Geschichte
Erbaut wurde die katholische Kirche im Ortsteil Zell zwischen den Jahren 1746 und 1749 nach Plänen des Heidelberger Baumeisters Johann Jakob Rischer (1662-1755). Gewidmet ist die kleine Kirche dem Ortsheiligen der Gemeinde St. Philipp dem Einsiedler, der seine „Celle“ im 8. Jahrhundert nach Christus hier gründete. Der qualitätvolle Bau ist Zeugnis der Rekatholisierungsbestrebungen in der Kurpfalz und versucht anzuknüpfen an die Wallfartstradition aus dem Mittelalter.
Jedes Jahr seit 1780 findet am Sonntag nach dem 3. Mai die Philippswallfahrt statt. Seit 2006 erstreckt sich diese Wallfahrt sogar auf eine ganze Woche. Hier besonders ist die Motorradwallfahrt, die sich zu einem großen Publikumsmagneten entwickelt hat. Teilweise fahren hier mehr als 400 Motorräder mit.
Objektbeschreibung
Die kleine nach osten ausgerichtete Barockkirche besitzt einen westlichen Turm und einen nahezu halbrunden Chor, der der Langhausbreite entspricht. Am Chorscheitel steht ein im Grundriss flachbogig geschlossener Sakristeianbau. Die Kirche an sich ist ein stattlicher Putzbau mit Pilastergliederung und sandsteingerahmten Rundbogenöffnungen. Das Dach des Chors ist halbkegelförmig geschlossen. Der Turm besitzt vier Etagen mit rundbogigen Schallarkaden und eine achtseitige verschieferte Kuppelhaube mit Laterne. Das Gewölbe des Innenraums hat die Form einer Flachtonne und der Chorbogen springt stark in das Langhaus ein. Eine Empore, die von korinthisierenden Säulen getragen wird, findet sich auf westlicher Seite. Der Rokoko-Hochaltar ist reich bestückt mit Pilastern und Säulen. Seitlich hiervon sind Figuren der Apostel Petrus und Paulus.
Weiterhin im Inneren der Kirche findet man eine aufwendig geschnitzte Kanzel mit geschweiftem Korb, einen achteckigen Taufstein von 1742, auf dessen Holzdeckel ein Figürchen von Johannes dem Täufer sitzt. Der originale Rokoko-Prospekt der Orgel stammt aus dem Jahr 1904 und wurde an den Seiten erweitert. An der Nordwand des Langhauses befindet sich ein Votivbild des frühen 18. Jahrhunderts mit der Legende des heiligen Philipp und Bittstellern. Hierbei handelt es sich um eine Kopie nach einer spätgotischen Miniatur des Zeller Bruderschaftsbuches von 1407. Die Wangen der Kirchenstühle sind in Formen ausgesägt, die typisch waren für diese Zeit der Bebauung.
Im Inneren sieht man außerdem eine üppige Ausmalung von 1904, die bei einer umfassenden Innenrenovierung 1993/94 restauriert wurde. Sie zeigt unter anderem einen Engel mit Leidenswerkzeugen. Nördlich des Turmes wurde eine rechteckige Marienkapelle im Jahr 1875 hinzugefügt, die seit 1972 als Sakristei verwendet wird.
Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Die katholische Stiftskirche befindet sich im Zentrum des Ortsteils Zell in Zellertal. Sie steht an der Abzweigung Osterberg von der Hauptstraße. Dort bildet sie, zusammen mit der direkt gegenüber gelegenen protestantischen Kirche, eine ortsbildprägende Baugruppe.

