Herrenhausgärten der Familie Gienanth in Hochstein

Nordöstlich und südwestlich des Herrenhauses der Eisenschmelz in Hochstein erstreckten sich ausgedehnte und gut gestaltete Park- und Gartenanlagen. Schon die frühesten erhaltenen amtlichen Lagepläne sowie Zeichnungen und Fotos aus dem 19. Jh. zeigen intensiv gestalteten Gartenflächen. Die beiden Gartenareale stellten einen integralen Bestandteil des Hüttenwerks Eisenschmelz dar und waren mit verschiedenen, im Werk selbst hergestellten, Gussobjekten ausgestattet. Die Parkanlagen waren privat genutzt aber gleichzeitig repräsentativ gestaltet.

Geschichte der Gienanthschen Werke bei Winnweiler-Hochstein

Im Jahr 1742 legte die Familie Gienanth in Winnweiler den Grundstein der pfälzischen Industriellendynastie. Auf Grund von regionalen Erzfunden und dem Erzabbau im nahe gelegenen Imsbach gründete Nicolaus Guinand (später Gienanth) im Jahr 1742 das Eisenhüttenwerk Hochstein als Stammhaus.

Die Eisenschmelze wird 1742 von Nicolaus Guinand erbaut, das Areal umfasste einen Hochofen, einen Großhammer, eine Gießerei, Arbeiterwohnungen sowie das im Mittelpunkt stehende dreiflügelige Herrenhaus mit Park. In diesem Werk waren im Jahr 1777 rund 200 Arbeiter beschäftigt und im Jahr 1847 bereits doppelt so viele. Die Firma produzierte zuerst Schmiedeeisen und später vor allem Gusswaren wie Öfen, Maschinenteile, Eisenbahnschienen, Röhren und Räder aber auch Werkzeuge und Haushaltsgegenstände wie Bügeleisen und Backformen. Die Familie widmete sich aber auch dem Ausbau der Infrastruktur für den Betrieb. So bauten sie Werkskanäle mit Wehren, Straßen und förderten den Eisenbahnbau. Zudem versorgten sie die Arbeiter mit Werkswohnungen und unterhielten einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ab dem Jahr 1889 entsteht neben dem bestehenden Werk ein neuer Werksteil, das „Schweisweiler Werk“. Im Jahr 1938 wird das Werk in die circa zwei Kilometer entfernte Kupferschmelze verlagert. Von 1941 bis zum Ende des Jahrhunderts nutzten die Seitz-Werken Bad Kreuznach einen Teil des Werkes zur Automatenherstellung. Im Jahr 1948 wird die ehemalige Gießerei abgerissen, die weiteren Gebäude stehen als geschlossene Anlage unter Denkmalschutz.

Die Garten- und Parkanlagen beidseitig des Herrenhauses in der Eisenschmelz

Geschichte

Im Gegensatz zu den eigentlichen Eisenwerken ist die Dokumentation über die dazugehörigen Parkanlagen deutlich geringer. Die bestehenden Erkenntnisse stammen daher ausschließlich von Zeichnungen, Fotos und Katasterplänen. Nach dem heutigen Kenntnisstand wurde die Park- und Gartenanlage um das Herrenhaus bereits im Zuge der Baumaßnahmen des Stammwerkes Eisenschmelz angelegt. Vermutlich wurde die Parkanlage zu Repräsentationszwecken angelegt, aber hauptsächlich privat genutzt und war nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. Das genaue Datum der Errichtung kann jedoch nicht genau belegt werden, die frühste Darstellung der Anlage stammt aus einem Katasterplan des Jahres 1829. Auf diesem ist die nördlich an das Herrenhaus angrenzende Gartenanlage nur schematisch dargestellt, in der südlichen Anlage erkennt man bereits ein orthogonal angelegtes Wegenetz sowie eine durchdachte Gestaltung der Anlage. Dieser südliche Teil ist an zwei Seiten von Gebäuden, beziehungsweise von Mauern, gefasst und lässt auf ein barockes Vorbild schließen. Der Garten zwischen dem Engels- und Teufelsfelsen ist ebenfalls schon im Katasterplan verzeichnet. Der sogenannten Felsengarten steht dabei im Kontrast zum streng angelegten unteren Herrenhausgarten. Es gibt jedoch Gemeinsamkeiten in der Gestaltung zu dem etwa zeitgleich entstandenen Landschaftspark Friedrich von Gienanth in Eisenberg (ca. 1826-1834). Besonders die Schaffung eines frühindustriellen Landschaftsparks mit der Integration von Betriebsanlagen, Arbeiterwohnungen und einem Herrenhaus in eine stimmige Gesamtanlage, stellt eine auffallende Gemeinsamkeit dar. Nicht bekannt ist jedoch, ob die Gestaltung der Parkanlage in Hochstein ebenfalls durch Johann Christian Metzger und Franz Heinrich Siesmayer erfolgte.

