Ehemalige Wohnsiedlung in der Fliegerstraße in Kaiserslautern

Alternative Bezeichnungen: PRE-Wohnpark

In der Fliegerstraße im Norden Kaiserslauterns wurde zwischen 1950 und 1951 eine Wohnsiedlung für französische Offiziersfamilien errichtet, die 1952 an die US-Armee übergeben wurde. Die Siedlung befand sich inmitten eines deutschen Wohngebiets und war nicht umzäunt. 1956 wurde die Fliegerstraße um Doppelhaus- und Einfamilienhäuser und eine Generalsvilla erweitert. Erst 2009 wurde das Gebiet der ehemaligen Fliegerstraße an den Bund zurückgegeben und 2011 mit dem Abriss der Gebäude durch einen Privatinvestor begonnen.

Entstehungsgeschichte der Siedlung

Im November 1950 begannen die Arbeiten an der Kanalisation für zehn zweistöckige Wohnblöcke, die in der Fliegerstraße, am nördlichen Rand des Ritterschen Parks, für französische Offiziersfamilien errichtet werden sollten. Das Terrain wurde gewählt, weil es sich bei dem Gelände um ehemaliges Wehrmachtseigentum handelte und daher kein Privateigentum requiriert werden musste. An der Fertigstellung der Gebäude waren 300 Maurer, 100 Zimmerleute, 2 Arbeitsgemeinschaften und 10 Bauunternehmer beteiligt. Das Richtfest konnte am 27. April 1951 gefeiert werden. Bezugsfertig waren die Drei-, Vier und Fünfzimmerwohnungen im Juli desselben Jahres.

Nachdem Frankreich und die USA am 2. März 1951 einen Truppenaustausch- und Stationierungsvertrag miteinander geschlossen hatten, ging die Wohnanlage an die US-Armee über. 1952 schloss sich die Errichtung sechs weiterer Wohnblocks in dem parallel zur Fliegerstraße verlaufenden Blutacker an. 1956 folgten Doppel- und Einfamilienhäuser im Blutacker und die Generalsvilla in der Fliegerstraße 35. Dort wohnte, durch Wachpersonal gut bewacht, der diensthöchste Soldat der US-Army, der Kommandierende General (Commanding General).

Die Besonderheit des US-amerikanischen Wohnbezirks in Fliegerstraße und Blutacker war, dass sie ohne Zaun inmitten eines deutschen Wohnbezirks lag. Genau das gestaltete sich dann auch als Problem, als die US-Amerikaner den Wohnbezirk im März 2003 wegen der Irakkrise mit Straßensperren zu sichern versuchten.

2007 waren nur noch acht der achtzig Wohnungen vermietet. Laut Pressesprecherin bestand an den Wohnungen aus den fünfziger Jahren kein Bedarf mehr, weshalb sie sie schließlich im Jahr 2009 an den Bund übergeben wurde. Ein privater Investor erwarb daraufhin das Gelände und ersetzte den Immobilienbestand vollständig durch Neubauten. Bei einer Begehung 2011 konnten als letzte Relikte des Kapitels US-amerikanischer Geschichte in Kaiserslautern lediglich einige Versatzstücke, wie ein Briefkasten, der untere Teil eines rosa Telefons aus der Generalsvilla und das Wachhäuschen gerettet werden.

Ralf Vester, seit den 1970er Jahren Bewohner des Gebiets um die Fliegerstraße, schilderte seine Erinnerungen im Jahr 2011 an die ehemalige Fliegerstraße und Blutacker in einem Brief an das Docu Center Ramstein. Ein Auszug hieraus beschreibt das damalige Zusammenleben von US-Amerikanern und Deutschen:

„…und ich kann sagen, dass wir die Amerikaner dort niemals auch nur annähernd als „bedrohlich“ oder suspekt betrachtet haben. Ganz im Gegenteil: Es herrschte stets reges Treiben und eine unheimlich freundliche Atmosphäre. Unvergessen die zahllosen Spontan-Barbecues der Amerikaner vor ihren Blocks und Häusern – nicht selten auch in der kalten Jahreszeit, obendrein in kurzer Hose und T-Shirt. Stets tummelten sich etliche deutsche und amerikanische Jugendliche auf dem Tennis- und Basketballplatz oder bevölkerten die dahinterliegende Freizeithalle. Sie waren schon was Besonderes, die Amerikaner. Das war stets ein Hauch von der großen, weiten Welt für uns Kinder und Jugendliche.“

Geländebeschreibung

Das Gelände der ehemaligen Fliegerstraße wurde 2011 durch Ralf Vester wie folgt beschrieben:

„…Machen wir uns nichts vor, architektonisch sind die Gebäude für den neutralen Betrachter weiß Gott keine Highlights und wirken recht klobig. Aber so war eben der Baustil der Fünfziger Jahre. Ich habe irgendwo mal gelesen, dass die Siedlung 1957 getreu dem amerikanischen Südwesten der Fünfziger Jahre errichtet wurde. Und speziell im Blutacker mit seinen zurückgesetzten Doppelhaushälften und Offiziershäusern mit viel Grün dazwischen fühlte man sich von der Optik her wie in US-Vorabendserien à la „Agentin mit Herz“ oder „Hart aber herzlich“ zurückversetzt. Es hatte eben was typisch Amerikanisches – und das mitten in Kaiserslautern.“

Im Jahr 2011 wurden die maroden Bestandgebäude durch die PRE-Projekt GmbH jedoch abgerissen und entsorgt. Auf dem etwa 50.000 Quadratmeter großem Areal der ehemaligen Wohnsiedlung wurde dann ein innovatives Konzept aus modernem Wohnen für viele Alters- und Bevölkerungsgruppen realisiert. Auch die Erschließung inklusive des Straßenbaues wurde von dem Investor neugestaltet und umgesetzt. Insgesamt dauerte diese innerstädtische Wohnkonversion vom Bebauungsplan bis zur kompletten Vermarktung der Grundstücke nur vier Jahre.

Vom historischen Gebäudebestand ist nach dem vollständigen Abriss durch die privaten Investoren nichts mehr sichtbar. Das ehemalige Wachhäuschen der Generalsvilla sowie einige Einrichtungsgegenstände sind im Docu Center Ramstein archiviert und ausgestellt.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Siedlung in der ehemaligen Fliegerstraße liegt im nördlichen Stadtteil von Kaiserslautern in Südhanglage und ist fußläufig in acht Minuten von der Innenstadt Kaiserslauterns erreichbar.

Literaturverzeichnis

keine Literaturangaben

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 27“ 5′ N, 7° 46“ 17′ O

Epoche:

Unbekannt

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1951 bis 2011

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