Katholische Rochuskapelle in Hohenecken

Die Rochuskapelle liegt in Hohenecken, einem Ortsteil von Kaiserslautern. Der Barockbau wurde im Jahre 1748 errichtet. Damit ist er über 100 Jahre älter als die gegenüber aufragende Pfarrkirche St. Rochus. Beide Kirchen stehen auf einem Berghang in exponierter Lage unterhalb der Burgruine Hohenecken. Die Kapelle befindet sich in einem sehr guten baulichen Zustand und gehört, wie die Pfarrkirche St. Rochus der gleichnamigen katholischen Pfarrgemeinde an.

Geschichte

Seit dem frühen 13. Jahrhundert ist im Bereich der Burg Hohenecken eine Kapelle belegt. Eine spätere Kapelle wurde nach 1565 für die Reformierten erbaut. Diese wurde die „Untere Kirch“ genannt und wurde wahrscheinlich 1688 im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) zerstört. Im Frieden von Ryswick (1697 – Beendigung des Pfälzischen Erbfolgekriegs) wurde die Rochuskapelle unter den 51 Kapellen genannt, die „schon immer den Protestanten zu eigen waren“ (Weinmann 1975, S. 92). Die Katholiken besuchten damals die Schloßkapelle auf der Burg Hohenecken. Bis zum Jahre 1665 wurden katholische Gottesdienste in der Schlosskapelle abgehalten. Im Zuge der Kirchenteilung im Jahre 1706 erhielten die Katholiken die Ruine (Untere Kirch). Für den Gottesdienst war das zerstörte Bauwerk nicht mehr zu gebrauchen. Pater Leo (Franziskaner) berichtet im Jahre 1719: „Die Capell stehet ohne Fenster und Thüren, mit einem zerissenen Dach.“ (Weinmann 1975, S. 93).

Die heutige Rochuskapelle wurde 1748 an gleicher Stelle im typisch ländlichen Barockstil errichtet (Baubeginn 1747). Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz stiftete 535 Gulden für den Neubau und verfügte die Bereitstellung von Holz aus dem „Kellereiwald“ (Weinmann 1975, S. 93). Wie in dieser Zeit üblich, wurden die Steine der Ruine für den Neuaufbau eingesetzt. Möglicherweise auch Material aus der Burgruine Hohenecken, so z.B. der romanische Rundbogen an der Choraußenwand (Weinmann 1975, S. 93).

Namensgebend für die Kapelle ist der Volksheilige Rochus aus Montpellier (um 1349-1379). Er wird als Patron gegen die Pest und Seuchen verehrt, obwohl er nie heiliggesprochen wurde. Kapellen wie die Rochuskapelle in Hohenecken werden deshalb auch als Pestkapellen bezeichnet. Einer Legende aus dem Jahr 1478 nach trat Rochus als zwanzigjähriger in den Dritten Orden des heiligen Franz von Assisi und begab sich 1317 auf den Pilgerweg nach Rom. Auf seiner Reise sowie in Rom sorgte Rochus für Pestkranke, die er auf wundersame Art mit Hilfe des Kreuzzeichens geheilt haben soll. Auf der Rückreise erkrankte er 1322 selbst an der Pest. Da sich keiner um ihn kümmerte, zog er sich in eine einsame Hütte im Wald zurück. Dort pflegte ihn ein Engel und der Hund eines Junkers versorgte ihn mit Brot, bis er wieder genesen war. Bei der Rückkehr nach Montpellier erkannte ihn keiner mehr, da sich sein Äußeres durch die Pesterkrankung verändert hatte. Wegen des Verdachts auf Spionage wurde Rochus deshalb gefangen genommen. Fünf Jahre verbrachte er in Montepellier und verstarb auch dort. Aufgrund eines kreuzförmigen Mals auf seiner Brust, das er von Geburt aus hatte, konnte er identifiziert werden.

Im Zuge der Erhebung Hoheneckens zu einer eigenständigen Pfarrei wurde die Kapelle 1877 zur Pfarrkirche ernannt. Die Mitgliederzahl der Kirchengemeinde wuchs schnell an. Bereits in den 1890er Jahren wurde das Kapellengebäude zu klein. Allerdings zeigte sich, dass die Kapelle nur schwer vergrößert werden konnte. Der Kapellenturm hätte ebenfalls gründlich überholt werden müssen. Man entschied sich deshalb gegen den Ausbau der Kapelle und für einen Neubau einer größeren Kirche. So wurde im Jahre 1897 nur wenige Meter neben der Kapelle die wesentlich größere Kirche St. Rochus im neugotischen Stil errichtet. Lange Zeit wurde die neue Kirche von den Franziskanern aus Kaiserslautern unterhalten. Schließlich wurde die neue Kirche St. Rochus im Jahr 1979 eine selbstständige Pfarrgemeinde.

