Protestantische Pfarrkirche in Münsterappel

Die protestantische Pfarrkirche in Münsterappel war einst eine Klosterkirche. Das Kloster wurde im Jahr 893 von der Trierer Benediktinerabtei St. Maximin gegründet. Als 1555 in Münsterappel der reformierte Glauben eingeführt wurde, wurde das Kloster aufgelöst und die Kirche diente zeitweilig als Simultankirche.
Der im gotischen Stil errichtete Chor der Kirche ist seit dem Jahr 1492 erhalten. Das barocke Langhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Geschichte

Die protestantische Pfarrkirche in Münsterappel war einst eine Klosterkirche. Die Ursprünge des Klosters reichen weit zurück in die Geschichte. Der ostfränkische König Arnulf von Kärnten – der letzte römisch-deutsche Kaiser aus dem Geschlecht der Karolinger – schenkte im Jahr 893 das Land am Appelbach der Trierer Benediktinerabtei St. Maximin. Daraufhin wurde in Appelbach ein Klosterhof erbaut. Der Name ‚Münsterappel‘ lässt sich auf diese Tatsache zurückführen. Im Lateinischen hieß das Kloster ‚Monasterium Appulae‘ – ‚Kloster am Appelbach‘.

Mit Sicherheit stand in Münsterappel von allem Anfang auch eine Klosterkirche. Das älteste Zeugnis über den Bau einer Kirche stammt aus dem Pfarrbuch im Jahr 1344 während der Herrschaft des Rheingrafen Johann II. vom Stein (1333-1383). Von dieser Kirche ist allerdings heute nichts mehr vorhanden. Man geht davon aus, dass Anfang des 14. Jahrhunderts Münsterappel an die Rhein- und Wildgrafen fiel.

Münsterappel entwickelte sich in nächsten Jahrzehnten zu einem kirchlichen Zentrum im Alsenztal. Im Jahr 1401 wurde es sogar zum Landkapitel des Erzbistums Mainz ernannt. Der Propstei in Münsterappel unterstanden von nun an 31 Pfarreien.

Im Jahr 1492 wurde das mittelalterliche Kirchengebäude gegen ein spätgotische Bauwerk mit Chor und Langhaus ersetzt. Dessen Altarraum (Chor) hat sich bis heute erhalten. Die Kirche hatte auch als Repräsentationshaus des Grafen eine gewisse Bedeutung. Dies wird anhand der Einwohnerzahlen des Ortes deutlich: Damals hatte Münsterappel 150 Einwohner. Die Kirche bot allerdings Platz für nahezu 400 Besucher.

Im 16. Jahrhundert wurde unter Philipp Franz von Salm-Dhaun-Neufville (1518-1561) in Münsterappel der lutherische Glauben eingeführt (Reformation 1517-1648).  So wurde das Kloster im Jahr 1555 aufgelöst und die Kirche bis zum Jahr 1697 als Simultankirche sowohl von Katholiken als auch von Lutheranern verwendet.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) wurde das Langhaus der ehemaligen Klosterkirche durch französische Truppen jeweils so stark zerstört, dass es einsturzgefährdet war. Man riss das Langhaus daraufhin zwischen 1725 und 1733 ab und errichtete im Auftrag des Rhein- und Wildgrafen Karl Ludwig (1686-1740) in dieser Zeit ein neues Langhaus. Über dem barocken Portal der Kirche mit dem Sprengel-Giebelwerk ist auch heute noch das Wappen von Karl Ludwig und Sophie-Magdalena mit der Grafenkrone sichtbar.

Im Jahr 1996 wurde das Dach des Langhauses neu gedeckt. Eine Außenrenovierung fand in den Jahren 2000/2001 statt. Die Innenrenovierung folgte 2004 bis 2007.

