Ehemaliges französisches Truppenlager und Wasgenwaldbahn bei Ludwigswinkel

Alternative Bezeichnungen: „Camp de Ludwigswinkel“

Das ehemalige „Camp de Ludwigswinkel“ wurde in den Jahren 1921/22 als französischer Truppenübungsplatz als Erweiterung des Platzes Bitsch in Lothringen errichtet. Insgesamt war das Lager für rund 3.600 Soldaten ausgelegt und auf dem Gelände wurden rund 190 Gebäude errichtet. Zeitgleich wurde die Wasgenwaldbahn gebaut, welche das Lager in Ludwigswinkel dann mit dem Bahnhof in Bundenthal verbunden hat. Aus dem Lager ist der heutige Ortsteil „Im Schöntal“ gewachsen, wenige Gebäude des Lagers sind heute noch erhalten.

Geschichte

Das ehemalige „Camp de Ludwigswinkel“ wurde in den Jahren 1921/22 als französischer Truppenübungsplatz errichtet. Zeitgleich wurde die Wasgenwaldbahn gebaut, die dann das Lager in Ludwigswinkel mit dem Bahnhof in Bundenthal verbunden hat. Aus dem Lager ist der heutige Ortsteil „Im Schöntal“ gewachsen.

Das „Camp de Ludwigswinkel“

Die französische Besatzungsregierung hatte nach dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) ihren Hauptstandort in Mainz, zudem war die gesamte Pfalz bis zum Rhein französisch besetzt. Das „Camp de Ludwigswinkel“ war als Erweiterung des Truppenübungsplatzes Bitsch in Lothringen vorgesehen und für rund 3.600 Soldaten ausgelegt. Den Bau des Camps und der Wasgenwaldbahn musste das Deutsche Reich als Reparationszahlung nach dem Krieg finanzieren. Im August 1921 wurde mit dem Bau des Lages begonnen und der Heimatforscher Karl Unold schrieb im Jahr 1982 in einem Heimatkalender des Landkreises Südwestpfalz: „30 Autos und zwei Schleppmaschinen fuhren ununterbrochen die nötigen Baumaterialien vom Bahnhof Bundenthal zum Lager. Arbeiter aus allen süddeutschen Ländern waren im Lager anzutreffen. Soweit sie nicht in Baracken untergebracht werden konnten, logierten sie in Ludwigswinkel und Fischbach. Tanzsäle wurden in Schlafsäle umgewandelt“.

Insgesamt wurden 190 Gebäude errichtet, darunter Häuser für die Offiziere und für die dauerhaft stationierten Soldaten, ein Lazarett und fünf Küchen. Diese Gebäude wurden in massiver Bauweise erstellt, die weiteren Bauten wie Wohnbaracken, Küchen, Waschräume, Magazine, Kantinen, Soldatenheime, Offiziers- und Unteroffiziersmessen, Ställe, Wach- und Arrestgebäude, Fahrzeugschuppen und Werkstätten wurden aus Holz gebaut. Oberhalb des Lagers, im Wald, wurde die Quelle des Saarbrunnes gefasst, um eine Wasserleitung zur Versorgung des Lagers zu errichten. Zudem wurde ein Kanal mit Kläranlage gebaut, ein Luxus, auf den die Bevölkerung des Dorfes noch verzichten musste. Ein Zeitzeuge beschrieb damals das Lager folgendermaßen: „Bei Ludwigswinkel ließen sich die Franzosen ein Truppenübungslager bauen. Wer es nicht gesehen hat, macht sich kaum eine richtige Vorstellung. Es nimmt einen Platz ein so groß wie Dahn. Da reiht sich Baracke an Baracke, jede 50 Meter lang und 12 Meter breit, da stehen massive Gebäude, Lazarett und Generalshäuser. Auch eine Kirche fehlt nicht. Zwischendurch ziehen sich chaussierte Straßen, gut kanalisiert, mit einem Wort: es ist eine Stadt, die da in einzig schönen Wäldern versteckt liegt.“ Auch mussten teilweise Zeltunterkünfte außerhalb des Lagers aufgebaut werden, um alle Soldaten unterbringen zu können. Die militärischen Einrichtungen boten jedoch auch zivile Arbeitsplätze, unter anderem im Bahnbetrieb und in der Truppenküche.

Die Truppenübungen selbst fanden dann in einem etwa 30 Quadratkilometer großen Gebiet zwischen Fischbach und Eppenbrunn statt. Dafür wurden extra 300 Hektar Wald abgeholzt, um Schießplätze einzurichten. Zusätzlich wurden kilometerlange Wege angelegt, um Wach- und Beobachtungstürme zu erreichen.

