Protestantische Alexanderskirche in Zweibrücken

Die Alexanderskirche liegt in der Stadtmitte Zweibrückens, gegenüber des Herzogschlosses. Sie wurde unter Herzog Alexander von Pfalz-Zweibrücken (1462-1514) zwischen 1493 und 1515 errichtet und diente als Begräbnisstätte für das herzogliche Haus. Auf Grund kriegerischer Auseinandersetzungen wurde diese seit ihrer Erbauung mehrmals zerstört und teilweise wieder neu errichtet.

Geschichte

Die protestantische Alexanderskirche befindet sich im Zentrum der Stadt Zweibrücken und wurde unter Herzog Alexander von Pfalz-Zweibrücken unter Leitung des Baumeisters Philipp Steinmetz zwischen 1493 und 1515 errichtet. In ihrem Original zählte sie zu den interessantesten spätgotischen Hallenkirchen in der Pfalz. Sie wurde zu Ehren der Mutter Gottes erbaut und diente als Begräbnisstätte für das herzogliche Haus. Der damalige Herzog Alexander verstarb 1514 und wurde als erster in der Kirche beigesetzt. Zunächst trug der Sakralbau den Namen „Neue Kirche“. Erst rund 300 Jahre nach dem Todestag des Herzogs Alexander (1817) erhielt sie in Erinnerung an ihren Erbauer den Namen „Alexanderskirche“.

Während der Reformationszeit wirkte Johannes Schwebel (1490-1540) als Reformator in Zweibrücken. Durch ihn wurde die Alexanderskirche im Jahr 1533 lutherisch. Vom Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) blieb auch die Alexanderskirche nicht verschont. In den Jahren 1635/36 eroberten, plünderten und beschädigten kaiserliche Truppen die Kirche. Die Truppen gingen sogar soweit, dass sie die Überreste der Leichname im Innenraum herumwarfen und die kostbaren Grabbeigaben mitnahmen. Die Fürstengruft wurde nach dem Raub neu errichtet. Kurze Zeit später geriet die Stadt Zweibrücken erneut in kriegerische Auseinandersetzungen. Im Jahr 1676 eroberten die Truppen des Französischen Königs Ludwigs XIV. (1638-1715) die Stadt, brachen erneut die Grabstätten auf und sprengten den Kirchturm. Dieser und das Kirchenschiff mussten daraufhin neu erbaut werden.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) wurde das Gotteshaus im Jahr 1945 durch einen Bombenangriff fast vollständig zerstört. Die Kirche wurde nach Kriegsende zwischen 1953 und 1956 neu und in sehr vereinfachter Gestalt erschaffen. Die Pläne des Neubaus stammten von den beiden Speyerer Architekten Otto Stahl und Richard Hummel.

 

Baubeschreibung

Außen

Das Kirchengebäude, so wie es heute betrachtet werden kann, entspricht nicht mehr seiner ursprünglichen Gestalt des frühen 16. Jahrhunderts. Die Alexanderskirche, welche heute eher einfach gestaltet ist, zählte in ihrem Original zu den interessantesten spätgotischen Hallenkirchen in der Pfalz. Besonders erwähnenswert ist, dass das fünfschiffige Kirchengebäude unter einem einzigen Dach zusammengefasst ist. Dieses Walmdach besitzt auf seiner Spitze einen modernen achtseitigen Dachreiter.

Die heutige Alexanderskirche weist eine einfache Umrissform auf und wirkt kubisch geschlossen. In den fünfschiffigen Baukörper ist der viereckige Turm, der die gleiche Breite wie das Mittelschiff hat eingebunden. Die beiden äußeren Seitenschiffe sind kürzer als die eigentlichen drei Hauptschiffe. In den Wandflächen der Seitenschiffe sind hohe und breite Spitzbogenfenster eingelassen.

