Apostelkirche in Kaiserslautern

Die protestantische Apostelkirche in Kaiserslautern ist ein neoromanischer Sandsteinquaderbau aus dem Jahr 1901. Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) stark beschädigt und konnte in den 1950er Jahren wieder aufgebaut werden. Architekt des Sakralbaus war der bekannte Kaiserslauterer Baubeamte Ludwig Ritter von Stempel (1850-1917).

Geschichte

Die Apostelkirche im Kaiserslauterer Stadtviertel „Kotten“ wurde zwischen 1897 und 1901 errichtet. Der Bau lässt sich auf die steigenden Bevölkerungszahlen zurückführen. Zwischen 1880 und 1900 verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf rund 56.000 Menschen. Der Grund hierfür liegt in der Industrialisierung, die in Kaiserslautern zur Gründung bedeutender Fabriken führte. Hierzu zählen beispielsweise die Kammgarnspinnerei aus dem Jahr 1856 und die Pfaffwerke aus dem Jahr 1862. Rund zwei Drittel der Kaiserslauterer Bevölkerung besaß damals den protestantischen Glauben. Die beiden bereits bestehenden protestantischen Kirchengebäude, die Stiftskirche und die Lutherkirche (heute „Kleine Kirche“ genannt), wurden deshalb allmählich zu klein. Zudem wurde das Kaiserslauterer Stadtgebiet im Laufe der Zeit in Richtung Westen erweitert, wodurch der Fußweg für die dort lebende Bevölkerung zu den beiden älteren Kirchensehr zunehmend weiter wurde. Der Bau einer dritten protestantischen Kirche im Westen der Stadt schien daher notwendig.

Im Jahr 1896 erwarb schließlich die protestantische Kirchengemeinde das Grundstück des früheren städtischen Hospitals an der Pariser Straße und beauftragte den Architekten und bayerischen Baubeamten Ludwig von Stempel damit, einen Plan für ein neoromanisches Gebäude mit kaiserlichem Flair zu entwerfen. Es gehörte sich angeblich laut Kirchenbaurat, dass „zu Ehrenpflichten des deutschen Volkes, welches an die Überlieferungen seiner großen Kaiserzeit wieder anknüpft, auch die baukünstlerischen Ziele jener Zeit wieder [aufgenommen werden]“ (Pahl 1995). Als sehr kaiserlich war das Grundstück aufgrund seiner vorherigen Nutzungen allerdings nicht zu bezeichnen, denn im 14. Jahrhundert stand hier eine Unterkunft für Leprakranke. Dieses ärmliche Haus wurde im mittelhochdeutschen „Kote“ genannt, von welchem sich der Name des Stadtviertels „Kotten“ ableiten lässt. Da man die Leprakranken nicht in der Stadt haben wollte, errichtete die Stadt für die Leprakranken ein Gebäude, in welchem die Aussätzigen angesiedelt wurden.

Im Jahr 1897 wurde schließlich mit dem Bau der neoromanischen Apostelkirche begonnen. Nach vierjähriger Bauzeit konnte das Gebäude 1901 eingeweiht werden. Der Name der Kirche ist auf die zwölf Apostel zurückzuführen, welche in den Kirchenfenstern vor ihrer Zerstörung abgebildet waren.

Während die Apostelkirche den Ersten Weltkrieg (1914-1918) gut überstand, führte während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) ein Luftangriff im September 1944  fast zur kompletten Zerstörung der Kirche. Der große Kirchturm und die vier kleineren Nebentürme stürzten ein und durchschlugen das Gewölbe. Die Kirche brannte vollständig aus und war doch kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit viel Geld das Kirchengebäude saniert worden. Nach dem Krieg blieben schließlich nur die Grundmauern mit der großen Fensterrose über dem Eingangsportal sowie die drei Kirchenglocken erhalten. Die beiden größeren Glocken mussten bereits vor dem Angriff heruntergehoben und zum Einschmelzen für Kanonen abgegeben werden. Nach dem Krieg konnten sie in Hamburg in einem Sammellager unversehrt wiedergefunden und über den Rhein zurück nach Kaiserslautern geliefert werden. Die kleinste der drei Glocken, die noch im Kirchturm hing, überlebte die Flammen des Angriffes.

Im Jahr 1952 wurde ein Wiederaufbauverein für die Apostelkirche gegründet, welcher in den folgenden Jahren für die Wiedererrichtung der Apostelkirche Spenden sammelte und die Bautätigkeiten überwachte. Die Wiederherstellungsplanung gestaltete sich als relativ schwierig, da man sich nicht einig war, wie getreu das alte Gebäude wiedererrichtet werden sollte. Am 19. Februar 1956 konnte die wieder hergestellte Kirche mit alter Kubatur im neoromanischen Stil und neuer Innengestaltung eröffnet werden.