Die frühsten bildlichen Darstellungen der südlichen Parkanlage der Eisenschmelz stammen aus den Jahren zwischen 1832 und 1838, gemalt wurden sie von Carl von Gienanth (1818-1890). Sie zeigen vor allem das Hochsteiner Eisenwerk, aber auch den terrassierten Felsengarten und die südliche Parkanlage mit einer zentralen Wegeachse und einer Brunnenanlage. Zu erkennen ist auch der Verbindungsweg von den Gebäuden auf die westliche Uferseite der Alsenz, welcher zum Hirschpark der Familie führte. Eine weitere Zeichnung aus dem Jahr 1833 zeigt die südliche Parkanlage des Herrenhauses als intensiv gestaltetes Gartenareal, welches an der Nord- und Ostseite durch Gebäude und an der Westseite von einer Mauer mit einer Baumreihe umschlossen ist. Auch hier erkennt man den orthogonalen Aufbau der Gartenfläche, die einzelnen orthogonalen Beetflächen werden zudem von Kleinbäumen oder Kübelpflanzen gesäumt. Dieser Aufbau lässt darauf schließen, dass der Park nach barocken Regeln gestaltet wurde. Das strenge Ordnungsmuster wird dann Richtung Westen durch höhere Nadelbäume aufgelöst. Eine Zeichnung aus dem Jahr 1891 zeigt zudem einen Stall sowie ein Gästehaus im Park, welches im Schweizer Baustil gehalten ist, und weitere zusätzliche neue Gestaltungselemente. Damit entsprach die Gestaltung dem Zeitgeist des späten 19. Jahrhunderts. Auf dieser Zeichnung ist auch erstmalig der nördliche Gartenbereich dargestellt, man erkennt geschwungene Formen mit vielen verschiedenen Ausstattungselementen, wie Pavillons, Brunnen, Skulpturen und Schmuckbeeten. Fotos aus dieser Zeit zeigen zusätzlich Details zur Wegeführung, die aus Kies bestand, und zur weiteren Ausstattung. In diesem Bereich ist der landschaftliche Stil somit vorherrschend gewesen.

Um das Jahr 1900 wurde wohl der Hirschpark auf der westlichen Uferseite der Alsenz stillgelegt und um 1930 das Gästehaus im Schweizer Stil abgerissen. Zudem wurde 1948 die alte Gießerei abgerissen, mit Ausnahme der Westwand, und somit blieb immerhin die östliche Einfassung der Gartenanlage erhalten. Durch die Änderung der Verkehrsführung der Landstraße nach Imsbach im Jahr 1973/74 wurde die Verbindung zwischen dem Felsengarten und dem nördlichen Garten am Herrenhaus unterbrochen. Dadurch wurde die Pflege des Felsengartens aufgegeben, das Herrenhaus war noch bis in die 1980er Jahre von Mitgliedern der Familie von Gienanth bewohnt. Dadurch wurden die beiden Parkanlagen direkt am Haus noch regelmäßig durch Gärtner gepflegt. Mit dem endgültigen Verlassen des Werksgeländes in den 1980er Jahren wurde die Pflege jedoch auch aufgeben. Daraufhin zerfiel die Gartenanlage komplett und wurde erst durch den Erwerb von der W & S Vermögensverwaltung oHG und den vor Ort ansässigen Holzbau- und Zimmereibetrieb Meyer GmbH im Jahr 2012 wieder gerodet und freigestellt.

Bepflanzung und Bebauung der Gartenanlagen am Herrenhaus

Die zwei unteren Gartenanlagen in Hochstein werden durch das Herrenhaus räumlich getrennt und weisen unterschiedliche Gestaltungsformen auf. Während sich im südlichen Park verschiedene Ausstattungselementen und Grundzüge der historischen Gestaltungskonzeption erhalten haben, ist der nördliche Park heute stärker durch Überformungen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet.