Das Ende des Camps kam im Januar 1930 mit dem Abzug der Besatzungstruppen nach der Unterzeichnung der Haager Schlussakte. Die gesamten Baracken wurden anschließend versteigert und abgebrochen, selbst die Kirche auf dem Areal konnte nicht erhalten werden. Wenige Steinbaracken blieben jedoch vor dem Abriss verschont. In späteren Jahren soll der Reichsarbeiterdienst einen Teil des Lagers genutzt haben und das Lazarett wurde in ein Müttergenesungsheim umgewandelt. Man bemühte sich nach dem Krieg eine Nachnutzung für das Militärgelände zu finden und so entwickelte sich die Schuhfabrikation in Ludwigswinkel. Diese viel aber auch dem Untergang der Schuhindustrie zum Opfer. Auf dem Areal des Militärlagers entwickelte sich dann der Ortsteil „Schöntal“, heute ein ruhiges Wohngebiet in Ludwigswinkel. Im Volksmund wird dieser Ortsteil auch immer noch „das Lager“ genannt.

Wasgenwaldbahn

Zusätzlich zu dem Truppenlager bescherte die französische Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg Ludwigswinkel eine Bahnlinie. Das Dorf war bis dahin fern von großen Verkehrswegen gelegen und hatte nur wenige hundert Einwohner, als Frankreich am Ortsrand die Errichtung eines riesigen Truppenlagers beschloss. Für die Versorgung der zeitweise 16.000 Soldaten war der Bau eines Bahnanschlusses unentbehrlich. Auch die Bahnlinie musste als Teil der Reparationszahlungen von Deutschland an Frankreich bezahlt werden. Bereits vor dem Krieg gab es die Überlegung die bestehende Bahnlinie nach Ludwigswinkel zu verlängern, dieser Vorschlag wurde kriegsbedingt jedoch nicht weiterverfolgt. Im Jahr 1920 kam die Planung dann erneut auf, die Streckenführung sollte von Bundenthal über Nothweiler, Schönau und Fischbach bis Ludwigswinkel erfolgen. Aus Kostengründen wurde jedoch keine Vollbahn gebaut, sondern nur eine Kleinbahn mit 60 Zentimeter Spurweite, wie sie meist für das Militär gebräuchlich war. Außerdem wurde die ursprünglich geplante Strecke gekürzt und führte nur noch über Rumbach und Fischbach nach Ludwigswinkel. Insgesamt war die Strecke am Schluss 14,4 Kilometer lang und fuhr mit vielen Kurven, auch einer Haarnadelkurve, durch den Wald, da der Bau von Schneisen oder Tunneln durch die Hügel viel zu teuer war. Die Bahn musste Steigungen von fast drei Prozent überwinden und 90 Meter Höhenunterschied, was mit einer Leistung von 100 PS nicht ganz einfach war. Ende des Jahres 1922 wurde das „Bähnel“ in Betrieb genommen und diente die ersten drei Jahre rein für militärische Zwecke. Hauptsächlich wurden Soldaten, Waffen, Munition, Holz und Futter für die vielen Pferde, die im Truppenlager der Franzosen unterhalten wurden, transportiert.

Ab Mai 1925 wurde die Bahn auch für den normalen Personentransport geöffnet und diese Eröffnung mit einem Festabend gefeiert. Insgesamt eine Stunde und fünf Minuten dauerte die Fahrt über die 14,4 Kilometer lange Strecke, was einer Durchschnittsgeschwindigkeit der Wasgenwaldbahn von 15 Kilometer pro Stunde entspricht. Lange Zeit hielt sich auch die Legende von einem Warnschild in den Zugwaggons: „Blumenpflücken während der Fahrt verboten“. Wahr ist allerdings, dass die Passagiere öfters mal aussteigen und laufen mussten, weil die Bahn die Steigung ansonsten nicht geschafft hätte.

Die Bahn wurde in den 1920er-Jahren auch touristisch vermarktet, bereits im Fahrplan von 1927 wurde mit Fotos von den Sehenswürdigkeiten im Tal geworben. Darunter die Kurhäuser in Schönau und Nothweiler. Jeden Tag wurde die Strecke von vier Zugpaaren mit bis zu zwei Personen- und einem Gepäckwagen befahren, zusätzlich zu den vielen Materialzüge für das französische „Camp de Ludwigswinkel“. Dazu kam noch die Nutzung durch den Forst, der über die Bahn Holz aus den Wäldern beförderte. An Sonn- und Feiertagen wurden zusätzliche Züge eingesetzt und es gab sogar Spätzüge am Wochenende, die um 23.20 Uhr von Bundenthal abfuhren und am Montagmorgen um 3 Uhr von Ludwigswinkel wieder zurückfuhren. Auf Grund der guten Annahme der Bahn gab es zwischenzeitlich Überlegungen die Bahn über Eppenbrunn, Obersimten und Winzeln bis Pirmasens weiterzuführen. Diese Idee fand vor allem bei den Pirmasenser Schuhfabrikanten anklang, da die Arbeiter mit der Bahn leicht in die Fabriken gekommen wären.

