Katholische Pfarrkirche St. Ägidius in Kusel

Die im neugotischen Stile errichtete katholische Pfarrkirche St. Ägidius wurde zwischen 1887 und 1889 inmitten der Kuseler Innenstadt errichtet. Anlass für den Kirchenbau waren die Zerstörungen an der Bangertkirche, der katholischen Vorgängerkirche (1713-1887), während der Koalitionskriege (1792-1815) nach der Französischen Revolution (1789). Durch die steigenden Mitgliederzahlen der katholischen Gemeinde, entschied man sich gegen den Aufbau der ehemaligen Kirche auf dem Bangert und für einen Neubau auf dem Lehm.

Geschichte

Zur Zeit der Reformation (1517-1648) nahm Herzog Ludwig II. von Zweibrücken als einer der ersten deutschen Fürsten den reformierten Glauben an, wodurch ab 1530 ein Verbot des katholischen Glaubens einherging. Im 17. Jahrhundert wurde die Region während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688-1697) durch französische Truppen besetzt. Die Besetzung hatte zur Folge, dass das Verbot des katholischen Glaubens aufgelockert wurde und sich somit ab 1685 in Kusel wieder eine katholische Gemeinde bilden konnte. Da allerdings nur eine und keine drei Kirchen für die drei bestehenden Konfessionen (reformiert, lutherisch und katholisch) vorhanden waren, wurde ab 1700 das Simultaneum für die Remigiuskirche, die heutige evangelische Stadtkirche, am Marktplatz eingeführt. Dieses gestattete es allen Gläubigen, das Kirchengebäude zu nutzen. Streitigkeiten zwischen lutherischen und reformierten Gläubigen hatten zur Folge, dass die Lutheraner ab 1740 in einen städtischen Lagerraum auf dem Bangert an der südlichen Stadtmauer umzogen. Nur sechs Jahre später ließ Herzog Christian IV. dort eine lutherische Kirche errichten.

Die Koalitionskriege (1792-1815) nach der Französischen Revolution (1789) führte auch in Kusel zu großer Zerstörung. Am 26. Juli 1794 stand fast die gesamte Stadt in Flammen. Sowohl die Simultankirche im Herzen der Stadt als auch die lutherische Kirche auf dem Bangert wurden zerstört. Lediglich die Friedhofskapelle am Weibergraben überlebte, weshalb sie in den nächsten Jahren von allen drei Konfessionen genutzt wurde. Zwischen 1805 und 1806 bauten die Lutheraner und Reformierten gemeinsam die lutherische Kirchenruine auf dem Bangert wieder auf. Die Katholiken nutzten von nun an die Friedhofskapelle alleinig.

Im Jahr 1818 fand in Kaiserslautern die Pfälzische Kirchenunion statt, bei der sich die Lutheraner und Reformierten zu einer gemeinsamen Konfession vereinten. Infolgedessen wurde ab 1829 am Marktplatz in Kusel eine gemeinsame, evangelische Stadtkirche errichtet. Die Kirche am Bangert wurde im Zuge dessen an die katholische Gemeinde verkauft. Aufgrund der immer noch stark sichtbaren Zerstörungen aus den Zeiten der Französischen Revolution, begann die katholische Gemeinde nach dem Kauf mit einer umfassenden Restaurierung der Bangertkirche. 1836 konnte die Kirche unter dem Schutz der alten Stadtpatrone Ägidius und Urbanus geweiht werden. Die Bauarbeiten waren allerdings sehr kostenintensiv und dauerten noch viele Jahre an, wodurch die Kirche zur Einweihung nur notdürftig in Stand gesetzt worden war. Das bischöfliche Ordinat erhob aufgrund der hohen Kosten ab 1858 sogar eine Bausperre. Da indes die Mitgliedszahlen der Kirchengemeinde enorm anstiegen, kam der Gedanke auf, eine größere Kirche an einer anderen Stelle zu errichten, anstatt die Bangertkirche wieder komplett aufzubauen. Um diese finanzieren zu können, wurden über die nächsten 30 Jahre Spenden gesammelt. Im Jahr 1878 konnte ein erstes Baugrundstück und 1884 eine weitere benachbarte Fläche auf dem Lehn erworben werden. Im Jahr 1887 konnte mit dem Bau begonnen werden und bereits zwei Jahre darauf wurde der neue katholische Sakralbau St. Ägidius eingeweiht.

