Villa Benzino in Landstuhl

Alternative Bezeichnungen: „Schlösschen“

Die Villa Benzino wurde 1841 bis 1843 von dem Kaufmann Josef Johann Benzino im norditalienischen Stil am heutigen „Alten Markt“ in Landstuhl errichten. Da Benzino ein Kunstliebhaber- und sammler war, ließ er im Jahr 1864 einen Anbau für seine Kunstsammlung errichten. Diese Sammlung bildetet später den Grundstock für die Pfalzgalerie in Kaiserslautern. Der platzbildprägende zweigeschossige Walmdachbau mit roter Fassade ist heute ein geschütztes Kulturdenkmal.

Geschichte

„In der Geschichte von Landstuhl spielten verschiedene Familien eine bedeutsame Rolle, hierzu gehört auch die Familie Benzino.“ Die Kaufmannsfamilie Benzino wanderte um 1700 aus Norditalien nach Deutschland ein und ließ sich dann zunächst in Kusel nieder, bevor ein Teil der Familie 1730 nach Landstuhl zog. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte die Familie durch den Großhandel auf verschiedenen Gebieten bereits ein beträchtliches Vermögen angehäuft. Im Jahr 1841-43 ließ Josef Johann Benzino (1819-1893) die repräsentative Villa im norditalienischen Stil am heutigen „Alten Markt“ in Landstuhl errichten. Das Gebäude wurde auch „Schlösschen“ genannt, da die Erinnerung an das Stadtschloss der Grafen von Sickingen (abgerissen um 1830) noch frisch war. Das Anwesen bestand in seiner Anfangszeit aus einem zweigeschossigen Wohnhaus mit nicht ausgebautem Dachraum sowie einem Kellergewölbe. Zusätzlich waren auf dem Grundstück ein Rückgebäude mit Remise, Warenmagazin, Lagerboden und Waschküche vorhanden. Zudem fanden sich auf dem Areal, welches circa 6.000 Quadratmeter groß war und von einer zwei Meter hohen Einfriedungsmauer umschlossen wurde, ein geräumiger Hof sowie ein Lustgarten mit Gartenhaus. Von den Fenstern der Ostfassade aus erhielt man einen schönen Blick auf das ehemalige alte Rathaus und die Ruine der Burg Nanstein.

Die Villa bewohnte der Kaufmann dann gemeinsam mit seiner Frau Mathilde Benzino (1822-1903), bis er 1863 nach München umzog. Joseph Johann Benzino wurde nämlich als Abgeordneter der national-liberalen Partei in den Bayerischen Landtag in München berufen. Ab dann diente die Villa in Landstuhl der Familie als Sommerresidenz und vor allem zur Unterbringung seiner großen Kunstsammlung. Benzino war nämlich nicht nur Geschäftsmann und Politiker, sondern auch ein Kunstliebhaber- und sammler zeitgenössischer Malerei. Deswegen wurde das Gebäude in Landstuhl im Jahr 1864 um einen Südteil erweitert, um seine beträchtliche Gemäldesammlung unterzubringen. Diese Sammlung bildetet später den Grundstock für die Pfalzgalerie in Kaiserslautern. Noch heute kann man Teile der Sammlung in der Pfalzgalerie bewundern.

Baubeschreibung

Die Villa Benzino in Landstuhl wurde von 1841 bis 1843 im Neorenaissancestil Joseph Benzino erbaut. Der zweigeschossige Walmdachbau ist circa 21 Meter lang und 12,5 Meter breit und besitzt eine Wohnfläche von rund 525 Quadratmetern. Das Gebäude sticht vor allem durch seine überwiegend rote Fassade hervor. Die Hauptfassade des Gebäudes ist nach Osten ausgerichtet und hat fünf Fensterachsen, die Fenster sind dabei vom Keller bis zum Dach exakt übereinander angeordnet. Die mittlere Achse an der Straßenseite wird zudem durch einen Balkon im Obergeschoss nochmal leicht betont. An der Nordfassade befinden sich drei Fensterachsen, ebenso wie an der Südseite, die jedoch durch den Anbau im Jahr 1864 verloren gingen. Auf der Seite des Hofes ist eine Fassadengestaltung mit sechs Fensterachsen vorhanden. Auch hier sind die Fenster akkurat übereinander angeordnet, beginnend vom Keller bis zum Dach. Die Fenster im Kniestock sind dabei niedriger, wodurch eine Auflockerung der Hausansichten gegeben ist.

Ein Geschossband trennt das untere vom oberen Stockwerk und das Obergeschoss wird zusätzlich durch ein Mezzaningeschoss mit niedrigeren Fenstern aufgewertet. Das Erd- und Obergeschoss wurde vorwiegend von Benzino und seine Frau bewohnt, während im Mezzaningeschoss, in kleinen Wohnungen, die Bediensteten des Ehepaars wohnten. An der Nordseite des Gebäudes befindet sich der Hauseingang, hinter dem eine großzügige Treppe vom Erd- bis zum Dachgeschoß führt. Im Inneren findet man eine offene, klare Grundrissgestaltung mit hohen Räumen. Im Erdgeschoss sind die Räume durch Flügeltüren miteinander verbunden und man kann, wie in einem Schloss üblich, von einem Raum in den nächsten gelangen.

Der später erbaute Galerieanbau an der Südseite ist ebenfalls zweigeschossig und weist zudem ein schönes Kellergewölbe auf. Dieser Teil ist zum restlichen Gebäude klar abgegrenzt, unter anderem durch ein Flachdach mit Balustraden. In dem Flachdach befanden sich bis etwa zum Jahre 1905 zwei große Oberlichter zur Beleuchtung der dort untergebrachten Kunstsammlung. Die Galerie hatte dabei eine Höhe von über vier Metern. Dieser Gebäudeteil hat auch zwei nebeneinanderliegende Fensterachsen an der Ostseite und nochmals drei Fensterachsen an der Südseite. Der Anbau ist stilistisch nicht mehr der Neorenaissance zuzuordnen, sondern dem Neoklassizismus.

Heute ist an dem Galerieanbau eine bronzene Gedenktafel angebracht, die an den Stifter der Pfalzgalerie erinnern soll. Das Gebäude befindet sich heute in Privatbesitz und ist ein eingetragenes Kulturdenkmal im „Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreis Kaiserslautern“.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Villa Benzino liegt der Stadtmitte von Landstuhl, direkt gegenüber vom „Alten Markt“ und in direkter Nachbarschaft zur evangelischen Stadtkirche. Parkplätze befinden sich rund um den Alten Markt. Der Bahnhof in Landstuhl ist zudem fußläufig in 700 Metern zu erreichen.

Literaturverzeichnis

keine Literaturangaben

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 24“ 39′ N, 7° 34“ 6′ O

Datierung:
1841-1843

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