Die südliche Anlage wird durch die Mauer der ehemaligen Gießerei und einer Einfassungsmauer begrenzt, entlang dieser Mauer sind mehrere Eiben zu finden. Diese sind wahrscheinlich Überreste einer ehemaligen Einfassungshecke und stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert oder noch aus dem späten 19. Jahrhundert. Die westliche Einfassungsmauer war zudem in verschiedenen Teilstrecken ausgespart, sodass verschiedene Zufahrtsmöglichkeiten bestanden. Anhand von eingelassen Angeln lassen sich außerdem ehemals vorhandene Tore belegen, diese sind heute jedoch nicht mehr vorhanden. In Teilbereichen war ein Geländer aus gusseisernen Zierelementen auf der Mauer angebracht. Zusammen mit dem Herrenhaus entsteht so der Eindruck eines geschlossenen Gartenhofes. Am südlichen Ende des historischen Parks findet sich eine Rundturm mit Zinnenbekrönung aus bossierten Sandsteinquadern. In der Nähe dieses Turmes befindet sich eine Platane, die wohl aus der frühen Phase des Parks stammt und somit zwischen 150 und 200 Jahren alt ist. Zusätzlich findet man vor dem Turm ein Kellergewölbe, welches aus der Entstehungszeit des Parks stammt und zum Kühlen von Lebensmittel genutzt wurde, da es im Herrenahaus keinen Keller gab. Die einzelnen Geländeebenen des Gartens werden von verschiedenen Trockenmauern abgestützt und durch verschiedene Treppen aus teilweise intensiv bearbeiteten Sandstein-Blockstufen erschlossen. Sowohl die westliche Einfassungsmauer als auch die Trockenmauern der einzelnen Gartenebenen sowie die verschiedenen Treppenanlagen entsprechen dem historischen Bestand der Parkanlage aus dem 19. Jahrhundert. Im Bereich der unteren Gartenebene finden sich verschiedene gusseiserne Elemente, die höchstwahrscheinlich im eigenen Werk hergestellt wurden. Dabei handelt es sich um aufwändig gestaltete Einzelobjekte, die klassizistische Stilelemente aufweisen. Sie stammen deshalb vermutlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und sind somit historisch bedeutsam. Ob die Objekte, wie ein lebensgroßer Hirsch (wie er aus der gleichen Form auch im Park in Eisenberg erhalten ist) oder Brunnenschalen, an ihrem historischen Standort stehen, lässt sich jedoch heute nicht mehr nachvollziehen. Weiterhin sind einzelne Sandstein- und Keramikobjekte vorhanden, wie eine Keramikfliese, die wahrscheinlich Teil des Fußbodens des Hauses war. Ein Sandstein mit Inschrift „RASCHE“ in der Nähe des Turms könnte zudem von der Burg Falkenstein stammen, die im 19. Jahrhundert im Besitz der Familie von Gienanth war. Der Bau des vorhandenen Gewächshauses mit Klinkern wird auf die Mitte des 19. Jahrhunderts geschätzt. Die noch erhaltene kreisrunde Brunnenschale mit Wasserspiel befindet sich in der ehemaligen zentralen Gartenachse unmittelbar vor der Terrasse des Herrenhauses. Wahrscheinlich stammt er aus der intensiven Gestaltungsphase des Parks in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, denn 1880 ist der Standort des Brunnes bereits eingezeichnet. Die ehemaligen Vegetationsflächen sind heute nur noch ansatzweise erhalten und stark mit Bäumen und Gehölz durchsetzt. Das historische Wegenetz mit dem axialen Wegeverlauf und runden Platz- und Wegeflächen zeichnet sich heute noch anhand von Verfärbungen in der heutigen Rasenfläche ab.

Im nördlichen Teil sind, analog zum südlichen Teil, mehrere gusseiserne Elemente zu finden, wie eine Sitzbank, Pflanzschalen oder gusseiserne Statuen, die möglicherweise als Gartenleuchten dienten. Die Entstehung dieser Kunstwerke ist auch auf die Entstehungszeit des Parks in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu datieren. Mit großer Wahrscheinlichkeit stehen die Objekte jedoch nicht mehr an ihrem historischen Standort. Auch der frühere Pavillon der Parkanlage ist heute nicht mehr erhalten, nur noch die ehemalige Einfassung ist zu erkennen. Das Wegesystem im nördlichen Teil der Anlage ist zudem heute fast nicht mehr zu erkennen. Durch eine Bepflanzung mit neuen Bäumen und dem Bau eines Pools sind die Grundzüge der Anlage deutlich überformt worden.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Parkanlagen des Gienanthschen Herrenhauses liegen auf dem Areal der ehemaligen Eisenschmelz, etwa einen Kilometer nördlich von Winnweiler-Hochstein. Der Park erstreckt sich südlich und nördlich von dem ehemaligen Herrenhause. Einzelne Gestaltungselemente sind heute noch erhalten. Die Anlage befindet sich in Privatbesitzt.

Literaturverzeichnis

  • Koppelmann, Andreas (2013). Parkanlage Eisenschmelz, Winnweiler-Hochstein Mainz.
  • Koppelmann, Andreas (2013). Gartenhistorische Untersuchung Parkanlage Eisenschmelz Mainz.
  • W.R. (2012). Parks, Wildparks, Gartenanlagen der Familie (von) Gienanth o.O.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 35“ 7′ N, 7° 50“ 30′ O

Datierung:
1742

Kategorie:

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  • Barrierefreiheit
  • Parkplatz
  • Familiengeeignet

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