Die alte Rochuskapelle wurde zunächst als Probenraum für den Cäcilienverein (Chorverband der Katholischen Kirche) und für Wallfahrten genutzt. Später stand die Kapelle leer. Der Freundeskreis Rochuskapelle e. V. kümmert sich um den Erhalt der Kapelle und veranstaltet heute regelmäßig Konzerte, Lesungen oder Vorträge.

Zwischen 1970 und 1985 fanden in der Rochuskapelle immer wieder Renovierungsmaßnahmen zur Erhaltung der Bausubstanz statt. Anfang der 1990er Jahre wurden ebenfalls Restaurierungsarbeiten durchgeführt.

Die Katholische Rochuskapelle in Kaiserslautern-Hohenecken ist seit 1983 ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Architektur

Die Rochuskapelle ist ein unverändert erhaltener Kirchenbau des Spätbarocks. Es handelt sich um einen flächenmäßig kleinen, nach Osten ausgerichteten Saalbau mit einem Dreiseitchor. Die Fassade des Putzbaus weist eine zeittypische Sandsteingliederung und ein abgewalmtes Satteldach auf, was charakteristisch ist für den ländlichen Stil des Spätbarocks. An der Westseite befindet sich ein rundbogiges Portal mit einer im Original erhaltenen zweiflügeligen Tür. Der Schlussstein über dem Westportal ist mit Skulpturen eines Auges Gottes und Engelsköpfen geschmückt. Darüber befindet sich ein Rundfenster (Okulus). Die Westfassade schließt mit einem hexagonalen Giebelreiter mit verschiefertem Spitzhelm ab. Zu allen Seiten der Kapelle befinden sich rundbogige Fenster. Die West- und Ostfassade zieren außerdem jeweils ein Okulus.

Das Kircheninnere ist schlicht ausgestattet. Eine flache Decke über einer Hohlkehle schließt den Raum ab. Über dem Eingangsbereich des Westportals befindet sich eine Empore mit geschweifter Balustrade auf zwei hölzernen Rundsäulen. Der Zugang wird über eine schmale Wendeltreppe aus Metall gewährt. Des Weiteren gehören ein Taufstein und ein Altar zur Innenausstattung. Der Altar mit Tabernakel wurde im Stil des Spätrokoko etwa um das Jahr 1770 errichtet. Der Taufstein steht auf einem Sandsteinsockel und wurde erst im Laufe des 18. Jahrhunderts hinzugefügt. Im Eingangsbereich des zugehörigen eingefriedeten Kirchengartens steht ein hohes Sandsteinkreuz mit Metallkorpus auf einem geschweiften Sockel. Der Metallkorpus entstand, im Gegensatz zum Kreuz, wahrscheinlich erst Mitte des 18. Jahrhunderts. Ehemals befand sich im Kirchgarten ein Friedhof. Mehrere ältere Grabsteine weisen heute noch darauf hin.

Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Technischen Universität Kaiserslautern wurde eine Neuausstattung der Rochuskapelle geplant. Diese konnte in den darauffolgenden Jahren nach und nach umgesetzt werden. Im Zuge dessen gründete sich im März 1997 der Freundeskreis Rochuskapelle e. V., der die Neuausstattung unterstützte und sich seitdem zusammen mit der Kirchenstiftung St. Rochus um die Erhaltung der Kapelle kümmert. Der Freundeskreis organisiert regelmäßig Konzerte, Lesungen und Vorträge. Das Konzept der Innenausstattung orientiert sich stark an den Werken des bekannten Architekten Rudolf Schwarz (1897-1961). Die wenigen Ausstattungsgegenstände, wie Altar und Bestuhlung, sind variabel und lassen sich beliebig verschieben. Dadurch wird eine vielfältige Nutzbarkeit möglich. Der große und offene Raum ermöglicht Platz für zahlreiche geistliche oder kulturelle Veranstaltungen.

Baubeschreibung

Die Rochuskapelle ist ein flächenmäßig kleiner, nach Osten ausgerichteter Saalbau des Spätbarocks mit einem Dreiseitchor und 3/8 Chorabschluss. Inklusive dem 3,50 Meter langen Chor weist die Kirche eine Gesamtlänge von 14 Metern und eine Breite von 6,80 Metern auf. Zur Erbauungszeit handelte es sich um eine mittelgroße und für den Ort angemessen große Kapelle. Bemerkenswert ist, dass das Mauerwerk und der Dachstuhl seit dem Bau nahezu unverändert blieben und dieser sogar die beiden Weltkriege unbeschadet überstand.

Die Fassade des Putzbaus weist eine zeittypische Sandsteingliederung und ein abgewalmtes Satteldach auf, was charakteristisch für den ländlichen Stil des Spätbarocks ist. An der Westseite befindet sich ein rundbogiges Portal mit einer im Original erhaltenen zweiflügeligen Tür. Der Schlussstein über dem Westportal ist mit Skulpturen eines Auges Gottes und Engelsköpfen geschmückt, mit darüber befindlichem Okulus. Die Westfassade schließt mit einem hexagonalen Giebelreiter mit verschiefertem Spitzhelm ab. Zu allen Seiten der Kapelle befinden sich rundbogige Fenster, gerahmt mit unprofillierten Hausteinen. Die West- und Ostfassade zieren außerdem jeweils ein Okulus. Ein weiteres schmückendes Element sind die aufwendigen Steinmetzarbeiten an der Türrahmung und den Pilasterköpfen der Westfassade.

