Zwangsarbeiterlager Biebermühle bei Pirmasens

Alternative Bezeichnungen: Dulag-Pirmasens

Das Areal um den Bahnhof Pirmasens-Nord war zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges ein riesiges Zwangsarbeiterlager. Das Durchgangslager-Pirmasens bestand aus rund 50 Baracken und bot Platz für 4060 Menschen. Das Lager wurde von der Deutschen Arbeitsfront betrieben und diente als Ankunfts- und Verteilungsort der osteuropäischen Fremdarbeiter. Die Arbeiter, teils zwangsrekrutiert, lebten unter schlechten Bedingungen und wurden phasenweisen durch Jagdbomber beim Bau der Bahnanlage bombardiert. Heute ist von dem ehemaligen Lager nichts mehr erhalten.

Geschichte

Der Bahnhof Pirmasens-Nord, oder auch Biebermühle genannt, war im 20. Jahrhundert ein wichtiger Knotenpunkt für Material im Krieg, aber auch für viele Menschen. Deshalb wurde an dieser Stelle auch das Durchgangslager-Pirmasens (Dulag) des Arbeitsamtes im Jahr 1942 eingerichtet, welches aus rund 50 Baracken sowie weiteren Hallen bestand. Laut Berichten lebten in dem Lager circa 4060 Menschen, damit war die Biebermühle das größte Lager in Rheinland-Pfalz. Das Zwangsarbeitslager in Ludwigshafen war nur halb so groß und in Kaiserslautern und Landau waren jeweils 3.000 Insassen untergebracht. Das Durchgangslager hatte die Aufgabe die ankommenden Arbeiter zu desinfizieren und zu untersuchen sowie sie anschließend ihrem Arbeitgeber in der Region zuzuweisen.

Das Lager bestand eigentlich aus drei Lagern, dem eigentlichen Dulag-Pirmasens als größtes Lager und zwei weiteren kleineren Lagern. In einem dieser Lager waren die Arbeiter für den Bau der Reichsbahn untergebracht und das andere Lager, ein Kriegsgefangenenlager, lag direkt am Bahnhof und beherbergte die Arbeiter für die Rheinischen Lederwerke. Die Lebensbedingungen in allen drei Lagern waren aber gleich schlecht. Am schlimmsten müssen es jedoch die Insassen des Dulags gehabt haben, die Insassen des Bahnlagers wurden dagegen vergleichsweise gut verpflegt. Sie durften selbst kochen, genau wie die Kriegsgefangenen, die zeitweise sogar einen eignen Koch hatten. Dagegen waren sie im direkten Beschuss der Jagdbomber, die den Ausbau der Bahnanlage unterbrechen wollten.

Das Durchgangslager wurde von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) für das Arbeitsamt betrieben und diente als Ankunfts- und Verteilungsort der osteuropäischen Fremdarbeiter. Diese wurden von dort aus über die ganze Pfalz und Elsass-Lothringen verteilt, Bauern und Betriebe konnten sich im Dulag Arbeitskräfte aussuchen. Das Dulag war mit einem doppelten Stacheldrahtzaun von drei Metern Höhe gesichert, hinter dem sich die Insassen zwar frei bewegen konnten, jedoch den Schikanen der Aufseher und Lagerführer ausgesetzt waren. Die Lagerführer waren alle linientreue NS-Männer, das heißt alte Parteigenossen der SA oder SS, welche nach einer Kurzausbildung durch die Deutsche Arbeitsfront (DAF) und Gestapo auf die russischen Arbeitskräfte losgelassen wurden.

Im Laufe der Kriegsjahre sind Menschen aus allen von deutschen Truppen besetzten Ländern im Dulag angekommen. Im Bahnarbeiterlager waren am Anfang vor allem Tschechen, Serben, Ungarn oder Kroaten, in den späteren Jahren vorwiegend polnische Jugendliche und auch italienische Kriegsgefangene. Im Volksmund hießen die Lager Ukrainerlager, weil die meisten Insassen aus der Ukraine stammten. Ab dem Jahr 1934 kamen dann vor allem Männer zwischen 30 und 50 Jahren aus dem Osten, meist Ukrainer, Polen, Belarussen, Russen oder Litauern. Diese „Ostarbeiter“ kamen meist durch Anwerber in das Lager. Sie berichteten, dass ihnen von den Deutschen guter Lohn, ausreichend Essen, bessere Kleidung und viel Freizeit in Aussicht gestellt worden war. Sogar ein eigenes Haus mit Garten wurde denen versprochen, die sich besonders bewährten. Die Russen hatten zuerst abgelehnt, nach einem Anschlag hatten sich jedoch viele „freiwillig“ für die Arbeit verpflichtet. Andere berichteten, dass sie mit Gewalt in den nächsten Zug verfrachtet worden seien, ohne ihren Angehörigen noch Bescheid sagen zu können. Oft wurden jedoch auch ganze Familien verschleppt und in Viehwaggons ins Lager transportiert. Die Gefangen mussten zudem so ausgehungert gewesen sein, dass die Leute aus den Dörfern den Arbeitern heimlich Essen zugesteckt haben. Offiziell stand jedem Arbeiter täglich 200 Gramm Brot und eine dünne Suppe zu, was aber nicht genau nachgewiesen werden konnte. In den Dörfern kam es deswegen auch zu Spekulationen, dass es zu Kannibalismus im Lager gekommen sei. Die Deutsche Arbeitsfront erhielt vom Arbeitsamt pro Tag und Arbeiter eine Reichsmark für die Verpflegung und für den Schlafplatz gab es 50 Pfennige pro Monat.

