Ehemalige Posthalterei in Diemerstein

Das stattliche Posthaus am Eingang des Diemersteiner Tals wurde im Jahr 1763 von Siegesmund Friedrich Ritter errichtet. Sein Sohn übernahm 1787 die Posthalterei und wurde später der erste Bayrische Posthalter. Dessen Sohn, Karl Adolf Ritter, wurde 1829 Posthalter in Diemerstein, er war der letzte Posthalter in Frankenstein und Unterstützer des Hambacher Festes. Im Jahr 1980 wurde die Posthalterei unter Denkmalschutz gestellt, jedoch stürzte es 2010 ein und wurde 2012, ein Jahr vor seinem 250-jährigen Bestehen, abgerissen.

Geschichte

Im Jahr 1739 wurde in Frankenstein eine kaiserliche Posthalterei errichtet, in den Thurn- und Taxis`schen Postakten wird Frankenstein erstmals im Jahr 1741 urkundlich erwähnt. Ab dem Jahr 1742 wird die Station dann Diemerstein genannt. Der Poststall war zuerst im Besitz der Familie Seib, bis Siegesmund Friedrich Ritter im Jahr 1745 die Witwe Maria Elisabeth Seib heiratete und Reichsposthalter von Diemerstein wurde. Den Beruf hatte er von seinem Vater erlernt, Carl Philipp, welcher der erste Reichsposthalter der Familie war und in Göllheim und später in Bad Dürkheim eine Posthalterei besaß. Durch die Postrouten Mannheim-Homburg-Zweibrücken sowie Homburg-Oggersheim-Mainz gewann die Poststation in Diemerstein schnell an Bedeutung. Zudem entwickelte sich zu dieser Zeit ein Markt zwischen der Westpfalz und der heutigen Weinstraße, was der Diemersteiner Posthalterei zugute kam.

Im Jahr 1763 ließ Friedrich Ritter von dem Kaiserslauterer Baumeister Philipp Heinrich Schmeisser das Posthaus am Eingang des Diemersteiner Tals errichten. Die Diemersteiner Fahrpost unterstand dabei dem Oberpostamt in Frankfurt zu Taxiszeiten, die Reitpost gehörte allerdings zum Mannheimer Postamt. Insgesamt lag die Verwaltung aber in den Händen des Fürsten Thurn und Taxis.

Siegesmund Friedrich Ritter war jedoch nicht nur Reichsposthalter, sondern auch „kurpfälzischer Zollerheber“, Steuereinnehmer und Schultheiß von Frankenstein. Somit hatte er ein gutes Einkommen das stattliche Posthausgebäude in Diemerstein zu errichten. Zudem kaufte er im Jahr 1761 den Distrikt Klafterthal mit etwa 43 Hektar Land und betrieb Landwirtschaft auf dem neu erworbenen Gelände. Um das Jahr 1780 waren bis zu 50 Pferde im Poststall Ritter untergebracht, um diese zu ernähren wurden von der Familie alle Talwiesen zwischen Frankenstein und Hochspeyer aufgekauft. Als später die Ludwigsbahn gebaut wurde, brachte der Verkauf dieser Wiesen eine gute Summe Geld für die Familie ein.

Im Jahr 1787 verstarb Siegesmund Friedrich Ritter und sein Sohn Karl Adolph Ritter übernahm die Posthalterei und wurde später der erste Bayrische Posthalter in Frankenstein. Er blieb während der gesamten Zeit der französischen Besetzung Posthalter in Frankenstein. Sein erster Sohn, Daniel Ritter, ließ während der französischen Herrschaft ein weiterer Poststall in Sembach errichten. Seine Söhne, Friedrich Ritter und später Johann Theobald Ritter, wurden Posthalter in Kirchheimbolanden.

Nach der Niederlage der Franzosen fiel am 18. April 1816 durch den Staatsvertrag zwischen Österreich und Bayern die Pfalz an Bayern. Noch am gleichen Tag wurde dem Haus Thurn und Taxis mitgeteilt, dass das bayrische Königshaus beschlossen hat die Souveränitätsrechte über die Postämter und die Postexpedition in der Pfalz selbst auszuüben. Die Ritterschen Posteinrichtungen wurden von dem neuen Generalpostdirektionsrat in Besitz genommen, Frankenstein am 15. Mai, Sembach am 20. Mai und Kirchheimbolanden am 21. Mai. Die Ritters wurden jedoch als königlich bayrische Postexpediteure übernommen.

Der jüngste Sohn von Karl Adolph Ritter, Karl Adolf Ritter, übernahm im Jahr 1829 die Posthalterei in Frankenstein von seinem Vater. Er war gleichzeitig auch der letzte Posthalter in Frankenstein. Durch den Bau der Kaiserstraße nach Mainz wurde die Postroute zwischen Kaiserslautern und Bad Dürkheim unrentabel und mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie Kaiserslautern-Neustadt im Jahr 1848 ging die Postkutschenzeit in Frankenstein zu Ende. Der Poststall wurde dann am 01. Dezember 1849 aufgegeben. Karl Adolf Ritter verstarb schließlich am 13. August 1883 und sein Sohn Karl Sigismund Ritter betrieb anschließend in der alten Posthalterei eine Bierbrauerei. Der Bierkeller dazu wurde bereits im Jahr 1864 fertig gestellt, er diente im Krieg als Luftschutzraum und viele Jahre später als Restaurant „Ritterkeller“. Nach dem Tod von Karl Sigismund Ritter verkaufte seine Witwe die Brauerei an den Bierbrauer Thomas Schmitt. Dieser betrieb darin seine Bierbrauerei und im gegenüberliegenden Gebäude den „Gasthof Schmitt“.

