Area One in Fischbach bei Dahn

Alternative Bezeichnungen: „Fischbach Army Depot“ (FAD), „Fischbacher Ordnance Depot“, Area 1

Die Area 1 ist ein ehemaliges Sonderwaffenlager der NATO aus der Zeit des Kalten Krieges, in dem wahrscheinlich auch Atomwaffen gelagert wurden. Seit 2012 ist es, neben dem ehemaligen Bundesbankbunker bei Cochem, eines der beiden unter Denkmalschutz stehenden Relikte des Kalten Krieges in Rheinland-Pfalz (Generaldirektion Kulturelles Erbe – Kreis Südwestpfalz, S. 17).

Zu aktiven Zeiten umfasste das Militärgelände fast 100 Bunker und unzählige Gebäude, darunter ein Kino, ein Offizierskasino, eine Bowlingbahn, eine Kirche, Reparaturhallen, Verwaltungsgebäude, Unterkünfte für die Soldaten und ein Feuerwehrstützpunkt. In Mitten des Geländes liegt der 17 Hektar große Hochsicherheitsbereich Area 1 zur Lagerung von Sonderwaffen. Heute hat sich die Natur das Gelände längst zurückerobert. Der ehemalige Löschteich ist heute beispielsweise mit Schilf bewachsen und bietet Fröschen und Goldfischen einen Lebensraum. Die Militärbrachen haben sich zu großen Heideflächen entwickelt und bieten Lebensraum für zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten.

Mit dem Begriff „Fischbach Ordnance Depot“ wird die Summe aller Bereiche des Depots verstanden. Dazu zählen der Verwaltungsbereich, der heute als Gewerbepark genutzt wird und der Lagerbereich. Vom Lagerbereich trennt sich die „South Area“ ab, die unterteilt werden kann in die Hochsicherheitsbereiche „Area 1“, „Area 2“ und „Area 3“.

Zahlen und Fakten

(zur Zeit US-amerikanischer Nutzung)

  • Gesamtfläche:  680 Hektarasphaltierte
  • Straßen:  44 Kilometer
  • Gebäude:  201 Stück
  • Lagerhäuser für Munition:   96 Stück
  • Zaunlänge:  31.780 Meter
  • Pfosten:  6.090 Stück
  • Stacheldraht:  146.430 Meter

Bau und militärische Nutzung

 Zur Zeit des Kalten Krieges zwischen dem Zweiten Weltkrieg und der deutschen Wiedervereinigung findet eine militärische Aufrüstung für einen hypothetischen Verteidigungsfall aufgrund der konträren Gesellschaftssysteme in Deutschland statt. Im Fischbach Ordnance Depot wurde von der Armee alles eingelagert, was auf einem potentiellen Schlachtfeld in Deutschland benötigt wurde, darunter vor allem Lebensmittel, nicht mehr benötigte Ausrüstung, Waffen und Munition. Außerdem wurden Führungseinrichtungen, Lazarette, Kasernen und Flugplätze gebaut.

Am 01.04.1955 wurde das Gelände des „Fischbach Ordnance Depots“ von den US-Amerikanern beschlagnahmt und die BRD enteignet. 1956 wurde mit dem Bau des „Fischbach Ordnance Depots“ begonnen und bis 1991 immer wieder umgebaut. Die ersten 13 Munitionslagerhäuser wurden schon Anfang der 1950er Jahre errichtet. 1957 existierten bereits 85 Bunker, die seit 1959 zum Teil als Sonderwaffenlager genutzt wurden. Belege hierfür liefern französische Luftbilder, auf denen die Abschottung durch eine doppelte Umzäunung und Wachtürme sichtbar ist. Ab dem Jahr 1962 wurde das Gelände durch die 193rd MP Company streng bewacht und 1968  zur militärischen Schutzzone erklärt.

Zwischen 1977 und 1980 wurde das gesamte Gelände im Zuge des „Long Range Security Program“ auf Grund terroristischer Anschläge auf US-amerikanische Einrichtungen durch die RAF (Rote Armee Fraktion) in Deutschland umgebaut. Es erfolgte eine Aufrüstung durch einen festungsähnlichen Ausbau mit massiver Umzäunung in dreifacher Ausführung, Linienperimeter-Sicherung mit Mikrowellen-Bewegungsmeldern, Zaunsicherung durch Koaxialkabel, welche Bewegungen und Geräusche detektieren und alle Bunker wurden mit modernen Sicherungssystemen ausgestattet. Außerdem wurde ein massives Wachgebäude inklusive Wachturm errichtet. Es wurde ein bewuchsfreier Innenbereich für ein freies Schussfeld geschaffen und auch nachts wurde das gesamte Gelände beleuchtet. Die Area 1 wurde mit 6 neuen, modernen Bunkern und einem neuen Sonderwaffen-Wartungsgebäude ausgestattet, was den Ausbau zu einem Hochsicherheitslagers verwirklichte und zur heutigen Area 1 machte. In den Jahren zwischen 1980 und 1991 lagerten in der Area 1 nukleare Artilleriegranaten, nukleare Pershing sowie LANCE-Sprengköpfe. In den Jahren zwischen 1983 und 1990 fanden deshalb immer wieder Demonstrationen und Sitzblockaden gegen „Giftgas“ vor dem Militärgelände statt.

