Pfälzer Weltachs auf dem Kleinen Roßrücken bei Waldleiningen

Alternative Bezeichnungen: Pälzer Weltachs

Die seit 1964 so genannte „(Pfälzer) Weltachs“ ist eine ursprünglich zu Vermessungszwecken genutzte Landmarke auf dem 459 Meter hohen Kleinen Roßrück westlich der Ortslage der Gemeinde Waldleiningen in der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn (Landkreis Kaiserslautern).

Lage und Topographie

Die Gemeinde Waldleiningen liegt mit den Nachbargemeinden im Zentrum des Naturparks und UNESCO-Biosphärenreservats Pfälzerwald und ist mit einem Flächenanteil von rund 95 Prozent eine der waldreichsten Gemeinden in Rheinland-Pfalz.

An der Kreuzung von Landstraße L 504 und Bundesstraße B 48 bei Waldleiningen liegt ein unbefestigter Parkplatz. Von dort aus führt ein beschilderter Wanderweg zur Pfälzer Weltachse durch den Wald. Von Nordosten kommend ist die Weltachse in etwa 15 Minuten steileren Fußwegs zu erreichen; von Südwesten kommend dauert die Wanderung etwa 30 bis 45 Minuten, der Weg ist aber etwas breiter und flacher.

Hintergrund

Das Kulturdenkmal ist heute augenzwinkernder Ausdruck des Pfälzer Selbstbewusstseins. Es entstand aber als Landmarke, diente zuerst französischen, danach bayerischen Landvermessern. Zwischen 1833 und 1838 wurden trigonometrische Höhenmessungen in Bayern und der zugehörigen Pfalz durchgeführt, wobei zunächst militärische Interessen im Vordergrund standen. Im Zuge der „Uraufnahme“ wurden bestehende Festpunkte des Dreiecksnetzes ertüchtigt, indem ca. 2 Meter hohe und rund 0,3 Meter im Quadrat messende Sandsteinsäulen als so genannte „Niveausteine“ gesetzt wurden. Sie dienten als Landmarke und Instrumentenstativ.

Die Säule von 1841 auf Waldleininger Gemarkung wurde im Rahmen von Rodungsarbeiten Anfang der 1950er Jahre zwar zerstört, 1964 aber wiedererrichtet. Dies brachte die Umwidmung vom nüchternen Messpunkt zum kulturellen „Erbe“. Die alljährliche „Schmierung der Weltachs“ ist seither ein Ereignis, das von Einheimischen und Gästen zelebriert wird und eine touristische Attraktion ist (Auszug aus: Germer 2013).

Der Pfälzer Mundart- und Heimatdichter Paul Münch (1879-1951) definierte in seinem Werk „Die pälzisch Weltgeschicht“ von 1943 – möglicherweise nicht ganz so ernsthaft gemeint – diese Landmarke als Mittelpunkt der Pfalz und des „Weltsyschtems“ und verpflichtete quasi die Waldleininger zur ehrenvollen Aufgabe der Schmierung dieser von ihm so definierten „Weltachse“:

„Dort werd die Weltachs ingeschmeert, un ufgebaßt, daß nix passeert“ (Hochdeutsch „Hier wird die Weltachse eingeschmiert und aufgepasst, dass nichts passiert“, vgl. das Gedicht als PDF-Text in der Mediengalerie).

Diese Inschrift findet sich heute auf dem Sandsteinfelsen, auf dem der rekonstruierte Messpunkt steht.

Gedicht über die Weltachs

Das vollständige Gedicht lautet:

 Mer Pälzer un die Weltachs

Wann jemand uf de Infall käm,

Die Achs vun unserem Weltsyschtem

Genaa un dipplich auszurechne

Un in die Landkart inzuzeechne,

Do käms eraus, daß akkurat

Im Mittelpunkt vum Pälzer Staat

Der Punkt leit, der wo ganz gewiß

Die Hauptsach uf‘em Weltall is

Der Punkt, wo alles sich drum dreht,

Was uf der weite Welt besteht.

 

Do werd die Weltachs ingeschmeert

Un ufgebaßt, daß nix passeert,

Was in de Weltelaaf am End

E kleeni Steerung bringe kennt.

 

Schun seit der Herr die Welt gebaut,

Is uns die Weltachs anvertraut,

Weil meer von alle Menscherasse

For so e Amt am beschte basse.

Mer bassen uf mer halten Wacht,

Mer gewen Dag und Nacht druf acht,

Daß niemand kummt un will se stehle.

Mer schmeere se un dun se öle

Un butzen se als glitzeglatt

Mit Glaspapier un Butzpumad.

Drum dreht sich a wie selbschtverständlich

Die Weltachs ewig un unendlich.

 

0 weh! Wär das e Schlag,

Wann plötzlich ame scheene Dag

Mer Pälzer Leit de Rappel kräte

Un mir nix, dir nix streike däte!

Das Unglick wär nit auszumole:

Do dät uns alle de Guguck hole:

Die Erd, die Sunn, de Mond un alles,

Das krät am selbe Dag de Dalles.

Im ganze Weltall dät’s do bollere

Un alles durchenanner kollere.

Do gäb’s ee Riesekuddelmuddel,

Die Milchstroß gäb e Mordsgeschnuddel

Un all des scheene Schöpfungs-Sach

Hätt alles rutzebutz die Krach.

Un drum sat unser Hergott a

Schun glei am vierte Schöpfungsda‘:

 

„So“, sa’t er, „Mond un Stern un Sunn

Die drehe sich un glitzre schun,

Mei Weltachs schnerrt,

’s is grad e Spaß,

Als wie e Triller uf de Gass.

Jetzt braicht ich Mensche, wo’s verstehn

mit meiner Weltachs umzugehn,

Wo Kerl sin erschter Qualidät

Un Riese an Gescheidigkeet,

Mit Hern im Kopp, mit Pflicht und Ehr,

Korzum! Die Pälzer missen her,

Die missen dann die Weltachs schmeere

Un’s Kugellager repareere.“

 

„Un“ – sa’t er – „dann werd’s ingericht,

Daß alles in der Weltgeschicht

Beim Pälzer Volk im Pälzer Staat

Sein Ursprung un sein Fortgang hat.“

So sat’er. Un so is es kumm.

Un um die Weltachs runderum,

Do hockt seit viele dausend Johr

Sei Pälzer Volk un sorgt defor

Bei Dag un Nacht un frih un spät,

Daß Gottes Weltplan richtig geht,

Un daß es Weltall werd gelenkt,

So wie sich’s Gott hat ausgedenkt.

Un was nit in der Palz bassiert,

Is Newesach un hat kee Wert.

Literaturverzeichnis

  • Geiger, M. (2013). Die Pfalz - Geographie vor Ort. Landau.
  • Germer, S. (2013). Waldleiningen: Mittelpunkt der Welt? In: Die Pfalz – Geographie vor Ort, hrsg. von Michael Geiger Landau.
  • Münch, P. (1943). Die Pfälzisch Weltgeschicht. In: Sauer, W. (Hrsg.) (2004): Jubiläums(neu)ausgabe zum 125. Geburtstag von Paul Münch o.O.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 23“ 39′ N, 7° 50“ 29′ O

Epoche:

Unbekannt

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
Unbekannt

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