Die Rochuskapelle ist umgeben von einem Kirchhof, der zu allen Seiten durch Mauern begrenzt wird. Ehemals befand sich im Kirchgarten ein Friedhof. Zwei ältere Grabsteine weisen heute noch darauf hin. An der Nordwestecke der Kapelle steht ein großes Sandsteinkreuz mit geschweiftem Sockel und Korpus. Der Metallkorpus entstand, im Gegensatz zum Kreuz, wahrscheinlich erst Mitte des 18. Jahrhunderts. In der Südwestecke des Kirchhofs befindet sich der 1956 angelegte und von außen zugängliche Rochusbrunnen.

Innenausstattung

Das Kircheninnere ist schlicht ausgestattet. Eine flache Decke über einer Hohlkehle schließt den Raum ab. Über dem Eingangsbereich des Westportals befindet sich eine Empore aus Eichenholz mit geschweifter Balustrade auf zwei grob gedeichselten Rundsäulen. Der Zugang wird heute über eine schmale Wendeltreppe aus Metall gewährt. Des Weiteren gehören ein Taufstein und ein Altar zur Innenausstattung. Der Altar mit Tabernakel wurde im Stil des Spätrokoko etwa um 1770 errichtet. Erhalten sind davon der gemauerte Altarsockel mit Sandsteinplatte sowie Teile der Auf- und Umbauten des Hochaltars. Der kelchförmige Taufstein steht auf einem Sandsteinsockel und wurde erst im Laufe des 18. Jahrhunderts hinzugefügt. Das Taufbecken wird als stilisierte Muschel dargestellt.

Ursprünglich war der Fußboden mit Sandsteinplatten gedeckt. Heute sind davon nur noch wenige übrig. Eine in den Fußboden eingelassene Grabplatte ist erhalten. Die Inschrift ist jedoch nicht mehr lesbar.

Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Technischen Universität Kaiserslautern wurde eine Neuausstattung der Rochuskapelle geplant. Diese konnte in den darauffolgenden Jahren nach und nach umgesetzt werden. Im Zuge dessen gründete sich im März 1997 der Freundeskreis Rochuskapelle e. V., der zum einen die Neuausstattung unterstütze und zum anderen sich seitdem zusammen mit der Kirchenstiftung St. Rochus um die Erhaltung der Kapelle kümmert.

Das neu entwickelte Konzept orientiert sich stark an den Werken des bekannten Architekten Rudolf Schwarz (1897-1961). Die wenigen Ausstattungsstücke, wie Altar und Bestuhlung sind variabel und lassen sich beliebig verschieben, was eine vielfältige Nutzbarkeit erlaubt. Der große und offene Raum ermöglicht Platz für zahlreiche geistliche oder kulturelle Veranstaltungen.

Pflege und Erhaltung

Nachdem 1961 erneut bauliche Mängel an der Rochuskapelle festgestellt wurden, fanden zwischen 1970 und 1985 immer wieder Renovierungsmaßnahmen zur Erhaltung der Bausubstanz statt. Der Turm wurde neu verschiefert, das Dach neu gedeckt, Fenster repariert, der Rochusweg, der zur Kapelle führt instandgesetzt sowie die Einfriedungs- und Stützmauer gesichert und ausgebessert.

Anfang der 1990er Jahre wurde eine Gesamtrenovierung durchgeführt.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Kapelle sowie die Kirche St. Rochus befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Sie liegen am Hang unterhalb der Burgruine Hohenecken im Ortsteil Hohenecken der Stadt Kaiserslautern. Parkplätze befinden sich wenige Meter unterhalb der Gottesbauten im Ortskern von Hohenecken. Der Bahnhof liegt ebenfalls in fußläufiger Erreichbarkeit.

Literaturverzeichnis

  • Pfarrgemeinderat St. Rochus (Hrsg.). (1897-1997). Erinnerung an die Vergangenheit. Aufruf für die Zukunft. 100 Jahre Pfarrkirche St. Rochus Hohenecken. Hohenecken. .
  • Oexner, M. (1996). Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Stadt Kaiserslautern. Band 14. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Worms.
  • Krämer, J. (1996). Neuausstattung der Rochuskapelle in Kaiserslautern-Hohenecken (Diplomarbeit an der Technischen Universität in Kaiserslautern). Kaiserslautern.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreisfreie Stadt Kaiserslautern (Denkmalverzeichnis Kreisfreie Stadt Kaiserslautern, 03. April 2017). Koblenz.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 24“ 46′ N, 7° 41“ 59′ O

Datierung:
1748

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  • Barrierefreiheit
  • Parkplatz
  • Familiengeeignet
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