Burg Gräfenstein bei Merzalben

Alternative Bezeichnungen: Merzalber Schloss

Die Burg Gräfenstein liegt im südwestlichen Pfälzerwald etwa einen Kilometer östlich von Merzalben auf dem 437 Meter ü. NHM hohen Schlossberg. Aufgrund ihrer Nähe zur Ortsgemeinde Merzalben wird die Burg auch als Merzalber Schloss bezeichnet. Die Burg Gräfenstein ist gut erhalten und ist eine der bedeutendsten stauferzeitlichen Burganlagen in Rheinland-Pfalz.

Geschichte

Die Burg Gräfenstein wurde im Jahr 1237 erstmals in einer Teilungsurkunde der Grafen von Leiningen erwähnt. Von den Leiningern wurde bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts die südliche Unterburg mit Bergfried und Palas erbaut.

Nachdem 1317 die Burg in Besitz der Seitenlinie Leiningen-Dagsburg kam, wurde diese bereits 50 Jahre später zu 7/8 an Pfalzgraf Ruprecht I. verpfändet. Dieser war wahrscheinlich hauptsächlich an der Burg als Befestigungsanlage interessiert. In den folgenden Jahrhunderten wurde die Burg an verschiedene Adelslinien weiter verpfändet. Unter anderem an die Grafen von Sponheim und später an die Grafen von Leiningen-Hardenburg. Letztere blieben bis ins Jahr 1535 Besitzer der Burg.

Die erste Zerstörung der Burg erfolgte im Jahr 1525 im Bauernkrieg. Erst zehn Jahre später wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Im Jahr 1540 gelangte die Burg in den Besitz des Pfalzgrafen Ruprecht von Zweibrücken-Veldenz, der die Burg Gräfenstein als Wohnsitz nutzte. Er veranlasste den letzten prächtigen Wiederaufbau der Burg. Bis die Burg zwischen 1560 und 1570 in badischen Besitz überging, wechselten die Eigentümer permanent. Letzte kleinere Baumaßnahmen wurden unter badischer Herrschaft 1594/95 durchgeführt.

Im Verlauf des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde die Burg mehrfach von Truppen belagert. Im Jahr 1635 brannte die Burg völlig aus und wurde somit auf Dauer unbewohnbar. Danach wurde die Ruine nicht wieder aufgebaut. In der nachfolgenden Zeit wurde sie Opfer von Schatzgräberei und wurde in der Franzosenzeit sogar als Steinbruch genutzt. Trotzdem war die Wehranlage selbst im 20. Jahrhundert noch recht gut erhalten. Erste Sicherungsmaßnahmen an der Ruine fanden 1909/10 und 1936/37 statt. Eine weitere Restaurierungsphase fand in den Jahren 1985/86 statt.

Baubeschreibung

Die Burg Gräfenstein ist eine sogenannte Höhenburg und wurde auf einem 12 Meter hohen Felsplateau errichtet. Sie ist etwa 80 Meter lang und 60 Meter breit. Die oval angelegte Wehranlage kann in drei Teilbereiche gegliedert werden: In die Oberburg auf dem fast senkrecht abfallenden Felsplateau sowie in eine ältere südliche und eine jüngere nördliche Unterburg.

Unterburg

Die Unterburg umschließt ringförmig die gesamte Oberburg. Der ältere südliche Teil wurde etwa um 1250 zur späten Stauferzeit angelegt; Die jüngere nördliche Unterburganlage mit äußerer Zwingeranlage dagegen erst in einer späteren Bauphase um 1375. Heute betritt man die Unterburg durch das ehemalige zweite Tor. Das erste Tor wird heute noch von zwei kleinen und gut erhaltenen Türmen eingerahmt. Die Zugbrücke sowie der Graben sind nicht mehr existent. In der Einfahrt sind auf den Steinplatten noch Spurrillen der Fahrzeuge auszumachen. Zwischen dem ersten und dem zweiten Tor erstreckt sich ein sehr schmaler Zwinger. Auf diesem Weg stehen zwei Flankierungstürme, die Teil der nicht mehr vorhandenen Zwingermauer waren. Der zweite Torturm hat starke Mauern, ist etwa zwölf Meter hoch und stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert.

In der nördlichen Unterburg befanden sich ehemals Wirtschaftsgebäude und Stallungen, deren schmale Mauern kaum noch erhalten sind. Ein Großteil dieser Gebäude bestand aus Fachwerk. Entlang der Ringmauer der südlichen Unterburg sind starke Mauerreste von zweigeschossigen Wohngebäuden zu erkennen. Obwohl Quermauern fehlen, lassen sich mehrere Wohneinheiten ausmachen. Im zweiten Geschoss sind Nischen mit Sandsteinbänken und Spitzbogenfenstern zu erkennen. Außerdem sind in diesem Geschoss sechs Aborterker und vier Kaminanlagen zu entdecken.

Oberburg

Die Oberburg ist der älteste Teil des Gräfenstein und wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut. Zur baulichen Anlage gehören Palas (Wohnbau), Keller, Treppenturm, Abortturm, Bergfried und Mantelmauer. Die Oberburg ist umgeben von einer ovalförmigen Ringmauer aus Buckelquadern.

Der Zugang zur Oberburg erfolgt heute über eine Steintreppe. Die Ausbauten des heute noch zwei- bis dreigeschossigen Wohnpalas wurden Mitte des 16. Jahrhunderts vorgenommen. Die erneuerten Fenster aus dem Spätmittelalter und die romanischen Fensterbögen sind noch erkennbar. Im Spätmittelalter wurden auch der Abortturm und der Treppenturm an die Oberburg angebaut.

Das herausragendste Merkmal der Burg Gräfenstein ist der alleinstehende und von der Mantelmauer umschlossene Bergfried. Seine siebeneckige Form ist einzigartig in Deutschland und ist den beengten topographischen Gegebenheiten geschuldet. Er bildet mit dem Sandsteinfelsen eine abgeschlossene Einheit und hat keine Lichtschlitze oder Fenster. Der aus Buckelquadern gemauerte Bergfried ist nicht gegen die Angriffsseite gerichtet, da die Burg auf einem steil abfallenden Bergkegel liegt. Die Wehrbauarchitektur wurde damals schon in den Vordergrund gerückt. Der Bergfried ist etwa 6 mal 7,5 Meter breit und etwa 17 Meter hoch. Die Mantelmauer wurde unabhängig vom Turm erbaut und besitzt im Gegensatz zum Bergfried noch ihre ursprüngliche Höhe. Der Zugang zum Turm erfolgt heute über eine moderne Wendeltreppe. Der ebenerdige Eingang wurde erst in jüngerer Zeit geschaffen. Vom oberen Plateau hat der Besucher einen schönen 360 Grad Blick über den Pfälzerwald.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Burg Gräfenstein liegt knapp einen Kilometer östlich von Merzalben im Landkreis Südwestpfalz. Nach der Ortsausfahrt Merzalben in Richtung Leimen biegt man am Ende der Hauptstraße rechts zur Burg Gräfenstein ab. Die etwa einen Kilometer lange Straße führt zu einem Wanderparkplatz. Von hier erreicht man die Burg in kurzer Zeit zu Fuß.

Literaturverzeichnis

  • Keddigkeit, J., Thon, A. und R. Übel (2002). Pfälzisches Burgen-Lexikon Band II F-H Kaiserslautern.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 14“ 27′ N, 7° 45“ 23′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1200

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