Simultankirche St. Valentin in Oberndorf

Alternative Bezeichnungen: Alte Wehrkirche Oberndorf

Die Kirche St. Valentin in Oberndorf wurde erstmals im Jahr 1128 erwähnt und diente im Mittelalter einst als Wehrkirche. Während der Reformation kam es zu häufigen Nutzungswechseln zwischen Katholiken und Protestanten. Seit 1683 wird die Kirche simultan, das heißt von den Gemeinden beider Glaubensrichtungen, verwendet. Im Inneren der Kirche fallen dem Besucher die Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert ins Auge.

Geschichte

Die Oberndorfer Simultankirche „Sankt Valentin“ wurde im Jahr 1128 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Disibodenberg zum ersten Mal erwähnt. Vermutlich ist die Kirche aber älter.

Im 13. Jahrhundert entstand der mächtige Turm, mit seinen Licht- und Schießscharten, welcher der alten Wehrkirche noch heute ihr markantes und burgenartiges Aussehen gibt. Außerdem sind aus diesem Jahrhundert noch Teile der Chorbogenwand erhalten. Sowohl Turm als auch Chorbogenwand wurden in das heutige Gebäude integriert.

Im 15. Jahrhundert wurde der Großteil des spätgotischen, einschiffigen Baus errichtet. Erkennbar ist dies an den Strebepfeilern im Chor, auf welchen das Jahr 1474 geschrieben steht. Durch die Burgherren von Randeck, die als Lehnsnehmer über das Dorf verfügten, wurde der breit gewölbte Chor umgebaut und die Sakristei angebaut. Das Langhaus wurde vermutlich um das Jahr 1500 errichtet.

Im 15. und 16. Jahrhundert diente die Kirche als Grablege für die Ritter von Randeck. Aus dieser Zeit sind auch noch vier Grabsteine in der Kirche erhalten.

Als im 16. Jahrhundert der lutherische Glauben verbreitet wurde, wurde die einst katholische Kirche St. Valentin im Jahr 1555 zum protestantischen Gotteshaus. Wenige Jahre später verbreiteten sich die calvinistischen Ansichten, sodass ab 1588 auch in Oberndorf diese Glaubensrichtung eingeführt wurde. In den 1620er Jahren war die Kirche St. Valentin für sieben Jahre ein katholisches Gotteshaus bevor ab 1627 sich der Calvinismus wieder durchsetzen konnte.

Im Jahr 1683 wurde durch Dekret des französischen Königs in der Kirche das Simultaneum verfügt. Das Simultaneum ist das Schaffen eines Rechtes auf gemeinschaftlichen Gebrauch desselben Kulturgebäudes durch zwei christliche Konfessionen. In Oberndorf durften von nun an sowohl Katholiken als auch Protestanten das Kirchengebäude nutzen.

Bis heute hat sich diese Regelung erhalten, doch blieben in den folgenden Jahrhunderten nach Einführung des Simultaneums Streitigkeiten und Anfeindungen zwischen Katholiken und Protestanten nicht aus. Es kam zu Demütigungen, Anfeindungen und Schlägereien. 1914 einigte man sich auf eine neue Vereinbarung, welche das Simultanverhältnis der Kirche auflösen sollte. Das Kirchengebäude sollte zukünftig nur den Protestanten zustehen. Die Protestanten sollten die katholische Kirchengemeinde auszahlen, wovon diese sich ein eigenes Kirchengebäude finanzieren sollten.

Aus diesem Plan, ein katholisches Kirchengebäude zu errichten, wurde allerdings nichts. Der Erste Weltkrieg (1914-1918), die Inflation in den 1920er Jahren und die politischen Verhältnisse hatten hieran Schuld, sodass das Simultaneum bis heute besteht. Im Chor finden die katholischen, im Langhaus die protestantischen Gottesdienste statt.

Baubeschreibung

Die ältesten Bauteile der Kirche sind der Turm sowie Teile der Chorbogenwand. Sie stammen aus dem 13. Jahrhundert und weisen romanische Stilelemente auf. Der Kirchturm rechts neben dem Eingang diente ebenfalls als Wehrturm, was an den Schießscharten erkennbar ist und der Kirche ihr burgenartiges Aussehen verleiht.

