Alter Friedhof in Pirmasens

Der Alte Friedhof ist ein sechs Hektar großer aufgelassener Friedhof in Pirmasens aus dem Jahr 1763, der 1973 zu einer Parkanlage umgestaltet wurde. In der Denkmalzone Alter Friedhof sind heute noch einige bedeutende Grab – und Denkmäler und Teile der jüdischen Abteilung erhalten. Außerdem findet man noch alten Baumbestand sowie die ehemalige Einsegnungshalle, heute eine Veranstaltungsstätte und unter dem Namen Carolinensaal bekannt, auf dem Alten Friedhof. Ein moderner Skulpturenpark bildet seit 1998 einen Kontrast zu den alten Grabmälern.

Geschichte 

Bevor der Alte Friedhof angelegt wurde existierten in Pirmasens im 18. Jahrhundert mehrere Friedhöfe für die verschiedenen Konfessionen, diese lagen damals noch innerhalb der ersten Stadteinfriedung. Aus hygienischen Gründen verbannte man im 18. Jahrhundert in den meisten Städten, auch in Pirmasens, die Friedhöfe vor die Stadttore. Der Alte Friedhof in Pirmasens wurde wahrscheinlich im Jahr 1763 (in diesem Jahr entstand auch die Stadtmauer) außerhalb der Stadtmauern angelegt und diente von 1863 bis 1927 als Stadtfriedhof von Pirmasens. Somit ist der Landgraf Ludwig IX. (1719-1790) auch der Gründer des Alten Friedhofes. Damals verfügt man, dass dieser neue Friedhof allen drei christlichen Konfessionen dienen sollte.

Im 19. Jahrhundert wurde er mehrfach erweitert, die erste Erweiterung erfolgte im Jahr 1858 und im Jahr 1871 folgte eine Vergrößerung des Friedhofes nach Norden. Im Jahr 1876 wurde eine israelitische Abteilung parallel zur Ottostraße eingeweiht, als Ersatz für den israelitischen Friedhof an der heutigen Zeppelinstraße. Unter den Nationalsozialisten wurde dieser jüdische Teil komplett verwüstet und an der Stelle ein Löschwasserteich für das benachbarte Feuerwehrhaus der Feuerwehr Pirmasens angelegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) konnten nur noch 17 jüdische Gräber wiederaufgestellt werden.

Ende der 1880er Jahre wollte die Stadt Pirmasens außerdem noch landwirtschaftliche Flächen im Osten des Alten Friedhofes, zur Erweiterung, erwerben. Der städtische Friedhof konnte so im Laufe der Jahre um etwa das dreifache seiner ursprünglichen Fläche erweitert werden. Trotz dieser Erweiterungen ging der Platz auf dem städtischen Friedhof zur Neige, weshalb die Stadt beschloss, einen neuen Friedhof anzulegen. Der neue Waldfriedhof wurde im Jahr 1924 eingeweiht.

Im Jahr 1927 erfolgte die Auflassung des alten Begräbnisplatzes. Zwischen 1929 und 1953 waren dann, aufgrund des begrenzten Platzes und des neuen Waldfriedhofs, nur Bestattungen in Familiengräbern möglich. Danach wurde der Friedhof einige Jahre sich selbst überlassen, bis die Stadt Pirmasens 1973 mit der der Umwandlung des Friedhofes in einen Stadtpark begann, was bis ins Jahr 1976 dauerte. Dabei blieben die handwerklich und stadtgeschichtlich bedeutsamen Grabmäler, etwa 180 von 3000, und das Germaniadenkmal erhalten. Auch der ursprüngliche alte Baumbestand, der das Wegenetz des Parks vorgibt, blieb in seiner Ursprungsform bestehen. Außerdem wurde der Rhododendrongarten erweitert und die Pflanzflächen erneuert und erweitert sowie schattenerträgliche Stauden angepflanzt, um einen ganzjährig nutzbaren und attraktiven Park zu schaffen, mit einem besonderen Charakter durch die noch vorhandenen Grabsteine. Seit dem Sommer 1998 fügen sich zwölf Skulpturen aus Sandstein, die beim Internationalen Bildhauersymposion entstanden, in die Anlage ein. Sie gehören zum ”Skulpturenweg Rheinland-Pfalz”.

Carolinensaal

Der im spätklassizistischen Stil gehaltene eingeschossige Carolinensaal liegt im Zentrum des Alten Friedhofes und ist wahrscheinlich zwischen 1875 und 1880 erbaut worden. Er diente bis 1927 als Leichenhalle und trägt aus diesem Grund ein Kreuz auf dem Vorbau. Die Einsegnungshalle mit Portikus trägt heute den Namen Carolinensaal, benannt nach der Gemahlin Ludwigs IX., Caroline von Hessen-Darmstadt. Zur Erinnerung „begrüßt“ heute eine Stele der Landgräfin, in der davorliegenden Grünanlage, die Besucher des Carolinensaals. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Halle als Wärmestube und öffentliche Bedürfnisanstalt und war zeitweise für den Abriss vorgesehen. Heute ist das Baudenkmal, nach umfassenden Renovierungen, die den Erhalt des Gebäudes sicherten, ein Veranstaltungssaal für circa 100 Personen. Vor allem kleinere Kulturveranstaltungen, Vorträge, Konzerte sowie Ausstellungen finden heute im Carolinensaal statt.

