Protestantische Kirche in Obermoschel

In den Jahren 1788/1789 wurde der Neubau der evangelischen Kirche auf dem Kirchplatz in Obermoschel fertiggestellt, nachdem die alte Kirche zu klein und zu baufällig wurde. Den Auftrag eine neue Kirche zu entwerfen erhielt, im Jahr 1778, der Baumeister Friedrich Gerhard Wahl. Die Kirche ist ein frühklassizistischer Saalbau und zählt zu den frühesten Bauwerken des Klassizismus in der Nordpfalz.

Geschichte

Im 16. Jahrhundert war die calvinistische Gemeinde die am stärksten vertretene Gemeinde in Obermoschel, gefolgt von den Katholiken und Lutheranern. Die Gemeinden hielten zu dieser Zeit ihren Gottesdienst in der katholischen Kirche im Dorf ab und im Jahr 1669 wurde die Kirche umfassend renoviert, es gab aber Forderungen zum Bau einer neuen Kirche. Nach einem Unfall, bei dem sich ein Stück Mauer während eines Gottesdienstes im Jahr 1702 löste, wurde die Forderung nach einer neuen Kirche noch bestärkt. Die Kirche wurde daraufhin nochmals renoviert, dabei stellte man aber fest, dass nur eine grundlegende Sanierung die mittelalterliche Kirche erhalten konnte. Außerdem wuchs die katholische Gemeinde im Ort immer weiter an und so war es notwendig ihnen ebenfalls Räumlichkeiten für den Gottesdienst zur Verfügung zu stellen. Deshalb wurde die Kirche ab dem Jahr 1770 von beiden Gemeinden im Ort genutzt, diese suchten aber beide nach einer Alternative für die baufällige Kirche. Im Jahr 1774 sollte die Kirche dann erneut renoviert werden, jedoch entschied sich die reformierte Gemeinde vor den Renovierungsarbeit für den Bau einer neuen Kirche.

Für den Bau dieser neuen Kirche wurde im Jahr 1778 der Baumeister Friedrich Gerhard Wahl (1748- 1826) engagiert, welcher einen Bericht über den schlechten baulichen Zustand der damaligen Kirche schrieb und einen Entwurf für die neue Kirche vorlegte. Nach diesem Entwurf sollte die Kirche 86 Schuh (28 Meter) lang und 49 Schuh (16 Meter) breit werden. Als Turm war ein hölzerner Dachreiter von 14 Schuh (4,50 Meter) im Quadrat vorgesehen. Doch erst im Jahr 1782, nachdem sich das Presbyterium erneut in einem Brief über den schlechten Zustand der Kirche an die Obrigkeit gewandt hatte, wurde aus Kostengründen ein neues Grundstück für die Kirche gesucht. Die Freifrau von Esebeck, die Mätresse des Herzogs Karl II. August (1773-1795), stiftete der calvinistischen Gemeinde den Garten ihres Anwesens, damit diese dort die neue Kirche errichten konnten. Sie selbst bekam einen neuen Garten auf dem Platz neben der Kirche.  Friedrich Gerhard Wahl musste danach seine Pläne, angepasst auf das neue Grundstück, umändern – er verringerte die Höhe des Kirchturms sowie die Breite des Kirchenschiffes.

Die Grundsteinlegung für die neue Kirche fand am 9. Mai 1786 statt, insgesamt dauerten die Bauarbeiten der neuen Kirche von 1786 bis 1789. Im Jahr 1786 wurde außerdem die alte mittelalterliche Kirche bereits abgerissen, da diese seit 1784 wegen Einsturzgefahr nicht mehr für Gottesdienste benutzt werden konnte. Die Maurerarbeiten der neuen Kirche wurden an Maurer von Meisenheim, Odenbach und Raumbach vergeben, die Arbeiten am Gebälk an Zimmerleute aus Meisenheim und Obermoschel.  Das Decken des Daches mit Schiefer wurde einem Dachdecker aus Meisenheim übertragen, die Schlosser- und Schmiedearbeiten an Handwerker aus Obermoschel. Außerdem wurden Steine der alten abgerissenen Kirche für den Neubau verwendet. Die neue Kirche wurde im Stil des Frühklassizismus erbaut und im Jahr 1788 bereits eingeweiht, obwohl die Arbeiten am Kirchturm noch nicht vollständig abgeschlossen waren.