Die Kirche ist von außen unverputzt. Das alte Mauerwerk besteht aus großen glatten Rotsandsteinquadern. Insgesamt wirkt der gesamte Neubau nüchtern und flächiger als der ursprüngliche. Das heutige Erscheinungsbild der Kirche ist typisch für die Bauten kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Auf den Sockel des einst sehr mächtigen Barockturms wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ein neuzeitlicher Turm aufgebaut. Das Erbauungsalter von älterem Unterbau und dem jüngeren Turm ist heute an der unterschiedlichen Fassadenfarbe erkennbar. Der Oberbau des Turms schließt mit einer Plattform ab. Darauf befindet sich ein achteckiger Aufsatz mit rundbogigen Öffnungen. Den Abschluss bildet ein hoher schlanker und verschieferter Spitzhelm, der an seinem Ansatz eher rundbauchig ist wie ein Zwiebelhelm. Das Erdgeschoss ist ein achteckiger Raum mit einem neugotischen Sternrippengewölbe. Von dort führt eine Wendeltreppe hinauf zum Dachgeschoss. Der Turm beherbergt außerdem das Westportal mit darüber liegenden großen rundbogigen Fenstern.

Der Alexanderplatz direkt vor der Kirche lädt zum Verweilen ein, beeindruckt durch seine Wasserinstallationen im Boden und bietet einen geeigneten Blick auf das Kirchengebäude.

Innen

Bei der Neuerrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg verzichteten die Architekten auf spätgotische Elemente. Die Wände der Alexanderskirche sind plan und weiß getüncht. Zusammen mit der flachen Decke erscheint der Kirchenraum kastenförmig. Nur am östlichen Joch der Südseite sind noch Halbsäulenvorlagen mit Ansätzen der ehemaligen Bögen und Gewölbe erkennbar. Die Wände sind durch Elemente aus rotem Sandstein oder rot gefärbtem Putz gegliedert. Die Decke in Chor und Schiff wurde nicht mehr als Gewölbe, sondern als längsrechteckige kassettierte Flachdecke errichtet.

Der eigentliche Kernraum der Kirche ist nur dreischiffig. Das Mittelschiff schließt im Osten mit einem dreiseitigen Chor. Auf der Südseite befinden sich heute die Kriegergedächtniskapelle mit der Liegefigur eines toten Kriegers, der Sakristei im Erdgeschoss und der ehemaligen Fürstenloge mit Empore im Obergeschoss. In der Fürstenloge hängt eine aus dem 14. Jahrhundert stammende Bronzeglocke, die sich zuvor wahrscheinlich am ehemaligen unteren Stadttor befand.

Die evangelische Alexanderskirche in Zweibrücken ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Ausstattung

Gruft

Die Alexanderskirche barg die Gruft der Zweibrücker Fürsten des Wittelsbacher Hauses. Die Gruft befand sich im östlichen Joch des Mittelschiffes sowie unterhalb des Chorpolygons. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1687) und in den Koalitionskriegen (1792-1815) wurde die Kirche und ihre Ausstattung immer wieder Opfer von Zerstörungen und Plünderungen.

Ursprünglich wurden im Laufe der Jahrhunderte insgesamt 31 Fürstlichkeiten beigesetzt. Im Jahr 1904 konnten bei Renovierungsarbeiten 13 Personen einwandfrei identifiziert werden, da sie in Metallsärgen beigesetzt wurden. Alle übrigen fürstlichen Gebeine waren vermodert und unidentifizierbar miteinander vermengt, aufgrund der Bestattung in einem Sammelbehälter. Alle fürstlichen Gebeine wurden daraufhin in einer neu gestalteten Gruft untergebracht.

Bei einem Luftangriff im Jahr 1945 während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) zerbarsten schließlich die Särge und ihr Inhalt wurde verstreut. Seither existiert die ehemalige Wittelsbacher Grablege nicht mehr. Im Jahr 1955 wurden lediglich noch Überreste der Gebeine und Sargteile aus den Trümmern geborgen, welche heute in der Wittelsbacher Gedenkstätte im nördlichen Seitenschiff ruhen. Diese wurde durch den letzten bayerischen Kronprinzen Rupprecht von Bayern (1869-1955) gestiftet.

Epitaphien, Grabplatten und Wandgrabmäler

Insgesamt waren ursprünglich 27 Tafeln und Denkmale in der Kirche vorhanden, von denen heute nur noch wenige erhalten sind.

Ins Auge fällt das Grabmal des Ritters Friedrich von Eltz-Blieskastel (1484-1556) sowie seiner Ehefrau Dorothea von Lewenstein (1490-1542) aus dem Jahr 1560. Es steht an der Ostwand des südlichen Seitenschiffes und stellt den Leichnam des Ritters in seiner Rüstung auf einer Tumba (sarkophagähnliches Grabmal) dar. Darüber befindet sich ein reich geschmücktes Relief von der Taufe Christi.