Das Objekt „Katholische Pfarrkirche St. Ägidius“ in Kusel ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Baubeschreibung

Die Katholische Pfarrkirche St. Ägidius wurde zwischen 1887 und 1889 im neugotischen Stile errichtet. Architekt war der aus Kaiserslautern stammende Franz Schöberl, der eine dreischiffige Hallenkirche erbauen ließ.

Der Sakralbau orientierte sich in seiner Ausrichtung nicht am Straßenverlauf, sondern an der bereits bestehenden, nur wenige hundert Meter entfernten evangelischen Stadtkirche. St. Ägidius nimmt deren Ost-West-Ausrichtung auf, wodurch zwischen der katholischen Kirche und der Lehnstraße ein dreieckiger Kirchenhof entsteht. Direkt am östlichen Ende der Kirche befindet sich das an die Straße grenzende Pfarrhaus, welches zur gleichen Zeit wie die Kirche errichtet wurde. Im Süden steht ein separates Gebäude, welches als Sakristei dient.

Die dreischiffige Hallenkirche besteht aus einem sechsjochigen Langhaus (sechs Gewölbeabschnitte), den durch Rundpfeilern abgegrenzten zwei Seitenschiffen, einem polygonalen Chor und einem nördlich am Chor angegliederten Glockenturm. Nach oben wird die Kirche durch vierteilige Kreuzrippengewölbe abgeschlossen. Die hölzernen Bankreihen sowie die bunten Mettlacher Fließen als Fußboden sind Elemente der originalen Ausstattung.

Von außen ist das Langhaus durch zwei umlaufende Kaffgesimse in horizontaler Richtung gegliedert. An das obere Kaffgesims sind die für den gotischen Baustil typischen Maßwerkfenster angeschlossen. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) gab es auf Kusel Bombenangriffe, die die Fenster der Kirche und des Pfarrhauses zerstörten. Sie wurden 1946 durch Fenster mit Einfachverglasung ersetzt. Durch Spenden konnten 1957 im Zuge einer großen Kirchenrenovierung die heutigen Fenster eingebaut werden.

Die Portalanlage an der Westseite der Kirche ist von zwei kleineren Türmen mit Schiefer gedeckten Spitzhelmen sowie einem großen Maßwerkfenster umrahmt. Da sich in den eigentlich vorgesehenen Figurennischen neben dem Portal keine Figuren befinden, wird der Eindruck erweckt, als sei das eintürige Eingangsportal dreigliedrig. Als Hauptzugang zur Kirche dient das an der nördlichen Längsseite der Kirche befindliche Portal. Diesem gegenüber befindet sich das südliche Pendant.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die katholische Pfarrkirche St. Ägidius befindet sich inmitten der Kuseler Innenstadt. Kusel ist über die Autobahn 62 und die Bundesstraße 420 erreichbar. Ebenso mit dem Zug ist Kusel gut erreichbar. Der Bahnhof befindet sich in circa 800 Metern Entfernung.

Literaturverzeichnis

  • Schüler-Beigang, Christian (1999). Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Kreis Kusel. Hrsg. im Auftrag des Ministerium für Kultur, Jugend, Familie und Frauen vom Landesamt für Denkmalpflege. band 16. Wienerische Verlagsgesellschaft Worms.
  • Stirnemann, Johannes; Hemmerling, Alois; Dick, Rainer; Gorgon, Kornelia; Lißmann, Otto; Straßer, Alois (1989). St. Ägidius – Kusel. Hrsg. von der Katholischen Kirchengemeinde St. Ägidius. Kusel.
  • Pfarrei Sankt Ägidius (1989). 1831-1981. 150 Jahre evangelische Stadtkirche Kusel. Festschrift zum Kirchenjubiläum am Sonntag, 23. August 1981. Kusel.

Quellenangaben

    Artikel-Historie

    Lage:
    Koordinaten:

    49° 32“ 12′ N, 7° 24“ 9′ O

    Datierung:
    1887

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