Baubeschreibung

Die protestantische Kirche in Obermoschel ist ein frühklassizistischer Walmdachbau mit einem hohen dreigeschossigen, quadratischen Westturm, welcher an das Langschiff angebaut ist. Der Turm wurde im Jahr 1789 fertiggestellt und auf der Höhe des Dachfirstes ist bis heute die Jahreszahl 1789 zu lesen. Außerdem sind auf allen vier Seiten Zifferblätter der Turmuhr angebracht und der Turm hat aufwendige Sandsteinumrahmungen. Man betritt die Kirche außerdem durch den Kirchturm.

Die Kirche selbst ist ein circa 40 Meter langer, rechteckiger, verputzter Saalbau mit einer nach Süden ausgerichteten Schaufassade, welche von Rundbogenfenstern und ovalen Oberfenstern unterteilt wird. Der Innenraum hat eine flache Stuckdecke mit großer ringsum geführter Holzkehle und bietet 437 Sitzplätze.

Die Inneneinrichtung ist in Teilen noch aus der Bauzeit erhalten, so zum Beispiel die Westempore und das Gemeindegestühl im Stil des Spätbarocks. Die Ostempore hingegen wurde im Jahr 1881 entfernt und durch eine Kanzel und Altar an dieser Stelle, im östlichen Teil der Kirche, ersetzt. Die Orgel wurde im Jahr 1913 von der Firma Oberlinger erneuert und ist im östlichen Teil der Empore untergebracht. Von der im Jahr 1832 erschaffenen ursprünglichen Orgel von Christian Schmidt aus Kirchheimbolanden ist heute nur noch der Prospekt vorhanden. Die Fenster mit den ornamentalen Glasmalereien stammen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, in die Chorfenster wurde erst im Jahr 1900 das Buntglas mit Zisterzienserornamentik eingesetzt. Im Jahr 1875 wurde beschlossen, die Kirche in Obermoschel zu beheizen und dafür einen Ofen aufzustellen. Es kam jedoch erst 1877 zur Errichtung des Schornsteines. Im Jahr 1902 wurde der Außenanstrich der Kirche erneuert. Im Jahr 1917 mussten die beiden kleineren Glocken und Orgelprospektpfeifen für Kriegszwecke abgeliefert werden und im Jahr 1942 mussten weitere zwei Glocken abgegeben werden. Erst im Jahr 1951 erhielt die Kirche vier neue Glocken.

An der Kirche befindet sich weiterhin noch ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen beider Weltkriege aus dem Jahr 1958 von dem Architekten Otto Rumpf aus Obermoschel.

Die ortbildprägende Kirche erinnert außerdem stark an die im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) zerstörte protestantische Stadtkirche von Annweiler am Trifels, welche ebenfalls von Friedrich Gerhard Wahl errichtet wurde.

Die Kirche ist ein eingetragenes Kulturdenkmal in der Liste der Kulturdenkmäler der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Obermoschel liegt an der Bundesstraße 420, etwa 15 Kilometer südlich von Bad Kreuznach. Die protestantische Kirche in Obermoschel befindet sich in der Ortsmitte von Obermoschel auf dem Kirchplatz. Parkplätze sind an der Kirche vorhanden.

Literaturverzeichnis

  • Eugen Rapp (1988). Die ev. Kirche Obermoschel Obermoschel .
  • Dr. Franz Xaver Portenlänger tenl (1999). 65o Jahre Stadt Obermoschel/ Die protestantische Kirche in Obermoschel , S. 93 Obermoschel .
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe (2018). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Donnersbergkreis Mainz.
  • Stadt Obermoschel (o.J.). 650 Jahre Stadt Obermoschel 1349-1999. Beiträge zur Geschichte und Gegenwart. Obermoschel.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 43“ 40′ N, 7° 46“ 20′ O

Datierung:
1786-1789

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