Die anderen Teile an der Kirche, wie der Chor und das Langhaus wurden erst im 14. Jahrhundert bzw. um 1500 erbaut. Sie verfügen über typische gotische Merkmale. Diese sind zum Beispiel die Maßwerksfenster und das Kreuzrippengewölbe im Chor. Das Langhaus besitzt eine Flachdecke.

Den Randeckern diente die Kirche nach der Haner Klosterkirche als zweite Grabeskirche. Vier Grabmäler befinden sich in der Kirche:

  • vom Junker Grogin von Randeck,
  • vom ritterlichen Ehepaar Schonetta von Löwenstein und Rupprecht von Randeck
  • von Johann Wolfgang von Löwenstein zu Randeck und seiner Frau Anna
  • von Anna Amalia von Löwenstein zu Randeck

Als kostbarer Schatz gilt das hölzerne Totenschild des letzten 1521 verstorbenen Randeckers Emmerich. Vortragekreuz und Totenschild bildeten bei Beerdigungen männlicher Adliger damals die Spitze des Leichenzuges. Die rote Querbinde und die rot stilisierten Lilien sind angeleimt. Die gotische Minuskeln besagen folgendes:  „Anno Domini 1521 auf Mittwoch nach dem Pfingsttag ist verschieden der edele Herr Emmerich von Randeck, der jüngste des Geschlechts, dem Gott gnändig seye“. Mit ihm waren die Randecker ausgestorben.

Der Taufstein stammt von um 1600. Die barocke Südempore ist aus dem Jahr 1728. Die Madonnenstatue mit Kind wurde 1748 erbaut. Diese wurde von den letzten Herren von Randeck gestiftet.

Wandmalereien

Eine Attraktion sind zudem die Wandmalereien im Innern der Kirche. Sie entstammen aus dem Jahr 1474. In der Reformationszeit wurden die Gemälde mit Kalk überzogen. Im Jahr 1958 wurden sie bei einer Renovierung wieder freigelegt.

Wer das Kirchenschiff betritt, wird sofort von der Darstellung des Jüngsten Gerichts über dem Chorbogen gefangen. Die Gemälde nehmen die ganze Wand ein. Sie zeigen in der Mitte des Gemäldes Christus, der auf einem Regenbogen thront. Er ist als Weltenrichter dargestellt und zeigt seine Wundmale. Über dem Herrn blasen zwei Engel zum Jüngsten Gericht. Zu Seiten Christi knien links Maria und rechts Johannes, der Täufer, während ihrer Fürbitte.

Links von Maria wird das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen dargestellt. Der gotische Chorbogen wird von ornamentaler Rankenmalerei umgeben. Feineres Rankenwerk umfasst vier Heilige.

An der Südwand des Langhauses, vom Eingang kommend links, sind außerdem mehrere Heiligenfiguren dargestellt. Sie zeigen unter anderem einen unbekannten Bischof mit dem heiligen Eustachius und Hirsch. Die Bilddarstellungen setzen sich an der Nordwand des Langhauses fort.

Im Chorgewölbe sind ebenfalls zahlreiche Gemälde zu finden. Es wird die kniende Maria aus der Verkündundigungsszene dargestellt. Außerdem sind Propheten, Engel und Evangelistensymbole zu sehen. Zwei Schlusssteine zeigen das Wappen der Randecker.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Simultankirche St. Valentin liegt in der Ortsgemeinde Oberndorf im Donnersbergkreis. Oberndorf gehört der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel an und liegt an der B 48 nordöstlich von Kaiserslautern. Parkplätze sind vor Ort vorhanden.

(Arno Mohr und Raphaela Maertens, ZukunftsRegion Westpfalz e.V., 2019)

Literaturverzeichnis

  • Presbyterium/K.L. Bernhard (1991). Obeerndorf un seine Kirche Oberndorf .
  • Dagmar Gilcher (2015). Außen Burg, innen Schatzkästlein, Ludwigshafen/Rhein.
  • Heinz Henke (2009). Wohngemeinschaften unter deutschen Kirchendächern Leipzig.
  • Arno Mohr (2015). Seit Jahrhunderten Ökumene praktiziert. Alsenz-Obermoschel.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 42“ 35′ N, 7° 48“ 37′ O

Datierung:
ab 1128

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