Katholische Pfarrkirche St. Sebastian in Rockenhausen

Alternative Bezeichnungen: Pfarrei Heiliger Franz von Assisi

Mit dem Bau der katholischen Kirche St. Sebastian in Rockenhausen wurde während des Ersten Weltkrieges (1914-1918) im Jahr 1915 unter dem Architekten Rudolf von Pérignon begonnen. Zwei Jahre später wurde sie eingeweiht. Auffallend sind ihre zahlreichen unterschiedlichen Stilrichtungen, die sich eklektizistisch vermischen.

Geschichte

Die Pfarrkirche St. Sebastian in Rockenhausen entstand erst in den 1920er Jahren. Sie ist allerdings nicht das erste katholische Gotteshaus in der Stadt. Urkundlich bezeugt ist eine Kirche bereits im 13. Jahrhundert, eine Kirche mit dem Namen St. Martin. Sie befindet sich noch heute am Marktplatz in Rockenhausen und ist seit der Reformation (1517-1648) protestantisch. Die Katholiken nutzten ab 1560 ein Simultanrecht in der protestantischen Kirche. Dies führte allerdings zu Problemen, weshalb 1697 die katholische Pfarrei aufgelöst, dem Ort Imsweiler zugeschlagen und von der Nutzung der protestantischen Kirche ausgeschlossen wurde. Katholische Gottesdienste wurden von nun an im ehemaligen Rathaus abgehalten.

Dies war der Auslöser dafür, dass die katholischen Gläubigen in Rockenhausen ab 1743 notdürftig etwas außerhalb der Stadt auf dem Kapellenberg die Sebastianskapelle errichteten. Bereits 1752 bot allerdings der Kurfürst Karl Theodor von Pfalz-Sulzbach dem Kaplan einen Bauplatz in der Schlossgasse (heute Schlossstraße) an. Im Jahr 1761 war der Kirchenbau abgeschlossen und es gab in Rockenhausen wieder eine katholische Pfarrei. Aus Dankbarkeit für seine Unterstützung wurde der Fürst Namenspatron der Kirche. So kam die Kirche zu ihrem Namen Sankt Theodor. Die katholische St. Sebastianskapelle etwas außerhalb der Stadt wurde in der Französischen Revolution (1789-1799) Opfer von Flammen. Sie wurde nie wiedererrichtet, da die katholische Gemeinde ja nun im Ortskern Rockenhausens ihre eigene Kirche besaß.

In der Nacht am 19. Juni 1900 kam es allerdings zu einem großen Unglück. Wahrscheinlich aufgrund einer fehlerhaften Elektronik im Dachstuhl, brannte die St. Theodorskirche innerhalb von drei Stunden vollständig ab. Die katholische Gemeinde war erneut ohne eigene Kirche.

Zunächst wurden katholische Gottesdienste erst einmal in einem Saal des Gasthauses „Zum Pfälzer Hof“ abgehalten. Man stand vor der Frage, ob die abgebrannte Kirche vollständig wiedererrichtet oder lediglich eine Notkirche eingerichtet werden sollte. Für eine Wiedererrichtung sprach das neue Pfarrhaus, welches erst zwei Jahre zuvor in unmittelbarer Lage erbaut wurde. Die eher schlechte Lage direkt an der Straßenkreuzung, wo eine Vergrößerung der Kirche kein Platz bot, sprach allerdings gegen eine Wiedererrichtung. Man entschied sich also dafür, die abgebrannte Kirche lediglich als Notkirche umzubauen und Geld für eine neue Kirche in besserer Lage zu sammeln.

Bereits 1903 wurde ein Grundstück erworben und das damalige Pfarrhaus verkauft. Für den Neubau der Kirche wurde ein Wettbewerb ausgerufen. Neun Architekten sollten ihre Entwürfe einreichen. Pläne mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen sorgten für viel Streit zwischen den Kirchenvertretern und dem Pfarrer, sodass dieser im Jahr 1914 die Gemeinde verließ und der neue Pfarrer Heinrich Kaestle engagiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt war die Frage, welcher Entwurf nun angenommen werden sollte, immer noch ungeklärt. Der neue Pfarrer war großer Verfechter des Entwurfs von Pérignon und überzeugte in der Kirchenverwaltung eine Mehrheit. Das Bischöfliche Ordinat in Speyer war allerdings anderer Meinung und wollte den Plan von Wilhelm Schulte verwirklichen. Pfarrer Kaestle wandte sich demzufolge direkt an die Oberste Baubehörde in München und stieß auf Zustimmung. Der Architekt Pérignon war dort als renommierter Kirchenbauer bekannt. König Ludwig III. von Bayern segnete den Plan von Pérignon sehr schnell ab, woraufhin ein Jahr später (1915) mit dem Bau begonnen werden konnte. 1917 konnte die neue katholische Kirche eingeweiht werden. Als Hauptpatron wurde der Heilige Sebastian ernannt. Nebenpatron war der frühere Kirchenpatron der abgebrannten Kirche St. Theodor.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche lediglich am Dach beschädigt. Nach dem Krieg wurde die Kirche zwischen 1954 und 1955 einer Innenrenovierung unterzogen. Es wurden der Chor, das Hochschiff sowie der obere Aufsatz des Altars überstrichen. Erst bei einer Renovierung zwischen 2008 und 2009 erhielt die Kirche ihr ursprüngliches Aussehen zurück und die Übermalung wurde wieder entfernt.

