Flurskapelle St. Florus in Ulmet

Zu den ältesten Kirchen im mittleren Glantal zählt die evangelische Pfarrkirche zu Ulmet. Seit Jahrhunderten trägt sie den Namen „Flurskapelle“. Es handelt sich um eine sogenannte „Feldkirche“.

Geschichte

Die Flurskapelle wurde erstmals im Jahr 1124 in einer Urkunde des Klosters Remigiusberg als „Capella“ erwähnt. Die Regesten (Urkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit) des Klosters Werschweiler nannten das Gotteshaus „Flurskapellen“. Im 14. Jahrhundert fand sich der Name „Florus-Cappeln“. Es war die Kapelle des heiligen Florus, wie Dr. Ernst Christmann darlegt. Über die 1299 neu aufgebaute Kirche sind Informationen aus dem alten Weistum der Pfarrkirche Flurskapelle vom Jahre 1540 zu entnehmen. Die alte Baupflicht zeigte sich in diesem Weistum sehr vielschichtig. Die Kirchengemeinde hatte den Turm und die eine Hälfte des Kirchenschiffes zu erstellen und zu unterhalten. Die zuständige Schaffnei war verantwortlich für die andere Hälfte des Kirchenschiffes und das Pfarrhaus.

Aus dem Weistum ist auch von einer Ringmauer, die den Friedhof umgab und sicherlich mit dem Turm und der Kirche eine Einheit bildete, zu erfahren. Diese Anlage konnte in unruhigen Zeiten den bedrängten Einwohnern einen gewissen Schutz gewähren. Das Weistum erwähnt auch ein Taufbecken und eine Wasserkanne aus Messing und die berühmte Standuhr, die in praktischer Weise die Länge der Predigt des Pfarrers bestimmte. Das Visitationsprotokoll aus dem Jahre 1609 spricht von dem Pfarrhof „Flurs-Cappeln“. Außer dem Pfarrer wohnten nur noch der Schultheiß und zwei Kirchenschaffner unmittelbar bei der Kirche.

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) ging nicht spurlos an dem alten Gotteshaus vorbei. Auf dem Gelände an der Flurskapelle besiegte Rheingraf Otto Ludwig (1597-1634) am 24.5.1632 die Spanier so vernichtend, dass diese 1500 Gefangene und alle Bagage (Begleitung des Heeres) zurücklassen mussten. Es ist anzunehmen, dass im Verlaufe dieser Kampfhandlungen auch die Kirche und der Friedhof in Mitleidenschaft gezogen wurden, da man gegenüber solchen Stätten keine besonders große Ehrfurcht an den Tag legte. Drei Jahre nach dieser Schlacht brandschatzten die kaiserlichen Truppen das Dorf Ulmet, wobei auch das Pfarrhaus in Flammen aufging. Die Kirche selbst scheint jedoch verschont geblieben zu sein. Lediglich die Fenster waren zerstört, so dass in der Folgezeit Wind und Wetter manche Schäden verursachen konnten. Aus dem Dreißigjährigen Krieg konnten folgende Inventurstücke gerettet werden, die 1655 genannt werden: ein großer silberner Kelch, eine zinnerne Kanne mit einer Röhre von drei Schoppen, ein Taufbecken aus Zinn und ein Altartuch. In einem Bericht an das Oberkonsistorium in Zweibrücken vom Jahre 1737 werden die baulichen Zustände als fast unerträglich bezeichnet: Stündlich drohe der Giebel am Turm einzustürzen; auf der Empore herrsche solche Dunkelheit, dass man die Lieder im Gesangbuch nicht lesen und deshalb auch nicht mitsingen könne. Schließlich sei das Gotteshaus bei der gestiegenen Einwohnerzahl auch viel zu klein und zu niedrig. Eine Ortsbesichtigung führte zu dem Ergebnis, dass es nichts mehr zu reparieren gebe. Wenn man an einem Ende ein Stück aufbauen würde, dann fiele an anderer Stelle ebenso viel wieder zusammen. Die alten Fundamente sollten möglichst wiederverwendet werden.

Mit den Bemühungen um einen Neubau gingen die Bestrebungen des Ortspfarrers und der Gemeinde um eine Änderung der bisherigen baurechtlichen Verhältnisse Hand in Hand. Schließlich fand die Frage der Baulastenverteilung eine neue Regelung: Die Gemeinde behielt weiterhin die Turmbaupflicht. Die Chorbaupflicht wurde modifiziert, indem sich die Gemeinde und die Kirchenschaffnei je zur Hälfte die Baukosten des neuen Kirchenschiffes teilten. Man verzichtete auf ein separiertes Chorhaus „mit seinen dunklen Kammern“. Der Vertrag über den Neubau wurde von dem Kirchenschaffner Koch und den Zensoren abgeschlossen. Mit Ausnahme des alten Turms sollte ein vollständiger Neubau erstellt werden. Während der Bauarbeiten versammelte man sich zu den Gottesdiensten in der Pfarrscheune. Die Kosten für den Kirchenbau bezifferten sich auf 917 Gulden, 10 Kreuzer und neun Malter Korn. Dazu kamen noch die Hand- und Spanndienste der Gemeinde.

Baubeschreibung

Die Erbauung der Flurskapelle fällt noch in das Ende des 11. Jahrhunderts. Der älteste Teil der Kirche stammt aus dem Jahr 1091, das wahrscheinlich auch dem Erbauungsjahr entspricht. Von dieser Kirche hat nur der frühromanische Turm die Zeiten überdauert. Dieser viergeschossige Turm verjüngt sich nach oben und hat vier Balkendecken. Die drei unteren Stockwerke weisen Lichtschlitze auf, die als Stileigenart des 11. Jahrhunderts bezeichnet werden können. Das letzte Obergeschoss hat anstelle dieser Schlitze vier Doppelfenster mit Rundsäulen. Den 27 m hohen Turm krönt ein achtseitiger Spitzenhelm. Der Helmkopf mit der Wetterfahne krönt seit 1862 den Turm.