Der zivile Personenverkehr wurde jedoch bereits nach fünf Jahren Betrieb wieder eingestellt und mit dem Abzug der Franzosen und der Räumung des Jahres im Jahr 1930 stellte sich die Frage nach der Zukunft der Wasgenwaldbahn. Im Februar 1930 wurde zwar betont, dass es ausgeschlossen sei den Betrieb einzustellen, jedoch war damals schon klar, dass weder Bayern noch das Reich Lust hatten für Unterhalt und Weiterbetrieb aufzukommen. Die Bahn fuhr dann noch bis zum 31. Oktober 1930, danach wurde nicht nur der Betrieb eingestellt, sondern auch gleich mit dem Abbau der Anlagen begonnen. Bis in die 1950er Jahre waren dann noch Reste der Bahnlinie auf der Strecke zu sehen, heute dient der frühere Bahndamm als Radweg. Es gab über die Jahre immer wieder Überlegungen für eine Reaktivierung jedoch wurden diese noch nicht umgesetzt. Ausgerechnet wurde, dass etwa elf Millionen Euro für das Vorhaben benötigt werden würden.

Objektbeschreibung

Das „Camp de Ludwigswinkel“ war etwa 30 Quadratkilometer groß und wurde als Erweiterung des Truppenübungsplatzes Bitsch in Lothringen geplant. Es umfasste 190 Gebäude und war für rund 3.600 Soldaten ausgelegt. Die Straßenverläufe des Ortsteils Schönau geben noch Aufschluss über die frühere Aufteilung und die Größe des ehemaligen Lagers. Von den Lagergebäuden, meistens große Baracken mit 50 Meter Länge und 12 Meter Breite, sind heute noch wenige Steinbauten erhalten, wie das Lazarett (später bekannt als Müttergenesungsheim), Lagerkasernen, Küchen und Offiziershäuser. Heute sind die Gebäude der ehemaligen Lagerkaserne und der Küche Mehrfamilienwohnhäuser. Auch im Ortskern von Ludwigswinkel sind noch einige Häuser aus der Lagerzeit erhalten, wie das Reichsvermögensamt in der Landgrafenstraße. Zudem ist das Pumpenhaus mit dem Wasserhochbehälter oberhalb des Ortsteils im Wald noch erhalten. Außerdem entstanden auf dem früheren Camp-Gelände ein Campingplatz und ein Neubaugebiet.

Von der Bahnanlage sind heute noch die Lokschuppen in Bundenthal und Ludwigswinkel erhalten. Bis in die 1950er Jahren waren auch noch Reste der Bahnlinie auf der Strecke sichtbar, heute dient der frühere Bahndamm als Radweg. Das Bahnhofsgebäude in Rumbach dient heute als Kelterhaus und der frühere Güterbahnhof Rumbach wird heute von einem Elektrobetrieb genutzt. Zudem wurde vor einigen Jahren eine Bahnschwelle der Wasgenwaldbahn gefunden, diese soll zusammen mit einem Modell des Lagers im Lokschuppen in Ludwigswinkel ausgestellt werden.

Im Lockdown während der Corona-Krise bauten Norbert Ernst und Albert Wolf aus Ludwigswinkel und Timo Conrad aus Annweiler ein Modell des früheren Militärlagers „Camp de Ludwigswinkel“. Dazu diente ein Original-Bauplan der Reichsvermögensverwaltung von 1931 als Vorlage sowie Fotos und Ansichtskarten. Die Baracken und Gebäude wurden dann mit einem 3D-Drucker angefertigt, dazu musste der Drucker teilweise über 90 Tage am Stück durchlaufen. Das Modell des Lagers im Maßstab 1:160 besteht aus einer Spanplatte im Format 6,5 mal 4 Meter. Auf dieser wurde dann die ursprünglichen Trapezform des Lagers mit anschließender Landschaft, Bäumen, Wegen und Häusern aus dem 3D-Drucker modelliert. Im historischen Lokschuppen in Ludwigswinkel soll das Modell zukünftig ausgestellt werden und ein Stück Ortsgeschichte wieder lebendig machen.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Ludwigswinkel ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Südwestpfalz und gehört der Verbandsgemeinde Dahner Felsenland an. Die Gemeinde liegt direkt an der französischen Grenze.

Das ehemalige Truppenlager befand sich nördlich von Ludwigswinkel, daraus hat sich heute der Ortsteil Schöntal entwickelt. Wenige Gebäude, wie das ehemalige Lazarett oberhalb des Schöntalweihers, sind heute noch zu sehen.

Literaturverzeichnis

  • Kadel-Magin, Klaus (2021). Steiler Zug "Die Rheinpfalz".
  • Kadel-Magin, Klaus (2021). Wasgenwaldbahn verschwand mit den Franzosen "Die Rheinpfalz".
  • Würth, Petra (2021). Ein Kapitel Ortsgeschichte am Leben halten "Die Rheinpfalz".

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 5“ 3′ N, 7° 39“ 32′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1921/22

Weiterführende Links:

Für dieses Objekt fehlen noch einige Angaben

  • Straße
  • Barrierefreiheit
  • Familiengeeignet

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