St. Anna-Kapelle in Niederschlettenbach

Die St. Anna-Kapelle bei Niederschlettenbach ist eine mittelalterliche Wallfahrtskapelle mit dem Grabmal des Ritters Hans von Droth (auch Troth oder Trotha genannt). Die heilige Anna ist die Patronin der Bergleute und Schiffer. Dies lässt vermuten, dass die Kapelle zum Lobe Gottes an dieser Stelle errichtet wurde, denn im Wasgau wurde bereits früh Bergbau betrieben. In unmittelbarer Umgebung befindet sich auch ein ehemaliger Eisenerzstollen.

Geschichte

Die Kapelle wurde etwa um 1400 als Marienkapelle („unserer lieben Frauen Kapelle“) erbaut. Als Erbauer wird der Abt von Weißenburg vermutet, in dessen Hoheitsgebiet (Mundat) Dorf und Kapelle lagen. Die Kapelle ist in spätgotischem Stil erbaut. Eine baugeschichtliche Besonderheit der Kapelle ist die Bauabfolge: ältester Bauteil ist das Langhaus, es folgt der Chor und danach die Sakristei, welche jedoch dicht aufeinander folgten. Im Langhaus befinden sich zwei und im Chor drei zweiteilige Spitzbogenfenster mit Schräggewände und Fischblasenmaßwerk. An der Außenwand des Chores befinden sich fünf Strebepfeiler, welche zweimal abgesetzt sind. Dem Mittelteil ist ein Dreikantteil vorgesetzt, wodurch der Pfeiler besonders betont wird. Der Grundriss des Chores besteht aus vier Seiten eines Sechseckes. Innen schmückte ein gebustes (bauchiges Gewölbe in Richtung Scheitelpunkt) und bemaltes Netzgewölbe den Chor. Durch einen Granateinschlag wurde es im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) zerstört und nicht wiederhergestellt. Es ist das einzige Netzgewölbe im Landkreis Südwestpfalz gewesen. Wie Kapellenrechnungen von 1457 bis 1463 zeigten, wurde das vorhandene Gotteshaus in dieser Zeit umgebaut. Damals kümmerte sich der Mönch Peter Unglich um die Kapelle und wohnte auch dort.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Kapelle von durchziehenden Soldaten des Mansfelder Heeres im Jahr 1622 verbrannt und zerstört. Lange Zeit lag sie in Ruinen, trotzdem wurden dort weiterhin Gottesdienste gefeiert. Das Patrozinium wurde geändert auf St. Anna.

In den Revolutionskriegen (1792-1815) fand vom 12. bis 14. September 1793 bei der Kapelle die Schlacht zwischen Österreichern und der französischen Rheinarmee statt. Zwei Inschriften an der Außenwand erinnern noch an dieses Ereignis.

In den 1850er Jahren renovierte Pfarrer Heiny den Chor. Zum Annafest im Jahr 1858 wurde die Kapelle durch den später selig gesprochenen Paul Josef Nardini eingeweiht. Eine vollständige Wiederherstellung der Kapelle erfolgte zwischen 1908 und 1910 durch Pfarrer Nikolaus Redelberger. Bei einem Luftangriff im Jahr 1945 wurde das Gotteshaus erneut zerstört, jedoch 1949 wiederhergerichtet.

Ausstattung

Altar: Die Altarplatte stammt aus der Erbauungszeit

Gnadenbild: Das heutige Gnadenbild stammt aus dem Jahre 1910, geschaffen von Bildhauer Anton Vogel aus Bergzabern, 1997 restauriert.

Kanzel: Die Kanzel besteht aus einem Sandsteinmonolith, außen aus fünf Seiten eines Achtecks, innen rund. Mittig ist ein kleines Lesepult eingearbeitet. Sie stammt nach Eckhardt/Kubach aus der Erbauungszeit. Demnach ist sie die zweitälteste erhaltene Kanzel der Pfalz.

Grabstein: Grabstein und Gruftplatte des Ritters Hans von Droth von der nahe gelegenen Burg Berwartstein, gestorben am 26.10.1503.

Glocke: Ältester Glockennachweis in der Kapellenrechnung 1458. Zu Weihnachten 1950 stiftete Frau Hamm aus Frankenthal ein Glöckchen, welches heute noch zum Gebet ruft. Die Glocke ist 34 Kilogramm schwer, hat 40 Zentimeter Durchmesser und hat den Ton a.

Anna-Gemälde: Das Bild zeigt Mutter Anna mit ihrer Tochter Maria. Das Ölgemälde auf Sackleinen erinnert etwas an die Ikonenmalerei. Künstler und Entstehungsjahr sind unbekannt. Wahrscheinlich Stiftung um 1900.

Turm: Der gotisch gehaltene Sandsteinturm entstand 1908 nach dem Vorbild des Türmchens der Klosterruine in Rosenthal am Donnersberg. So kommt es, dass es den Rosenthaler Turm gleich zweimal in der Pfalz gibt. Er ist 22 Meter hoch. Den Schlussstein bildet eine Kreuzblume.

Brunnen: Der Brunnen befindet sich auf der Nordseite am Berghang. In früheren Jahren war es Brauch, dass die Wallfahrer bei ihrem Besuch Wasser vom Annabrunnen mit nach Hause nahmen. Nach der Mythologie gehört zu jedem Annaheiligtum ein Quell oder ein Brunnen. Dem Wasser sprachen die Gläubigen heilende Wirkung gegen Augenleiden zu. Der Brunnen ist fünf Meter tief. Von dort führt seit 1861 eine Brunnenleitung an die Giebelseite, wo sie in einem Ausgussbecken mündet.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Sankt Anna Kapelle befindet sich etwa 500 Meter nordwestlich von Niederschlettenbach. Sie steht nördlich der Landstraße 478 von Niederschlettenbach in Richtung Bundenthal. Ebenfalls an der Landstraße in Richtung Bundenthal und nur wenige hundert Meter von der St. Anna Kapelle entfernt, befinden sich das Forsthaus Erzgrube sowie die Rittersteine „Ehem. Eisenerzgrube“ (Nr. 196) und „Glück Auf L.v.G. 1835“ (Nr. 22).

Literaturverzeichnis

  • Wolfgang Schultz/Albert Nagel (2018). 950 Jahre Niederschlettenbach. Niederschlettenbach.
  • Albert Nagel (2010). St. Anna-Kapelle Niederschlettenbach. Niederschlettenbach.
  • Nikolaus Redelberger (1926). Die St. Anna-Kapelle bei Niederschlettenbach im Wasgau. Niederschlettenbach.

Quellenangaben

Artikel-Historie

  • na am 10.12.2019 um 13:43:56Uhr
  • na am 21.10.2019 um 15:38:36Uhr
Koordinaten:

49° 5“ 13′ N, 7° 50“ 7′ O

Datierung:
Erbaut um das Jahr 1400

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