Mancherorts heißt sie auch Pariser, Saarbrücker oder Mainzer Straße. Am Kaiserslauterner Stadtausgang in Richtung Mehlingen zu L 401 existieren auch noch Reste der alten Kaiserstraße mit einer nachempfundenen Napoleonsruhebank.

Literaturverzeichnis

  • Geiger, Michael (1993). Die Westricher Niederung Landau.
  • Häberle, Daniel (1931). Alte Straßen und Wege in der Pfalz Heidelberg.
  • Kreisverwaltung Kaiserslautern (1992). Heimatjahrbuch der Landkreise Kaiserslautern und Ilmenau 1992 Otterberg.
  • Westenburger, Gerhard (2019). Auf der Route Impériale Nr. 4 Richtung Mainz Die Rheinpfalz.

Quellenangaben

    Artikel-Historie

    Koordinaten:

    49° 24“ 51′ N, 7° 35“ 6′ O

    Epoche:

    Unbekannt

    Baustil:

    Unbekannt

    Datierung:
    1807-1811

    Kategorie:

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    • Barrierefreiheit
    • Parkplatz
    • Familiengeeignet
    • Epoche

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