Ehemalige Zigarrenfabrik in Erfenbach

Im Jahr 1920 wurde in Erfenbach die Zigarrenfabrik Felsenthal und Co. errichtet. Kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wurde sie von Kautz & Schondelmaier übernommen. In den 1950er Jahren wurde die Zigarrenproduktion auf Grund von Absatzschwierigkeiten und Arbeitskräftemangel eingestellt.

Geschichte

lm Jahre 1892 wurde in Kaiserslautern die Zigarren- und Rauchtabakfabrik Felsenthal und Co. (Inhaber L. Felsenthal, A. Rosenbaum, A. Levy) gegründet. Durch gestiegenen Bedarf für das Heer während des ersten Weltkrieges (1914-1917), konnte die Produktion erheblich ausgedehnt werden. Es mussten daher weitere Filialen in Erfenbach und Wolfstein errichtet werden. 1917 wurden im Hauptbetrieb und den Filialen zusammen etwa 1000 Beschäftigte gezählt. Die Rohtabake wurden aus Indien, Amerika sowie aus Baden und der Pfalz bezogen. Die Tabakindustrie beziehungsweise der Tabakanbau war in der Pfalz zu dieser Zeit ein bedeutender Wirtschaftsfaktor und ist ein bedeutsamer Teil der pfälzischen Landwirtschafts- und Industriegeschichte.

Die jüdische Firma Felsenthal und Co. hatte in Erfenbach, gegen Ende des ersten Weltkrieges zunächst in einem gemieteten Saal des alten Schulhauses, die Zigarrenfabrikation behelfsweise aufgenommen. Es waren etwa 25 Frauen und Mädchen, die unter dem Zigarrenmeister Valentin Ostermayer als Wickel- und Zigarrenmacherinnen beschäftigt waren.

lm Jahre 1920 errichtete die Firma Felsenthal am Bahnhof von Erfenbach einen zweigeschossigen Fabrikneubau als Filiale. Der Neubau kostete eine Million Mark. Die Gemeinde Erfenbach gab einen Zuschuss von 10 000 Mark, da viele Nachbarorte die Firma ebenfalls in ihren Gemeinden ansiedeln wollten. Durch den Neubau konnte die Produktion erhöht werden und es waren zeitweise 150 und mehr Arbeiterinnen aus Erfenbach und der Umgebung beschäftigt. Als Betriebsleiter war der Werkmeister Benedikt Binder aus Rödersheim bis zum zweiten Weltkrieg (1939-1945) tätig. Weitere Zigarrenmeister waren Friedrich Kneis aus Baden und Jakob Böckly aus Alsenborn. Als Zigarrenmeister Binder aus dem Betrieb ausschied, übernahm der Zigarrenmeister Gustav Hofmann aus Baden die Betriebsleitung.

Ab 1923 bis circa 1938 existierte ein Raucherclub in Erfenbach, was die damalige Bedeutung der Tabakindustrie in der Pfalz hervorhebt. Tabak wird bis zum heutigen Tag in der Pfalz angebaut.

Die jüdischen Inhaber der Firma wurden 1938 gezwungen ihr Unternehmen zu verkaufen, also quasi enteignet. Die Fabrik in der Barbarossastraße 3 wurde für kurze Zeit in Felsenthal & Co. Nachf. umbenannt. Dann gingen die Fabrikanlagen, inklusive der Filiale in Erfenbach, an die Firma Kautz & Schondelmaier über.

Nach dem zweiten Weltkrieg stand der Betrieb längere Zeit still und diente der französischen Besatzungsmacht zeitweilig als Lebensmittellager. lm Jahre 1950 wurde der Betrieb der Firma A. Schondelmaier in Erfenbach, unter der Leitung von Zigarrenmeister Hofmann, wieder aufgenommen. Die Zahl der Beschäftigten betrug 39 Personen. Aufgrund von Absatzschwierigkeiten, zum Teil aber auch wegen Mangel an Arbeitskräften, musste der Betrieb wieder eingestellt werden.

lm Jahre 1959 wurden die Fabrikräume an die lederverarbeitende Firma Rahm & Kampmann aus Kaiserslautern vermietet, die in Erfenbach 30 bis 40 Leute beschäftigten. Nachdem die Firma für ihre Produktion mehr Arbeitskräfte benötigte und die in Erfenbach und Umgebung nicht gefunden werden konnten, schloss die Firma Rahm & Kampmann 1960 ihre Fabrik in Erfenbach wieder.

lm Jahre 1963 ging die frühere Zigarrenfabrik an den Schreinermeister Karl Wenzel aus Erfenbach über, der dort einen Holz- und Metallbetrieb mit etwa 20 Beschäftigten aufnahm und den Betrieb dort einige Jahre führte.

Nach längerem Leerstand wurde das Gebäude umgebaut und ist heute ein Mehrfamilienhaus.

Literaturverzeichnis

  • Ludwig Mahler (1963). Erfenbach einst und jetzt. Kaiserslautern.

Quellenangaben

    Artikel-Historie

    Koordinaten:

    49° 29“ 2′ N, 7° 42“ 40′ O

    Baustil:

    Unbekannt

    Datierung:
    1920

    Schlagworte:

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