Ehemaliges Kloster Rothenkirchen bei Kirchheimbolanden

Alternative Bezeichnungen: Rothenkircherhof

Das ehemalige Kloster Rothenkirchen, von dem heute nur noch wenig vorhanden ist, ist ein in einem sehr guten Zustand überkommenes, einheitliches und qualitätvolles Beispiel oberrheinisch-wormsischer Architektur und ein überregional bedeutendes Denkmal.

Geschichte

Im Jahr 1160 gründeten Werner II. von Bolanden (1134-1190) und seine Frau Guda von Weisenau ein Prämonstratenserinnenkloster an der Stelle, wo zuvor eine Waldkapelle des Frauenklosters Neumünster bei Ottweiler stand. Das Kloster wurde bewohnt von Nonnen aus dem Kloster Hane. Bereits 20 Jahre später kehrten die Nonnen dort hin zurück, im Tausch mit den Prämonstratensern von Hane, die dort die Konventsgebäude teilweise neu errichteten. Außerdem bauten diese 1258 eine Kirche, die dem hl. Stephan geweiht wurde. Auf die Bolander folgten 1288 die Grafen von Sponheim als Vögte. 1393 übernahmen die Grafen von Nassau-Saarbrücken. In der darauffolgenden Zeit setzte in der Mitte des 15. Jahrhunderts ein Niedergang ein, den die Plünderung im Bauernkrieg von 1525 beschleunigte. Als Reaktion auf die Reformation wurde die Anlage 1554 in ein nassauisches Hofgut umgewandelt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Anlage verwüstet.

Die Überreste der Gebäude des ehemaligen Klosters wurden nach und nach durch Ökonomiegebäude ersetzt. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts wurde der Hof durch die Landesherren verpachtet und die Besitzer wechselten in dieser Zeit mehrfach. 1953 kam es zum Verkauf der Anlage an die BASF Ludwigshafen, wodurch schließlich 1961 alle Gebäude bis auf das ehemalige Refektorium und ein bäuerliches Wohnhaus aus dem 19. Jahrhundert abgerissen wurden. 1990 Ging der Hof dann in den Besitz der Stadt Kirchheimbolanden über. Das, was vom Kloster übriggeblieben ist, steht seit 1999 unter Denkmalschutz.

Heute befindet sich auf dem Hof ein in Reiterkreisen überregional bekanntes Reha- und Ausbildungszentrum für Pferde und eine Kleintierpraxis. Dementsprechend wurde die Anlage durch Flächen für den Reitsport erweitert.

Objektbeschreibung

Von dem ehemaligen Kloster ist heute noch das einstige Refektorium vorhanden. Es ist ca. 25m breit und 8,4m lang. Der spätromanische Rechteckbau besteht aus sorgfältigem Rotsandsteinquadermauerwerk, wodurch der Hof auch seinen Namen erhielt. Die Südwand ist abgeschrägt und enthält ungegliederte Strebepfeiler. Am dritten Joch springt eine rechteckige Lesenische mit Rundfenster und steinernem Pultdach hervor.

Auf der Nordseite befindet sich im zweiten Joch von Westen das Rundbogenportal mit gestuften Gewänden und einer lateinischen Inschrift am Tympanon.

Das Innere des Gebäudes gliedert sich in eine zweischiffige Halle mit zwölfjochigem Kreuzgewölbe auf fünf Säulen. Westseitig an das Refektorium angebaut wurde ein heute noch gut erhaltenes doppelgeschossiges Wohnhaus unter Satteldach mit Krüppelwalm. Über dem Eingang auf der Südseite ist die Inschrift „Heinrich Schwab 1854“ zu lesen, was das letzte Zeugnis ist für die jahrhundertelange Nutzung als Bauernhof.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Der Rothenkirchenhof befindet sich zwar auf der Gemarkung Kirchheimbolanden, liegt jedoch einige Kilometer nordwestlich von der Stadt. Folgt man der L386 und biegt dann auf die L399 ab, erreicht man den Hof in knapp zehn Minuten. Der Hof befindet sich inmitten einer Rodungsinsel in einsamer Lage am Wiesbach.

Literaturverzeichnis

  • Barbara Till (2020). Ein Bebauungsplan für den Rothenkircherhof – mit Auflagen Rheinpfalz.
  • Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.) (1998). Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 15: Donnersbergkreis Worms.
  • Generaldirektion kulturelles Erbe (2018). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler Donnersberg Mainz.

Quellenangaben

    Artikel-Historie

    Koordinaten:

    49° 40“ 59′ N, 7° 57“ 58′ O

    Datierung:
    1160

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