Baubeschreibung

Die ehemalige Klosterkirche besteht aus zwei Teilen: dem spätgotischen Chor mit der angegliederten Sakristei und dem barocken Langhaus. Der Chor stammt noch aus dem Jahr 1492. Das Langhaus wurde im 17. Jahrhundert so stark zerstört, dass es im 18. Jahrhundert neu gebaut werden musste.

Die gotischen Merkmale im Chor sind unter anderem die Gewölbedecke in Sternform sowie den über 500 Jahre alten Fresken. Dargestellt sind die vier Evangelisten mit ihren Symbolen. Markus, der Löwe, Johannes, der Adler, Matthäus, der Engel und Lukas, der Stier. Die Figur im Mittelpunkt der Decke soll den Heiligen Maximin darstellen. Er gilt als Patron gegen die Gefahren des Meeres, Regen und Meineid und wird vor allem im Elsass und im Raum Trier verehrt. Da die Trierer Benediktinerabtei St. Maximin das Mutterkloster von Münsterappel war, ist der Patron auch in der hiesigen Kirche zu finden.

Im 5/8 Schluss des Chores sind fünf Maßwerksfenster eingebaut. Sie sind ein weiteres sehr typisches Merkmal der gotischen Architektur. Das mittlere Chorfenster hinter dem Altar ist im Gegensatz zu den vier anderen, dreigeteilt und steht damit als Symbol für die Dreieinigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. Es zeigt genau nach Osten.

Das Langhaus wurde im barocken Stil errichtet. Erkennbar wird dies insbesondere von außen. Der zweigeschossige Dachreiter mit doppelter Zwiebelhaube und der Turmhahn mit Kreuz sind typische Merkmale der barocken Architektur. Außerdem besitzt das Satteldach des Langhauses kleine Dachgauben. Im Westen ist das Satteldach des Langhauses abgewalmt.

Mit der Innenrenovierung im Jahr 2007 erscheint die Kirche wieder in hellen, freundlichen und sehr stimmigen Farben: weiß, grün und gold.  Die Decke über dem Langhaus wurde in eine grüne Farbe getaucht.

Unterhalb der Empore steht an der Westwand des Kircheninneren die Grabplatte des Wild- und Rheingrafen Friedrich Wilhelm mit Wappenschild und aufwendiger Helmzier. Eine Gruft wurde in der Kirche allerdings nie entdeckt. Wie der Aufschrift rund um den Stein entnommen werden kann, wurde der Wildgraf am 11. Oktober 1644 geboren und er starb am 24. Mai 1706 im Alter von 62 Jahren. Er war der Vater des Wild- und Rheingrafen Karl-Ludwig, der das barocke Langhaus erbauen ließ.

Zwei weitere Grabplatten wurden vor der Verwitterung gerettet, in dem man sie vom Kirchhof in den Innenraum verbrachte. Die größere neben der Kanzel erinnert an den Gerichtsschöffen Nikolaus Rudolf Weiland (1672-1731). Die zweite Grabplatte seitlich unter der Empore ist der Pfarrer- und Lehrerfamilie Fabel gewidmet: Leopold Georg Christian Fabel, geb. 1689, Johann Nikolaus (1633-1712) und seine Ehefrau Veronica Margareta (1670-1726).

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Kirche befindet sich in Münsterappel im Donnersbergkreis. Münsterappel ist Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde Alsenz-Obermoschel, welche südlich von Bad Kreuznach gelegen ist. Das protestantische Kirchengebäude liegt im Herzen des Ortes.

(Arno Mohr und Raphaela Maertens, ZukunftsRegion e.V., 2019)

Literaturverzeichnis

  • Dr. Joachim Glatz (1987). Die Ev. Kirche in Münsterappel Speyer .
  • Heinrich Christmann (1970). Münsterappel, Beiträge zur Geschichte Rockenhausen.
  • Petra Woll (2007). Renovierte Kirche nach zwei Jahren an Gemeinde zurückgegeben Alsenz-Obermoschel .

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 44“ 6′ N, 7° 52“ 38′ O

Datierung:
1492 (Chor), 1725-1733 (Langhaus)

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