Synagogenplatz in Kaiserslautern

Die Synagoge in Kaiserslautern bestand nur ein halbes Jahrhundert. Der Grundstein für den Bau wurde im Jahr 1883 gelegt und Einweihung fand drei Jahre später im Jahr 1886 statt. Das Gotteshaus galt 52 Jahre lang als die bedeutendste pfälzische Synagoge und wurde dann am 17. September 1938 von den Nationalsozialisten in Kaiserslautern gesprengt. Seit 2003 erinnert ein Sandsteinmahnmal, dem Nordportal nachempfunden, und mehrere Medienviewer auf dem Synagogenplatz an die Synagoge und die grausamen Taten der Nationalsozialisten.

Geschichte

Am 19. Juli 1881 beschloss die jüdische Gemeinde in Kaiserslautern, für den Bau ihrer neuen Synagoge, ein Grundstück bei der Frühlingstraße (der heutigen Luisenstraße) zu erwerben. Als Architekt für den Bau wurde Professor Ludwig Levy (1854 – 1907) beauftragt sowie der Maurermeister Sommerrock aus Kaiserslautern als Baumeister. Die Grundsteinlegung fand im Jahr 1883 statt und die ansässige israelische Gemeinde feierte, einen Tag nach der Grundsteinlegung, ein großes Fest zur Feier ihrer neuen Synagoge. Dabei wurde eine Urkunde mit Plänen der Synagoge, ein Stadtplan, Zeitungen und Münzen in einer kupfernen Büchse in den Grundstein gelegt. Die Bauarbeiten auf dem erworbenen Grundstück erwiesen sich aber als schwieriger als gedacht, da die neue Synagoge auf dem Gelände des ehemaligen Stadtwoogs, des heutigen Synagogenplatz, erbaut werden sollte.

Die Einweihung der Synagoge fand dann im Jahr 1886 statt und die damalige Presse sprach von der „prächtigsten Synagoge der Pfalz und einer der schönsten in Deutschland“. Der gesamte Bau kostet 193.328 Mark

Am 17. September 1938, an einem Sabbat, am Schabbes, dem jüdischen Ruhetag, wurde die Synagoge von den Nationalsozialisten in Kaiserslautern, noch vor der Pogromnacht, gesprengt. Dabei hielt das Nordportal, auf der heutigen Fischerstraßen-Seite, zunächst stand, dieses wurde dann aber am 09. Oktober desselben Jahres auch gesprengt. Teilweise wurden die Steine der gesprengten Synagoge in dem damaligen Neubaugebiet im Casimirring für Kellerfundamente und Gartenmauern verwendet. Einige dieser Steine sind heute aber auch im Besitz des Theodor-Zink-Museums.

Aus der Stadtliteratur geht hervor, dass der damalige NS-Oberbürgermeister Richard Imbt und der Gauleiter Josef Bürckel die treibenden Kräfte hinter der Synagogensprengung waren. Mitte Juli 1938 lud Imbt den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde, Justizrat Blühte, vor und erklärte ihm, die Synagoge passe nicht in das Stadtbild. Auch die Dr.-Frick-Straße, die heutige Fischerstraße, müsse für Aufmärsche verbreitert werden, weil Kaiserslautern Gaustadtwerden sollte, was sie jedoch nie wurde. Die jüdischen Mitbürger wurden daraufhin zum Verkauf ihres Gotteshauses an die Stadt gezwungen. Es wurde zwar ein Kaufpreis ermittelt, der aber, soweit heute bekannt, nie gezahlt wurde. Die jüdische Gemeinde wurde dann am 25. August 1938 darüber informiert, dass die Synagoge ab dem 29. August nicht mehr betreten werden dürfte. Daraufhin fand am 27.August 1938 ein Abschiedsgottesdienst statt. Am 31.08 fanden dann bereits die ersten Abbrucharbeiten im Außenbereich und die Räumung des Innenraums statt. Der jüdischen Gemeinde, die zu diesem Zeitpunkt noch geduldet war, wurde ein Betsaal in einem Seitenbau der Schlosskaserne (ungefährer Standort des heutigen Rathauses) überlassen. In der Pogromnacht wurde dann auch dieser Betsaal zerstört. Die jüdische Gemeinde musste dann nach Kriegsende bis ins Jahr 1951 prozessieren, um von der Stadt Kaiserslautern eine finanzielle Entschädigung für das enteignete Synagogengrundstück zu bekommen. Die Stadt bezahlte schließlich 265.000 D-Mark.