In der North Area wurden konventionelle Artilleriemunition, Treibladungen, Munition für Kleinwaffen und während des 2. Golfkrieges auch Hellfire und Sidewinder-Raketen gelagert. Zwischen 1959 und 1977 diente auch Area 2 mit 13 Bunkern als Sonderwaffenlager. Die South Area war eine bewachte Zone bestehend aus 32 Bunkern, in der nach 1977 LANCE-Ersatzteile, LANCE-Raketenmotoren und Munition für Kleinwaffen eingelagert wurden. Sonderwaffen und Raketenmotoren wurden in Area 3 gewartet. Nach dem Umbau des Fischbach Ordnance Depots diente ausschließlich Area 1 zur Lagerung von Sonderwaffen und Area 2 lediglich noch als Übungsplatz. Die South Area wurde als Lagerraum für Ersatzteile und Raketenmotoren für die Kurzstreckenraketen LANCE genutzt, die bereits betriebsfertig gelagert wurden, das heißt mit dem hochgiftigen Treibstoff Hydrazin und rauchender Salpetersäure befüllt.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 und dem INF-Vertrag im Zuge der „Operation Silent Echo“ wurden alle Sonderwaffen per Hubschrauber zur Airbase Ramstein abtransportiert und von dort aus zurück in die USA.

Bis 1993/94 wurde das Depot von den US-Streitkräften komplett geleert und im Herbst an die BRD zurückgegeben. Danach waren die Gebäude nicht abgeschlossen und für jedermann frei zugänglich. Umfangreiche Bedienungs- und Wartungsanleitungen für die Sicherungsanlagen lagen frei aus. Ende des Jahres 1994 wurde die Schutzzone aufgehoben und 570 Hektar entfielen an die Gemarkung Fischbach, 110 Hektar an die Gemarkung Ludwigswinkel. Im folgenden Jahr wurden durch die Bundeswehr vier Stahltürme der Area 1 demontiert und Sicherungsanlage und Wartungsgebäude rückgebaut. 1997 wurden Sprengversuche zur Beseitigung von Munitionslagerhallen gestartet, die danach per Bagger abgerissen wurden. Im Zuge des Rückbaus des ehemaligen Sonderwaffenlagers wurde das gesamte Gelände mit 60.000 Bäumen wieder aufgeforstet.

Nachnutzung und Erhaltung

Zum Erhalt des Hochsicherheitslagers wurde 2009 der Verein IG Area One gegründet. Seit 2012 werden jährlich am „Tage des offenen Denkmals“ Events mit Führungen und Ausstellungen veranstaltet. 2014 wurde damit begonnen das ehemalige Wachgebäude der Area 1 verkehrssicher zu machen. Im Juli 2014 begann man den Aufbau eines beschilderten Rundweges, der im September 2015 am „Tag des offenen Denkmals“ eröffnet werden konnte. Gestaltet ist der 1,3 Kilometer lange Weg mit 13 Informationstafeln in drei verschiedenen Sprachen. Der Rundweg beginnt und endet am ehemaligen Wachgebäude mit Wachturm, an dem auch auf Anfrage Führungen starten. Auch der 11 Kilometer lange Premiumwanderweg „Rumbergsteig“ und der 12,5 Kilometer lange „Krieg und Frieden“ Radweg führen über das Gelände der Area 1.

Die Region Westpfalz war in der Vergangenheit deutlich geprägt durch die militärische Infrastruktur, die gewissermaßen ein Alleinstellungsmerkmal bildet. Ziel des Vereins ist aus dem Gelände der Area 1 eine moderne Burg zu kreieren, die sich in das Bild der bereits für den Tourismus zugänglichen Burgen einfügt. Um einen gefahrlosen Zugang zum Gelände zu schaffen, war die Entrümpelung des Wachgebäudes und des Turmes nötig. Zu den bereits erreichten Zielen des Vereins gehören:

Die Verhinderung des Abrisses der Area 1, um sie als Lern- und Erinnerungsorte für die Nachwelt zu erhalten. Mehrere hundert Gebäude der Area 1 sind bereits abgerissen worden, das ehemalige Hochsicherheitslager bestehend aus 19 Gebäuden konnte jedoch erhalten werden.

Die Erhaltung der Area 1, indem sie 2012 zur Denkmalschutzzone erhoben wurde. Aus diesem Grund muss die Nutzung sowie der Erhalt und die Pflege des Geländes gewährleistet werden, um diesen Status nicht wieder zu verlieren.

Die Förderung des Tourismus mit der Ausweisung des Geländes als „moderne Burg“. Der festungsartige Bau des Lagers mit seinen Wachtürmen weist Parallelen zu mittelalterlichen Burgen auf.

Der Umweltschutz, da sich schützenswerte Arten der Flora und Fauna in dem stillgelegten Militärgelände etablieren konnten.

Weitere zukünftige Projekte des Vereins könnten die Herrichtung des Wachgebäudes als Informations- und Dokumentationszentrum oder gar eines „Friedensmuseum“ sein sowie die Nutzung der Bunker als Hotel, zur erlebnispädagogischen Nutzung oder für Kunst-/Kulturprojekte.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Das ehemalige Militärgelände der Area 1 liegt mittig zwischen Ludwigswinkel und dem Gewerbepark Fischbach. Parkplätze befinden sich an der Biegung der K43, nahe Ludwigswinkel. Weitere Parkplätze sind etwa 500 Meter weiter auf dem Freizeitgelände „Birkenfeld“ zu finden.

Literaturverzeichnis

keine Literaturangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 3“ 58′ N, 7° 39“ 57′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1955 bis 1991

Schlagworte:

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  • Literaturverzeichnis

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