Ritterstein „Ehem. Grafenthaler Hof“

Alternative Bezeichnungen: Ritterstein Nr. 291

Der Ritterstein „Ehem. Grafenthaler Hof“ (Ritterstein Nr. 291) befindet sich circa. 2.000 Meter nordwestlich von Otterberg. Beim Parkplatz an der Ostseite der L 382 von Otterberg nach Schneckenhausen.

Thematische Einordnung

„Ehem. Grafenthaler Hof“ ist ein Ritterstein aus der Kategorie „Eingegangene Siedlungen“. Mit den Rittersteinen aus dieser Kategorie soll an Orte erinnert werden, wo einst Menschen in einsamen Gegenden des Pfälzerwaldes gelebt und gearbeitet haben. Der Ritterstein nennt den Namen und den Ort der Wüstung. Heute sind es meist verlassene oder zerfallene Ruinen mit verwilderten Gärten und Feldern oder sie sind gänzlich verschwunden.

Spezifische Einordnung

Die Reste des Grafenthalerhofes liegen an der Landstraße 382 zwischen Otterberg und Schneckenhausen, in den nördlichen Ausläufern des Pfälzerwaldes. Am 01. Januar 1978 verpachtete der Eigentümer, die Landesforstverwaltung Rheinland-Pfalz, insgesamt 0,6 Hektar Fläche an die Stadtverwaltung Otterberg. Auf diesem Gelände stand das ehemalige Forsthaus, welches Ende 1977 abgerissen wurde. Von diesem Gebäude sind nur noch Reste der ehemaligen Scheune und des Stalls vor dem Abriss verschont geblieben. Sie wurden in einen Grill- und Rastplatz umgebaut.

Gründer des ehemaligen Grafenthalerhofes war der Pottschbrenner Andreas Schmitt aus Otterberg. Er hatte damals um ein Stück „wüst Felds“ im sogenannten „Grobenthal“ gebeten, um darauf ein Wohnhaus zu errichten mit dazugehörigen Feldern. Zu dieser Zeit war der spätere Hof im Besitz des ehemaligen Klosters Otterberg. Laut Aufzeichnungen vom 26. Februar 1712 erhielt der Pottaschbrenner Schmitt das verwilderte Gebet für 20 Jahre. Zudem durfte er 15 Morgen Wiesen und 90 Morgen Felder anlegen und seinen Hof mit dazugehöriger Scheune und Stallung errichten. Von 1733 bis 1776 waren dann mehrere Eigentümer und Teilhaber urkundlich eingetragen. Im Jahr 1778 wurde der Hof versteigert und ging in den Besitz von Philipp Herbrand aus Otterberg. Zu dieser Zeit bestand das Hofgut aus zwei Häusern, zwei Scheunen und mehrere Stallungen. Auf dem circa 90 Morgen Ackerland, welches aus Sandboden bestand, konnten jedoch nur Sommerfrüchte angebaut werden. Nach der Einnahme der linksrheinischen Pfalz in das französische Kaiserreich wurde das Hofgut säkularisiert und anschließend in Mainz versteigert. Der vorherige Besitzer Herbrand konnte den Hof  für 2.585 Francs wieder ersteigern.

Bis ins Jahr 1845 erfuhr das Hofgut zahlreiche Besitzerwechsel, bis sein letzter Besitzer, Philipp Wasem, den gesamten Hof an den königlich bayrischen Staat für 13.200 Gulden verkaufte. Die damalige Forstverwaltung war sehr erfreut über den Neuerwerb des Gehöfts, da dieses zu einer Abrundung der Forstreviere führte und das Wohnhaus nach einer Renovierung als Forsthaus eingerichtet werden konnte. Das untere Hofhaus, samt seiner Nebengebäude, wurde im Jahr 1847 zum Abriss versteigert. Zunächst gehörte das als „Forstgehilfenwohnung“ bezeichnete Forsthaus zum Forstamt Kaiserslautern. Im Zuge einer Umorganisierung des bayerischen Forstwesens, kam es 1886 bis 1877 an den Forstwärter (später Förster) Anselm Demuth. Auf Grund von nassen Wänden wurde das Haus jedoch im Jahr 1913 als nicht mehr bewohnbar angesehen und musste saniert werden. In den 1930er Jahren erfuhr das Forstgebäude dann zahlreiche Verbesserungen, so wurde z. B. die am Forsthaus vorbeiführende Straße aus Verkehrssicherheitsgründen begradigt, das Forsthaus an das elektrische Stromnetz angeschlossen und die alte mechanische Wasserpumpe, die das Wasser von der nahen gelegenen Quelle ins Forsthaus pumpte, durch eine elektrische Pumpe ersetzt. Das frühere Ackerland wurde über die Jahre aufgeforstet, da die Bewohner kaum noch Landwirtschaft betrieben. Die übrig gebliebenen 5,42 Hektar Acker- und Wiesenfläche sind heute verpachtet.

Der letzte Förster auf dem Grafenthalerhof war Ernst Klug, er lebte in dem Gebäude bis kurz vor dessen Abriss im Jahre 1977. Zur Erinnerung an das alte Forsthaus stellte der PWV im Dezember 1987 einen Ritterstein aus und sanierte 2011 gemeinsam mit dem Forstamt Otterberg den Grafenthaler Brunnen.

In dem Artikel „Rittersteine im Pfälzerwald“ erfährst du mehr über die Systematik, Verbreitung und Historie der Rittersteine!

Literaturverzeichnis

  • Eitelmann, W. (2005). Rittersteine im Pfälzerwald – Gedenksteine und Inschriften. Lambrecht.
  • Zeitz, Frank (2006). „Ein einsam Licht im dunklen Forst“ o.O.

Quellenangaben

    Artikel-Historie

    Koordinaten:

    49° 31“ 20′ N, 7° 45“ 26′ O

    Baustil:

    Unbekannt

    Datierung:
    1987

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