Außerdem befinden sich in der Alexanderskirche mehrere Epitaphe (Grabdenkmal in einer Kirche, welches sich nicht zwangsläufig am Bestattungsort befinden muss). Hierzu zählt das Epitaph zur Fürstengruft. Laut Inschrift ist es „gewidmet von Mitgliedern des regierenden Hauses Wittelsbach“. Ein anderes Epitaph gedenkt an den Pfalzgrafen Johann Ludwig (1619-1647). Er war ein Sohn von Herzog Johann II. von Pfalz-Zweibrücken (1584-1635). Ein weiteres Epitaph ist Amalie von Geispitzheim (-1582) gewidmet und befindet sich an der Südwand des zweiten Jochs von Osten.

Des Weiteren sind in der Kirche ein Grabstein des Hofmeisters Siegfried von Oberkirche († 1564) und seiner Frau Margarete von Venningen. In der Sakristei sind weitere Grab- und Gedenktafeln zu sehen, die an die bedeutendsten Pfarrer und Reformatoren der Alexanderskirche erinnern.

In der südlichen Kapelle befindet sich auf der Turmseite eine Gedenktafel aus Schiefer mit vergoldeten Buchstaben. Sie wurde zu Ehren des Kanzlers Heinrich Schwebel (1531-1610) und seiner Frau Margarethe Semler (1542-1607) angebracht.

Fenster

Die Alexanderskirche verfügt über beeindruckende Fenster im Chorraum aus dem Jahr 1956. Sie entstammen vom Marburger Künstler Erhard Klonk. Es werden die Geburt (Anbetung), Tod (Kreuzigung) sowie die Auferstehung Jesus Christus thematisiert.

Das Wappenfenster in der Wittelbacher Grabkapelle stammt vom Kunstmaler Hermann Jürgens aus Godramstein.

Kanzel und Taufstein

An der Kanzel ist das Brüstungsrelief der vier Evangelisten zu sehen. Sie stammen vom pfälzischen Bildhauer Otto Rumpf (1902-1984) aus Lachen-Speyerdorf.

Der Taufstein bildet zur modernen Kanzel das künstlerische Pendant. Er wurde ebenfalls aus Kunstbeton geschaffen. Das Becken des Taufsteines ist durch ein sehr kunstvolles Mosaik verziert. Zu sehen ist eine Taube, welche sinnbildlich den Heiligen Geist verkörpert. Der Schöpfer dieses Kunstwerkes war der Bildhauer Walter Bauer.

Gemälde

Von den historischen Gemälden sind lediglich drei erhalten geblieben. Sie befinden sich im Bereich der Empore. Zu sehen sind zum einen zwei Christusbilder, welche vom damaligen Zweibrücker Hofmaler Johann Christian von Mannlich (1741-1822) im Jahr 1821 gemalt wurden. Zum anderen ist ein Kreuzigungsgemälde des C. G. Müller aus dem Jahr 1824 erhalten. Diese Gemälde sind im Bereich der Empore aufgehängt.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Protestantische Alexanderskirche liegt inmitten der Stadt Zweibrücken. Parkplätze sind in großer Anzahl vorhanden. Vom Bahnhof ist die Kirche in nur fünf Minuten Fußweg zu erreichen.

Literaturverzeichnis

  • Dellwig, Herbert (1982). Protestantische Alexanderkirche Zweibrücken. Serie: Kleine Kunstführer. Schnell & Steiner München.
  • Fr. Lehmanns Buchhandlung (1911). Die Alexanderskirche mit der Fürstengruft der Wittelbacher in Zweibrücken – Festschrift zur Weihefeier am 14. Mai 1911. Zweibrücken.
  • Hudlet, Richard B. (1993). 500 Jahre Alexanderskirche Zweibrücken 1493-1993 - Betrachtung zur Geschichte einer Kirche und einer Stadt. Zweibrücken.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.). (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Stadt Zweibrücken (Denkmalverzeichnis Stadt Zweibrücken. Zweibrücken.

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 14“ 50′ N, 7° 21“ 50′ O

Datierung:
1515 oder 1956

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