Im Jahr 1980 wurde die Posthalterei mit seinen Nebengebäuden unter Denkmalschutz gestellt und wechselte danach mehrmals den Besitzer. Der Bierkeller wurde zu einem Restaurant „Ritterkeller“ umgebaut, jedoch konnte das Vorhaben, das Hauptgebäude in ein Hotel umzuwandeln, nicht realisiert werden. Das Haus stand deshalb mehrere Jahre leer und stürzte schließlich im Jahr 2010 ein. Im Jahr 2012, ein Jahr vor seinem 250-jährigen Bestehen (1763 bis 2013), wurde es deshalb abgerissen. Die Erhaltung der Posthalterei hätte zumutbaren Kosten gesprengt. Der historische „Ritterkeller“ und das ebenfalls auf dem Grundstück stehende Wohnhaus blieben jedoch erhalten und wurden versteigert.

Karl Adolf Ritter und das Hambacher Fest

Karl Adolf Ritter war nicht nur Posthalter, sondern auch Bürgermeister der Gemeinde und ab 1831 Mitglied des pfälzischen Landrates. Er galt als einer der führenden liberalen Politiker in der Pfalz. Zudem war Karl Adolf Ritter eng mit dem Eisenbahningenieur Paul Camille Denis (Villa Denis) befreundet, der auch Mitglied im Landrat war. Beide waren aktive und engagierte Mitglieder des „Deutschen Vaterlandsverein zu Unterstützung der Freien Presse“. Denis, als Ingenieur in Zweibrücken tätig, hatte engen Kontakt mit der demokratischen Opposition um Friedrich Schüler, Johann Georg Wirth, Josep Savoye und Ferdinand Geib. Der Verein hatte außerdem in dem vermögenden Paul Camille Denis einen Hauptinvestor.

Im Jahr 1832 nahmen beide am Hambacher Fest teil und nach dem Fest wurde die Zentrale des Pressevereins sogar von Zweibrücken nach Frankenstein verlegt. Im Keller der Posthalterei Ritter wurden dann sogar die sogenannten „Knöbelschen Protestation“ unterzeichnet, bei denen Ritter sowie Denis mitunterzeichneten. Im Jahr 1834 wurde Karl Ritter wegen Hochverrates gegen das bayrische Volk zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Zusammen mit Paul Denis verließ er daraufhin das Land und reiste nach Frankreich, England und in die Vereinigten Statten von Amerika. Nach seiner Heimkehr beteiligte er sich am Bau der Ludwigsbahn.

Objektbeschreibung

Am Eingang des Diemersteiner Tals sieht man heute nur noch den „Ritterkeller“. In diesem ehemaligen Bierkeller und Restaurant haben sich heute geschützte Fledermäuse angesiedelt. Über diesem historischen Gewölbe stand bis ins Jahr 2012 noch die spätbarocke Posthalterei. Diese wurde im Jahr 1763 von Siegmund Friedrich Ritter und dem Baumeister Schmeisser errichtete. Bei dem prächtigen Gebäude handelte es sich um einen spätbarocken Massivbau mit einen langgestreckten Rotsandsteinquader-Anbau aus dem 19. Jahrhundert. Zu Zeiten der Erbauung befanden sich im Erdgeschoss des doppelstöckigen Posthausgebäudes eine Gaststube, Küche und Wirtschaftsräume und im Obergeschoss lagen die Privatzimmer sowie Gästezimmer. Der Türsturz trug die Inschrift „Siegmund Friedr. Ritter und Maria Elisabeth Ritter – Anno 1763“. Auf Grund von akuter Einsturzgefahr und fehlender Mittel zur Sanierung wurde das denkmalgeschützte Gebäude jedoch aus der aus Denkmalliste gelöscht und im Januar 2012 abgebrochen. Der Ritterkeller und ein zusätzliches Wohnhaus auf dem Grundstück konnten erhalten werden.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Diemerstein ist ein Weiler im Pfälzerwald, der zur Ortsgemeinde Frankenstein im Landkreis Kaiserslautern gehört. Die Posthalterei lag am Eingang des Diemersteiner Tales, heute sind noch Reste des Ritterkellers zu sehen. Parkplätze stehen an der Straße zur Verfügung.

Literaturverzeichnis

  • Albrecht, Detlev (2016). Die Familie Ritter in ihrer Posthalterei in Frankenstein während der Revolutionsjahre des 19. Jahrhunderts und in der Stadt Kaiserslautern Kaiserslautern.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 26“ 24′ N, 7° 57“ 56′ O

Datierung:
1763-2012

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  • Familiengeeignet

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