Baubeschreibung Synagoge

Der Architekt Ludwig Levy hatte sich für den Synagogenneubau von frühromanischen, aber vor allem von maurisch-byzantinischen Stilelementen anregen lassen. Seine entworfene und gebaute Synagoge in Kaiserslautern war ein repräsentativer zweigeschossiger Quaderbau mit einer 37 Meter hohen zentralen Kuppel und vier kleinen Ecktürmen. Charakteristisch waren auch die maurisch-byzantinischen Formen. Das Gotteshaus selbst wurde dann aus gelbem Otterberger Sandstein errichtet und zur Verzierung verwendete der Baumeister Sommerrock rote Sandsteine aus Kaiserslautern.

Der Innenraum war dreischiffig gegliedert mit einer Orgelempore (Was aus der Orgel nach der Zerstörung wurde ist bis heute unbekannt) mit Sängerbühne im Westen und einem Chor mit dem Allerheiligsten im Osten. Sie bot dabei 620 Sitzplätze, davon 420 für Männer und 200 für Frauen auf der Empore. Die Synagoge galt damals in der Fachwelt als „Meisterstück der Baukunst“ und als prächtigste Synagoge der Pfalz.

Der Synagogenplatz

Erst am 08. Oktober 1980 – 42 Jahre nach der Zerstörung- erhielt das Grundstück der ehemaligen Synagoge, den Namen Synagogenplatz. Im Jahr 2001 beschloss die Stadt Kaiserslautern, die Fragmente der Pfeiler der Nordfassade am historischen Standort zu rekonstruieren. Ein Jahr später, im Jahr 2002, begann die Stadt den Synagogenplatz neu zu gestalten und legte dabei das Originalfundament des ehemaligen Nordportals frei. Als Mahnmal wurden dann zwei sieben Meter hohe Säulenfragmente aus rotem und gelbem Sandstein, dem Baumaterial der zerstörten Synagoge nachempfunden, rekonstruiert und errichtet. Auf der Mauerseite, die dem Platz zugewandt ist, sind 192 Namen jüdischer Kaiserslauterer Mitbürger eingemeißelt, die im Holocaust ermordet wurden. Die Vorderseite des Mahnmals ist der Fischerstraße zugewandt. Der ehemalige Synagogengrundriss ist mit Buchshecken nachempfunden. Die Gedenkstätte wurde im Jahr 2003 fertigstellt und auch eröffnet.

Seit 2006 sind sieben Medienviewer auf dem Platz installiert, die durch eine 3-D-Computer Rekonstruktion der Technischen Universität Darmstadt, einen virtuellen Einblick der Synagoge ermöglichen.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Der Synagogenplatz befindet sich an der Fischerstraße in Kaiserslautern in der Nähe des Stiftsplatzes und der Stiftskirche. Parkplätze stehen in den umliegenden Seitenstraßen zur Verfügung.

Literaturverzeichnis

  • Gerhard Westenburger (08.11.2018). Die Synagoge stand nur ein halbes Jahrhundert Die Rheinpfalz.
  • Dagmar Gilcher (25.08.2018). Zierde – Schandfleck – Staub Die Rheinpfalz.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 26“ 39′ N, 7° 46“ 27′ O

Epoche:

Unbekannt

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
2003

Schlagworte:

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