Geschichte
Der Bau der protestantischen Kirche in Rüssingen zum heiligen Martin fand gegen Ende des 11. Jahrhunderts statt. Das Kirchenhaus war bis zum Jahr 1521 Eigentum der katholischen Kirchengemeinde. Nach diesem Zeitpunkt wurde sie im Zuge der Reformation zu einer lutherischen Kirche und ab 1818 protestantisch. Dennoch wurde das Gebäude bis 1973 als Simultankirche genutzt, bis die katholische Kirchengemeinde den Neubau ihres eigenen katholischen Gotteshauses realisierte.
Objektbeschreibung
Bei der Kirche in Rüssingen handelt es sich um eine nach Osten ausgerichtete im wesentlich spätromanische Saalkirche des Wormser Kunstkreises. Der Turm der Kirche befindet sich auf westlicher Seite. Im frühen 18. Jahrhundert fand ein Umbau der Kirche statt, der dazu geführt hat, dass der eingezogene Chor dreiseitig geschlossen ist.
Bei einem weiteren Umbau 1972/73 wurde der dreieinhalbgeschossige Turm nach Sicherheitsarbeiten im Erdgeschoss modern verkleidet. Darüber findet sich eine zweischichtige Wandgliederung mit Rundbogenfriesen und Lisenen, über welchen gekuppelte Klangarkaden angebracht sind. Das abschließende Geschoss des Turms sowie der hohe Turmhelm stammen aus der Zeit des Barock. Einer der Holzbalken des Glockenraums ist auf 1757 datiert. Das Turmerdgeschoss ist kreuzgewölbt.
Das Langhaus betritt man über ein abgestuftes, rundbogiges Durchgangsportal mit Profilkämpfern. Das Langhaus ist eher kurz und, wie der Chor, flachgedeckt unter einem Satteldach, wobei der Dachstuhl von 1770 stammt. Beleuchtet wird das Gebäude über große Rundbogenfenster des 18. Jahrhunderts, die im Schlussstein mit SXA bezeichnet sind, was für St. Andreasstift steht. Auf südlicher Seite befindet sich ein weiteres romanisches Portal mit geradem, von einem groben Flachrelief überzogenem Türsturz. Hierbei handelt es sich um eine Kopie, da das Original 1973 in das historische Museum der Pfalz in Speyer gebracht wurde. Auf dem Relief zu sehen ist ein Kreuz und Tauben zwischen einem Löwen und Drachen. Über diesem Relief befindet sich ein rechteckig gerahmter Entlastungsbogen, an dessen Scheitelstein ein Widderkopf hängt.
Eine Besonderheit stellt die Sonnenuhr aus dem Jahr 1700 dar, die auf der Langhaussüdseite angebracht ist.
Der Chorbogen des Gebäudes ist rund und hat ein reiches Kämpfer- bzw. Sockelprofil. Die tonnengewölbte Sakristei wird akzentuiert durch drei wuchtige Strebepfeiler, die im Kern vermutlich aus dem Mittelalter stammen, da sie in der Konstruktion eine außergewöhnliche Mauerstärke aufweisen. Die originale barocke Innenausstattung wurde teilweise entfernt, erneuert oder in der Anordnung verändert. Noch im Originalzustand ist die Kanzel mit polygonalem Korb und reich bekröntem Schalldeckel. Außerdem noch unverändert ist die in den Chor eingebaute Orgelempore. Im Chor ist außerdem noch ein echtes Epitaph für einen lutherischen Lehrer zu Rüssingen vorzufinden.
Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Die Kirche des heiligen Martin in Rüssingen befindet sich auf einer Erhebung über der Hauptstraße im Zentrum der Gemeinde. Nördlich schließt sich der Friedhof an, in dessen Nordwestecke fünf spätbarocke Grabmäler mit ausführlichen Inschriften aus rotem Sandstein stehen. Außerdem auf dem Grundstück vorhanden ist ein Kriegerdenkmal des Kriegervereines und der Gemeinde Rüssingen, das den Veteranen von 1866 und 1877 gewidmet ist. Das Denkmal besteht aus Sandstein und es ist ein gedrungener Obelisk über Postament, wo ein Relief mit Trophäen angebracht ist.