Zu dem Hunger der Arbeiter kamen dann noch die phasenweise fast permanenten Angriffe mit Jagdbombern, welche den Knotenpunkt der Bahn beschädigen wollten. Die Bahnarbeiter flüchteten dann in einen Bergbunker, jedoch trafen die Bomben nicht immer nur das Bahnlager. Am 02. Januar 1945 wurden etliche Bomben auf das Dulag abgeworfen, in dem gerade hunderte russischen Gefangenen auf ihren Weitertransport an den Rhein warteten. Von den Baracken des Dulags blieben nur wenige intakt, wie ein Luftbild der US-Luftwaffe dokumentiert. Im Jahr 1945 kam es zu weiteren Opfern, als ein im Tunnel geparkter Munitionszug in den Bahnhof zurückrollte und von den Bombern getroffen wurde. Die Munition explodierte und hinterließ einen 60 Meter großen Krater auf dem Gelände.

Nach dem Ende des Kriegs wollten weder die Insassen des Bahnarbeiterlagers noch die des Dulags in ihre Heimat zurückkehren. Nachdem die US-Amerikaner einmarschierten, verschwanden die Ostarbeiter jedoch und versteckten sich in den Wäldern rund um Johanniskreuz. Jedoch seien viele wenig später wieder zurückgekommen und hätten dann noch mehrere Tage in ihrem früheren Lager gelebt, bis sie in die Heimat abtransportiert wurden.

Heute ist auf dem Gelände der früheren Lager so gut wie nichts mehr zu finden was an die Vergangenheit erinnert. Jedoch arbeitet die Kreisverwaltung Südwestpfalz an einer Überplanung des gesamten Areals, dabei soll eine Dokumentation am Bahnhof angebracht werden, welche an das Lager erinnert.

Objektbeschreibung

Das Durchgangslager-Pirmasens (Dulag) befand sich im Weiler Biebermühle nördlich von Pirmasens. Das Lager bestand aus rund 50 Baracken sowie weitere Hallen. Einen Teil dieser Fläche nutzen heute die Pfalzwerken und Pfalzgas für ihren Standort Biebermühle. Dabei bestand das Lager eigentlich aus drei Lagern, dem eigentlichen Dulag-Pirmasens sowie einem Lager für die Arbeitern für die Reichsbahn sowie ein Kriegsgefangenenlager direkt am Bahnhof für die Rheinischen Lederwerke. Laut Berichten lebten in dem Lager circa 4060 Menschen hinter einem doppelten Stacheldrahtzaun von drei Metern Höhe.

Auf dem Areal ist heute jedoch so gut wie nichts mehr von dem Lager erhalten. Nur noch zwei betonierte Bodenplatten am Rand des Pfalzwerke-Geländes dürften noch aus der früheren Lagerzeit stammen und die Bombardierungen sowie Umbaumaßnahmen überdauert haben. Im angrenzenden Wald findet man noch Apparaturen, die für die Stromversorgung des Lagers gedient haben könnten. Auf dem Friedhof des nahe gelegenen Ortes Donsieders sind zudem heute noch einige wenige Gräber polnischer Lagerinsassen zu finden. Der eigentliche Friedhof des Lagers wurde nach dem Krieg nach Mainz-Mombach verlegt. Damals wurden dafür rund 502 Leichen für den Transport umgebettet.

Die Kreisverwaltung Südwestpfalz will jedoch das Gelände inklusive des Bahnhofes neu überplanen. Dabei soll auch eine Dokumentation im öffentlichen Bereich des noch umzugestaltenden Bahnhofs entstehen, die an die historische Entwicklung und an das Lager erinnert.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Biebermühle ist ein Weiler im Landkreis Südwestpfalz, der überwiegend zur Ortsgemeinde Donsieders gehört. Hier am heutigen Bahnhof Pirmasens-Nord befand sich das Durchgangslager-Pirmasens. Auf einem Teil des Areals sind heute die Pfalzwerke und Pfalzgas ansässig.

Literaturverzeichnis

  • Kadel-Magin, Klaus (2021). Das fast verschwundene Zwangsarbeiterlager Die Rheinpfalz.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 15“ 49′ N, 7° 36“ 30′ O

Epoche:

Unbekannt

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1942

Schlagworte:

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