Die „Evangelische Apostelkirche“ in Kaiserslautern ist ein eingetragenes Kulturdenkmal.

Baubeschreibung

Die Apostelkirche ist ein im neoromanischen Stil erbauter Sandsteinquaderbau. Der Grundriss bildet die Form eines griechischen Kreuzes, also ein Kreuz mit vier gleich langen Seiten. Im Mittelpunkt dieses Kreuzes, das heißt oberhalb der Vierung, erstreckt sich der achteckige Kirchturm. Über jedem der vier Kreuzflügel befindet sich ein weiterer kleiner Turm. Sie setzen jeweils an den Vierungsecken im nördlichen Bereich beziehungsweise zwischen Empore und Eingangsvorhalle im südlichen Bereich an.

Das Hauptportal der Kirche befindet sich auf der Seite zur Pariser Straße und lässt sich über einen Treppenaufgang erreichen. Oberhalb des Portals befindet sich eine sehr große Fensterrose. Optisch wird die Südfront durch zwei der vier kleinen Türme gerahmt. Oberhalb erstreckt sich der Hauptkirchturm.

Innenausstattung

Im Gegensatz zum Gebäude wurde das Kircheninnere in stark verändertem und modernem Stil wieder aufgebaut. Von der ursprünglichen Innenausstattung ist nur noch das Geläut mit dem Eisenglockenstuhl erhalten.

Sowohl der alte Kirchenbau als auch der neue waren beziehungsweise sind typische Predigtkirchen, in der die Architektur und die Einrichtung auf die Kanzel und somit die Verkündung des Wort Gottes ausgerichtet sind. Die Modernisierung führte zu funktionalen Verbesserungen im Kircheninneren. In der heutigen Kirche harmonieren die Raumgestaltung und die Raumverhältnisse wesentlich besser miteinander. Es findet eine einheitliche Konzentration auf den Mittelraum statt, der sich im neuen Gebäude nun durchgehend vom Fußboden bis zur Gewölbekuppel erstreckt. Der Mittelraum schließt in der Kuppel mit dem Oberlicht ab, in dem die vier Evangelisten in Symbolen dargestellt sind. Darüber hinaus wurde das Gewölberippensystem an der alten Kirchendecke gegen ein Faltgewölbe über den Emporen und eine emporsteigende Rippengliederung in der Mittelkuppel ersetzt. Die Kuppel wird allseitig durch schlanke Säulen getragen.

Die leicht erhöhte Kanzel, der Altar sowie der Taufstein sind aus rötlich-braunem ungarischen Marmor vom Kaiserslauterer Bildhauer Richard Menges gefertigt. Eine Besonderheit ist, dass der Altar verkehrt herum steht. Die nüchterne schmucklose Seite zeigt in den Gemeinderaum, um das reformierte Bilderverbot nicht zu verletzen. Die Kanzel ist an der Brüstung mit Reliefbildern der zwölf Apostel verziert.

Im Jahr 1957 wurde auf der Empore hinter der Kanzel eine Steinmeyer-Orgel angebracht. Den Kirchenraum schmückt seit 1994 ein abstrakter Bilderzyklus der Kaiserslauterer Künstlerin Erika Klos zum Vater Unser. Die Farbgebung in roten bis braunen Tönen sowie die großen Fenster oberhalb der Emporen verleihen der Apostelkirche heute eine freundliche und warme Atmosphäre.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Apostelkirche befindet sich westlich der Kaiserslauterer Innenstadt im Stadtviertel „Kotten“. Das Gotteshaus ist mit dem PKW oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Parkplätze sind in den Parkhäusern der Innenstadt vorhanden.

Literaturverzeichnis

  • Rheinpfalz (1956). Aus der Geschichte der jetzt wiedererstandenen Apostelkirche. Kaiserslautern.
  • Rheinpfalz (1995). Seit fast 100 Jahren der Blickfang auf dem Kotten. Grundstein für die Apostelkirche am 4. November 1897 gelegt – Baukosten steigen auf stattliche 525000 Mark. Kaiserslautern.
  • Protestantische Kirchengemeinde Kaiserslautern-Mitte (1956). Die Apostelkirche zu Kaiserslautern. Festschrift zum Wiederaufbau 19. Februar 1956. Kaiserslautern.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 26“ 39′ N, 7° 45“ 41′ O

Datierung:
1901

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