Skulpturenpark

Der Skulpturenpark auf dem Alten Friedhof wurde 1998 angelegt im Rahmen des internationalen Bildhauersymposiums. Dieses wurde durch das Land Rheinland-Pfalz gefördert und führte zur Gestaltung von neun modernen Sandsteinplastiken. Der Skulpturenpark ist Teilstück des Skulpturenwegs Rheinland-Pfalz. Die Werke mit zugehörigem Künstler sind:

  • Bertrand Ney: Landschaftstisch
  • Villi Bossi: Fluss der Tränen
  • Jian-Yong Zhang: Schweigen/Stein
  • Detlef Kraft: Musikanten
  • Ingbert Brunk: Ich höre, ich rufe
  • Kubach & Kropp: Einer für den andern
  • Georg Ahrens: Kämpferischer Engel
  • Karl-Heinz Deutsch: Große Kopfform
  • Ljubo de Karina: Durchbruch

Baubeschreibung

Der Alte Friedhof ist heute etwa sechs Hektar groß und eine Denkmalzone. Der ältere, südwestliche Teil des Friedhofes ist durch vier unterschiedlich große Grabfelder sowie zwei sich kreuzende Wege gegliedert mit einer annähernden trapezförmigen Grundform. Hier stehen auch die meisten erhaltenen historischen Grabstätten.

Im Zuge der Friedhofsvergrößerungen im 19. Jahrhundert wurde, anstelle der ursprünglichen östlichen Einfriedung, eine breite neue Hauptachse angelegt, um einen harmonischen Übergang zwischen dem alten und dem neuen Teil herzustellen. Diese neue Hauptachse verbindet heute den Haupteingang an der Friedhofstraße mit dem Zugang an der Ottostraße. Dieser Hauptweg führt auch am zentral liegenden Carolinensaal vorbei und entlang des Weges befinden sich auch die Plastiken des Skulpturenparks. Dieser jüngere Friedhofsteil weist ein rasterartiges Wegenetz mit rechteckigen Grabfeldern auf und orientiert sich damit an den barock typischen Strukturen des alten Friedhofsteils. Diese Wege sind außerdem als Alleen angelegt.

Die jüngeren östlichen Erweiterungen weisen dagegen eine komplett andere Struktur auf und erinnern eher an einen englischen Landschaftspark mit verschlungenen Pfaden. Der Osten der Fläche bildet eine ausgedehnte Parkanlage mit nur sehr wenigen erhaltenen Grabstätten. Der Friedhof ist außerdem, entsprechen der Hanglage, terrassiert.

Heute sind noch etwa 300 von den ursprünglich 3000 Gräbern erhalten, die eine besondere Bedeutung aufweisen. Außerdem existiert am Ostrand ein Ehrenfriedhof und ein Kriegsdenkmal für die im Ersten Weltkrieg (1914-1918) gefallenen Soldaten sowie ein Sarkophag aus dem Jahr 1924 zum Gedenken an die Vermissten. Weiterhin steht in diesem Teil des Friedhofs das Kriegerdenkmal (Germania) für die gefallenen Soldaten aus dem Deutsch-Französischem Krieg aus dem Jahr 1870/71 gegenüber dem Grabfeld des Ersten Weltkrieges. Diese Germaniafigur fiel in den 1970er Jahren dem Vandalismus zum Opfer, sodass im Jahr 1973 ein neues modernes Denkmal, für die drei Kriege 1870/1871, 1914 – 1918 und 1939 – 1945, von dem pfälzischen Bildhauer Gernot Rumpf aufgestellt wurde. Am Nordrand in der jüdischen Abteilung sind heute nur noch 17 Grabsteine aus dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts sowie ein Gedenkstein erhalten.

Auch der ursprüngliche alte Baumbestand, der das Wegenetz des Parks vorgibt, blieb in seiner Ursprungsform bestehen sowie der Rhododendrongarten.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Der Alte Friedhof in Pirmasens befindet sich im Süden von Pirmasens, eingeschlossen von der Ottostraße im Norden, der Strobelallee im Osten und der Friedhofstraße und der Buchsweilerstraße im Süden sowie der Darmstädterstraße im Westen. Parkmöglichkeiten finden sich am Carolinensaal und in der Darmstädter Straße.

Literaturverzeichnis

  • Wittmer, Heike und Luis (2020). Pirmasens – Einst & Jetzt o.O.
  • Jung, Patrick und Wenz, Martin (2013). Der Alte Friedhof in Pirmasens – Geschichte und Dokumentation o.O.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 11“ 45′ N, 7° 36“ 47′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1763

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