Katholische Kirche St. Laurentius in Niederschlettenbach

Die katholische Kirche St. Laurentius in Niederschlettenbach birgt verschiedene historische Schätze, vom römischen Diana-Stein über den Weihestein von 1068, den alten Chor von 1220 oder den Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert.

Geschichte

Was macht dieses Haus so unverwechselbar? Es steht mitten im Dorf, erhaben auf dem Kirchberg, das alte Dorf lehnte an den Kirchberg. Das alles gibt es in vielen anderen Dörfern auch. Es ist die Geschichte dieses Hauses und damit auch die Glaubensgeschichte der Leute in diesem Tal, die diesen Ort hier prägen. Wenn wir uns mit den Anfängen dieses Gotteshauses befassen, stoßen wir zunächst einmal auf viel Geheimnisvolles und Rätselhaftes. Was mag an der Stelle einmal gewesen sein, bevor unsere Vorfahren zu Jesus Christus und dem heiligen Laurentius gebetet haben?

Römischer Götterstein

Durch Zufall wurde im Jahre 2005 an der Nordostecke des Turmes ein römischer Götterstein entdeckt. Eine Befragung der damaligen Bauarbeiter ergab, dass der Stein wahrscheinlich aus dem Fundament der alten Kirche stammt. Die Inschrift lautet: IN Honorem (Domus Divinae) – DeAE DIANaE – ET GENIO – COL – (LEGI) IVI (—), die letzte Zeile ist fast unlesbar. Übersetzung: Zu Ehren des göttlichen Herrscher-Hauses (in Rom) der Göttin Diana und dem Genius des Kollegiums …. (geweiht). Nach Urteil des Denkmalamtes Speyer und der Uni Heidelberg handelt es sich bei dem Stein um einen römischen Altarstein des späten 2. bis frühen 3. Jahrhunderts. Möglicherweise hat ein Römer hier oder der näheren Umgebung einen kleinen Diana-Altar errichtet. Der Fund war sensationell, weil man bis vor etwa 50 Jahren überzeugt war, dass die Römer nie westlich des Haardrandes im Pfälzerwald waren. Zur Zeit der einsetzenden Christianisierung wurden die alten und nun heidnischen Kultmale beseitigt. Oftmals hat man beim Bau der Kirchen, die alten Göttersteine im Fundament, im Chor oder unter dem Altar kopfüber vermauert.

Die Widegovo-Kirche

Schon recht früh entstand dort, wo sich heute die Taufkapelle befindet, eine kleine Kapelle, deren Alter unbekannt ist. Es ist die Zeit, als Niederschlettenbach zur Abtei Weißenburg gehörte, welche in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts gegründet wurde. Bei Ausgrabungen des Denkmalamtes im Jahr 1952 wurden deren Fundamente entdeckt. Irgendwann war diese Kapelle aber zu klein und man hat sie mehr als doppelt so groß neu gebaut. Obwohl auch diese Fundamente ausgegraben wurden, kann man nicht exakt sagen, wann sie entstanden. Eine spätere Urkunde benennt jedoch den Gründer: einen Mann namens WIDEGOVO. Jetzt wird es wieder geheimnisvoll, weil uns die Geschichte nichts über diesen Mann hinterlassen hat. Möglicherweise handelte es sich um einen Laien, einen Grafen/Herzog der Widonen die im 7. bis 9. Jahrhundert im Speyergau begütert waren. Anhaltspunkte für das Alter der Kirche gibt die Patroziniumsforschung mit folgendem Ereignis: Kaiser Otto I. hatte am Laurentiustag, den 10. August 955, auf dem Lechfeld bei Augsburg die Ungarn besiegt. Seitdem wurde der heilige Laurentius besonders verehrt. Wir können davon ausgehen, dass in den Jahren nach 955 diese Kirche dem Heiligen geweiht wurde. In anderen Quellen wird von „vor dem 11. Jahrhundert“ ausgegangen.

Der Samuel-Bau

Im 11. Jahrhundert wird das Kirchlein erneut zu klein. Die Kirche wird abgerissen und Abt Samuel aus Weißenburg lässt an gleicher Stelle eine neue Kirche mit Apsidenchor errichten, mehr als dreimal so groß wie der Vorgängerbau. Diese Kirche wurde am 13.Mai 1068 eingeweiht, was zwei Urkunden belegen. Eine davon ist eine steinerne Bauinschrift von 1068, welche als Giebelsturz in der Taufkapelle erhalten ist. Die Tatsache, dass die Weihe durch einen Bischof persönlich erfolgte, ist ein Privileg, das Pfarrkirchen zustand. Daraus folgt,dass spätestens seit dem Jahr 1068 die Pfarrei St. Laurentius existiern muss.

Um die Jahre 1220/30 wurde die Kirche erneuert, die Apsis am Chor entfernt und ein rechteckiger Chorraum errichtet. Dieser Chor ist noch heute als Taufkapelle und ältester Teil der Kirche  erhalten.

Im 14. Jahrhundert wurde die Kirche zur Wehrkirche umgebaut, mit einer umlaufenden Wehrmauer und einem Wehrturm, der bis heute noch erhalten ist. Durch schwere Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg (1939-1942) musste die alte Kirche im Jahr 1951 abgetragen werden. Die neue Laurentiuskirche, wie wir sie heute vorfinden, konnte bereits ein Jahr darauf durch Bischof Dr. Wendel eingeweiht werden.

Inneneinrichtung

Orgel: Sie entstand vor dem Jahr 1900. Der Orgelbauer ist unbekannt.

Glocken: Der älteste Glockennachweis stammt von 1560. Die Laurentiusglocke wurde im Jahr 1855 von Lindemann gegossen. Außerdem sind die Anna- und die Marienglocke aus dem Jahr 1952 erhalten (h-cis-es-Geläut).

Statuen: Die Laurentiusstatue neben dem linken Seitenaltar erstand um 1720. Die Pieta (Darstellung Marias mit dem vom Kreuz abgenommenen Jesus im Schoß) aus Lindenholz ist von einem flämischen Meister geschnitzt und wurde im Jahr 1920 erworben. Das Werk selbst ist jedoch älter.

Kreuzweg: Die 14 Relieftafeln aus bemaltem Terrakotta entstanden in München. Sie wurden im Jahre 1929 für die St. Annakapelle beschafft und befinden sich seit 1985 in der Pfarrkirche St. Laurentius.

Sonnenuhr: Eine mittelalterliche Sonnenuhr aus dem 14. Jahrhundert befindet sich am dritten Geschoss des Turmes. Von diesen gibt es nur noch vier weitere in der Pfalz.

Chorbild: Es wurde 1954 von dem aus Neustadt/W. stammenden und in München lebenden Kunstmaler Heiner Schumann in Caseintechnik ausgemalt. Das Chorbild zeigt Christus auf der Weltkugel, umgeben von sechs Engeln und den vier Kirchenpatronen St. Laurentius, St. Anna, St. Michael und St. Aegidius. Der Grundgedanke ist: „Christus ist das Haupt der Kirche, das Haupt auch unserer Pfarrei.“

Literaturverzeichnis

  • Eckardt/Kubach (1957/1974). Die Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz, Stadt und Landkreis Pirmasens o.O.
  • Wolfgang Schultz/Albert Nagel (2018). 950 Jahre Niederschlettenbach Niederschlettenbach.

Quellenangaben

Artikel-Historie

  • na am 13.11.2018 um 09:41:00Uhr
  • na am 12.11.2018 um 12:08:24Uhr
Koordinaten:

49° 5“ 12′ N, 7° 50“ 39′ O

Datierung:
1068

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