An der Kirche fällt eine Besonderheit auf. An der Westseite des Turms ist ein etwa 80 cm hoher Kopf eingemauert. Vermutlich verwendete man diesen Stein als sogenannten Kragstein, der entweder zur Auflagerung von Stein- und Holzkonstruktionen, zur Aufnahme von Kranlasten oder als Plattform für die Aufstellung einer Statue gedient haben mag. Das Schiff der ersten Kirche in Ulmet war nicht so stabil gebaut wie der Turm und musste schon im Jahre 1299 durch einen Neubau ersetzt werden. Die Kirche besaß ein Schieferdach, während das Pfarrhaus, das in jener Zeit dem Gotteshaus benachbart war, wie die Bauernhäuser mit Stroh gedeckt war.

Am 01.07.1737 erfolgte die feierliche Grundsteinlegung zur Kirche, die heute noch steht. Im Grundstein mauerte man ein Neues Testament, den Heidelberger Katechismus, das reformierte Gesangbuch, eine Flasche Wein und „ein Säcklein dieses Landes Frucht“ ein. Schon im November 1737 konnte der Rohbau vollendet werden. Im Frühjahr 1738 wurde das Gotteshaus seiner Bestimmung übergeben. Der breite Saalbau erhielt einen dreiseitigen Schluss. Sechs Holzsäulen tragen die flache Decke. Bei einer Flächengröße von 185 qm können einschließlich der Empore rund 200 Personen Platz finden.

Im Jahre 1956 erfolgte eine grundlegende Innen- und Außenrenovierung des altehrwürdigen Gotteshauses. Im Jahre 1965 wurde die Außenfassade renoviert und im Erdgeschoss des Turmes ein Pfarrzimmer eingerichtet, welches vom Kirchenschiff aus zugänglich ist.

Im Rahmen der Orgelrestaurierung 1989 fand auch eine Innenrenovierung der Flurskapelle statt. Durch die Neuaufstellung der Orgel als Brüstungsorgel waren einige bauliche Veränderungen an der Empore erforderlich. Die Kanzel erhielt einen neu angefertigten Schalldeckel, da der alte leider bei der letzten Kirchenrenovierung 1956 entfernt wurde. Das Gestühl und der Deckenanstrich wurden überarbeitet; eine neue Heizungsanlage wurde installiert und der Innenraum erhielt einen neuen Anstrich.

Orgel

1989 konnte die Prot. Kirchengemeinde Ulmet ein seit vielen Jahren geplantes Projekt durchführen: Die historische Restaurierung der Stummorgel aus dem Jahre 1847. Das Instrument war in den zurückliegenden Jahrzehnten seines Bestehens mehrfach Veränderungen unterworfen, deren Ursachen einerseits im Wandel des musikalischen Geschmacks zu sehen sind, die aber andererseits technische Gründe hatten. Die „musikalischen“ Veränderungen bestanden aus der Entfernung einzelner Register, da ihr Klang als „unangemessen“ empfunden wurde. Noch 1935 wurden solche Änderungen ausgeführt. Die technischen Änderungen bestanden im Austausch der Gebläseanlage und schließlich im Jahre 1956 in der kompletten Versetzung der Orgel und den dadurch bedingten Änderungen in der Mechanik. Glücklicherweise waren bei der damaligen Versetzung klangliche Veränderungen unterblieben. Ziel der 1988 begonnenen Orgelrestaurierung war, das Instrument als „Stumm-Orgel“ von 1847 wieder erlebbar zu machen. Die nach denkmalpflegerischen Grundsätzen vollzogene Restaurierung führte die Bonner Orgelbauwerkstatt Johannes Klais durch.

Glocken

Besondere Erwähnung verdienen noch die beiden alten Bronzeglocken.

Die älteste (Ton a‘) stammt aus dem Jahre 1496, hat ein Gewicht von 565 kg, einen Durchmesser von 96 cm und trägt folgende Inschrift:

„Anno 1496, inter regno Ottonii me giome fecit, pax cum suis.“

„O rex gloriae Christe veni vum pace.“

Gießer war Johannes Otto aus Kaiserslautern.

Die kleinere Glocke (Ton c‘) wiegt 285 kg, hat einen Durchmesser von 80 cm und war 1743 für 60 Gulden in Zweibrücken (Gießer unbekannt) umgegossen worden. Auf ihr sind die Worte zu lesen:

„Die Glocke gehört dem reformierten Kirchenspiel Ulmet“.

Später (Jahr ist nicht bekannt) wurde noch eine dritte Glocke, kleiner als die beiden anderen, eingeweiht.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Flurskapelle befindet sich am Rande des Ortes Ulmet im mittleren Glantal. Die Kirche ist mit dem PKW und Bus sehr gut erreichbar, Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Fast un­mittelbar an der Kirche vorbei führt der Glan-Blies-Rad- und Wanderweg.

(Verbandsgemeinde Kusel-Altengaln, 2019)

Literaturverzeichnis

keine Literaturangaben

Quellenangaben

Artikel-Historie

Lage:

Meisenheimer Straße
66887 Ulmet

Koordinaten:

49° 35“ 26′ N, 7° 27“ 9′ O

Datierung:
1124 (Turm), 1737 (Kirche)

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