Das Objekt „Katholische Pfarrkirche St. Sebastian Kreuznacher Straße 32“ in Rockenhausen ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Baubeschreibung

Die katholische Kirche St. Sebastian wurde vom Architekten Rudolf von Pérignon, der in der Region unter anderem die Wallfahrtskirche Maria Rosenberg plante, gestaltet. In Rockenhausen entwarf er eine imposante, dreischiffige Basilika, in welcher zahlreiche Stilrichtungen und Zeitepochen vereint sind (Altchristlich, Romanik, Barock, Jugendstil). Der Architekt hatte nicht die Absicht historische Stile schlichtweg starr und im negativen Sinne nur nachzuahmen, sondern verfolgte ein „befreites Verhältnis zum historischen Stil“. Zum Zeitpunkt der Erbauung, also während der Zeit des Jugendstils, verknüpfte Pérignon zeitgemäße mit historischen Stilrichtungen. Bereits das äußere Erscheinungsbild zeigt unverkennbar, dass sich der Sakralbau von anderen Kirchen der Region deutlich unterscheidet. Nichtsdestotrotz bewegte sich der Architekt stets im Rahmen des süddeutschen Heimatstils.

Außen

Ins Auge fällt die grobe Fassade aus gelblichen Sandsteinquadern. Beeindruckend ist der runde, massive Kirchturm, der von zwei halbrunden Nebengebäuden gefasst wird. Im linken Annex (niedriger Anbau an einem Hauptgebäude) befindet sich der Aufgang zur Empore und zur Orgel. Im rechten ist die Taufkapelle untergebracht, was von außen an der kleinen krönenden Laterne auf dem Dach erkennbar ist. Vor dem Turm ist eine überdachte und reich ornamentierte Eingangshalle angebaut, über welcher sich am Turm ein schmuckes Rundfenster befindet. Es ist durch zwei Rundstäbe mit unterschiedlichem Blattdekor gegliedert. Das Dach des Kirchturms ist zwar relativ flach, ist aber dennoch abgewalmt.

An den Kirchturm schließt sich das schlichte Langhaus mit zwei Seitenschiffen an. Diese besitzen kleine, rundbogige Fenster. Darüber sind in den sogenannten Obergaden, also an den oberen Wandflächen des Mittelschiffs, – kleine Okuli eingebaut. Diese kleinen Rundfenster sind ein typisch architektonisches Element des Barocks.

Innen

Im Kircheninneren wird erneut deutlich, dass der Architekt auf alte und verschiedenste Stilrichtungen zurückgriff. Die Pfeilerarkaden, die die Kirche in ein Mittel- und zwei Seitenschiffe einteilen, sind ein traditionelles Kirchenelement. Der Baumeister veränderte diese augenscheinlich, indem er sie mit Ornamenten und Flechtmustern verzierte und somit die Kirche in individueller Weise prägte.

Die Decke des Mittelschiffes ist eine dreiteilig kassettierte Holzdecke mit Bemalung. Gemalte Muster wie diese sind häufig in norditalienischen Kirchen zu finden.

Der Altarraum ist mit einer Apsiskalotte (gerundete, halbkuppelartige Wölbung einer Apsis) überdacht. Die reichen Stuckornamente an der Decke symbolisieren das Himmelszelt. Darunter befindet sich der Altar mit byzantinischem Aufbau. Die Orientierung an einer dorischen Ordnung der Säulen erinnert an antike Bauten.

Auf der anderen Seite der Kirche ragt der runde Kirchturm in das Langhaus hinein. In ihm sind die Empore auf zwei Säulen mit Orgel und Chorbühne eingebaut.

Ausstattung

Da der Architekt der Kirche, Rudolf von Pérignon, während der Errichtung der Kirche im Ersten Weltkrieg diente, entwarf fast vollständig sein Mitarbeiter Eduard Jungbeck aus Kaiserslautern die innere Ausstattung. Rechts neben dem Chorraum ist der Seitenaltar als Kriegergedächtnisstätte eingerichtet. Links befindet sich ein zweiter Seitenaltar, der dem heiligen Theodor geweiht ist. Er erinnert an den Vorgängerbau dieser Kirche und dessen Patron. Die Kanzel, auf der rechten Seite der Kirche bildet am Korpus den lehrenden Christus sowie den Johannes Baptist ab, die von Simon Höpfel in den Stein geschlagen wurden.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die katholische Pfarrkirche St. Sebastian liegt in der Stadt Rockenhausen in der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Sie ist nördlich des Altstadtkerns an der Kreuznacher Straße gelegen. Parkplätze sind direkt vor Ort vorhanden. Ebenso mit dem Zug ist der Sakralbau ideal erreichbar. Der Bahnhof befindet sich in nur wenigen Gehminuten zur Kirche entfernt.

Literaturverzeichnis

  • Donnersberg-Touristik-Verband e.V. (Hrsg.) (2015). Kirche, Burg- und Klosterruinen im Donnersbergkreis. Kirchheimbolanden.
  • Krienke, Dieter (1998). Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz – Donnersbergkreis. Band 15. Hrsg. Im Auftrag des Ministeriums für Kultur, Jugend, Familie und Frauen vom Landesamt für Denkmalpflege. Worms.
  • Jöckle, Clemens (1987). St. Sebastian Rockenhausen und St. Hildegard Katzenbach. Kunstführer Nr. 1659. 1. Aufl.. München.

Artikel-Historie

Lage:
Koordinaten:

49° 37“ 50′ N, 7° 49“ 20′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1917 bis heute

Kategorie:

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