Unterhammer im Karlstal bei Trippstadt

Alternative Bezeichnungen: Ehemaliges Eisenhammerwerk in Trippstadt, Hackesche Werke

Die Gründung des unteren Eisenhammerwerks geht auf den Freiherrn Ludwig Anton von Hacke (1682-1752) im Jahr 1727 zurück. 1804 wurden die Werke an die Familie Gienanth verkauft, welche sie Mitte des 19. Jahrhunderts zum wirtschaftlichen Höhepunkt führten. Mit der Industrialisierung und der Erfindung der Dampfmaschine veränderte sich allerdings ab 1860 schlagartig die Situation. Heute stehen am Unterhammer in Trippstadt noch das Herrenhaus, das Wirtschaftshaus, die zwei Stallungen (früher Kohlenschuppen) und das Turbinenhaus.

Geschichte

Die Gründung der ehemaligen Eisenhammerwerke im Karlstal bei Trippstadt geht auf den Freiherrn Ludwig Anton von Hacke im Jahr 1727 zurück. Er ließ das Hammertal mit der „Eisenschmelz“, dem Unteren Hammer, dem Mittleren Hammer und dem Oberen Hammer errichten. Der Pfälzerwald bot für eine Eisenproduktion ideale Standortvorteile: Holz für die Holzkohle und fließendes Wasser zum Antrieb der Mühlen.

Sein Sohn Karl Josef übernahm die Hammerwerke und verpachtete sie ab den 1770er Jahren an die Familie Gienanth. Diese war zum damaligen Zeitpunkt bereits Pächter bzw. Käufer von mehreren Hammerwerken und Gruben in der Region. Im Jahr 1804 ersteigerte die Familie Gienanth auch die Hackeschen Werke im Karlstal. So besaßen sie um die Jahrhundertwende eines der größten deutschen Eisenhüttenkonzerne mit drei Hochhöfen. Ihre Werke lagen in Trippstadt, Eisenberg, Hochstein und ab den 1830er Jahren auch in Schönau.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung in den Hammerwerken. Man ließ beispielsweise Straßen bauen, die vom Hammertal nach Kaiserslautern führten. Darüber hinaus investierte die Familie stark in das Werk am Unterhammer:

  • 1807 wurde im unteren Hammer ein Walzwerk eingerichtet
  • 1824 wurde er an der Stelle des früheren Hammers ein Walzwerk und eine Schmiede erbaut
  • 1824 wird der Hochofen in Betrieb genommen
  • 1825 erbaute man das Blechwalzwerk
  • 1827 erbaute man das Schneidewerk

Die Eisenwerke im Karlstal produzierten Bleche, Schmiedeeisen, Träger, Säulen, Schienen, Öfen, Herde und Kunstgusswaren.

Im Jahr 1821 errichtete die Familie Gienanth das Herrenhaus auf dem unteren Hammer. Außerdem erwarb sie im Jahr 1833 das Trippstadter Schloss. Den Höchststand der Blechproduktion wurde im Jahr 1850 erreicht. Es waren 15 Wasserräder in Betrieb und 1.000 Beschäftigte angestellt. Für diese wurde sogar eine Betriebskrankenkasse eingeführt.

Ab 1860 kam es zu einem starken Preisverfall bei Blechen. Zurückzuführen war dies auf moderne Produktionsmethoden (Dampfmaschine), die im Zuge der Industrialisierung aufkamen. Der Wald und das fließende Wasser waren keine zwingend notwendigen Standortfaktoren mehr. Außerdem fehlte eine Anbindung an das Eisenbahnnetz.

Die Familie Gienanth verkaufte hieraufhin im Jahr 1865 das Trippstadter Schloss sowie den dazugehörigen Wald. Den Ertrag hiervon investierte man in die Gründung eines Stahlwerks in Kaiserslautern. Die Anlagen in Trippstadt wurden vermutlich stillgelegt und verkauft.

Ab 1870 dienten die umgebauten Gebäude als Beamtenerholungsheim. Im Jahr 1944 wurde auf Initiative des Kaiserslauterer Krankenhauses ein Entbindungsheim eingerichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) dienten die Gebäude für 15 Jahre der Arbeiterwohlfahrt als Sanatorium. Seit Mitte der 1970er Jahre ist das Anwesen in Privatbesitz. Seit Ende der 1990er Jahre ist dort ein Wellness-, Gesundheits- und Sportzentrum zu finden. Das Herrenhaus und die Stallungen sind seit 2007 Wohngebäude. Außerdem sind im Unterhammer ein Café und ein großer Saal für Feste und Feiern sowie eine Brauerei vorzufinden.

Gelände- und Baubeschreibung

Am Unterhammer in Trippstadt steht noch heute ein Ensemble aus fünf Gebäuden. Zu diesem zählen das Herrenhaus, das Wirtschaftshaus (früher Uhrenhaus genannt), die zwei Stallungen (früher Kohlenschuppen) und das Turbinenhaus.

Das zweistöckige Herrenhaus aus Sandstein steht direkt entlang der Straße. Das Gebäude besitzt in der Breite 16 Fenster. Die Gitter vor den Fenstern entstammen aus der eigenen Eisenproduktion. Heute sind in dem Herrenhaus Ferienwohnungen untergebracht. Hinter dem Herrenhaus stehen ehemalige Remisen und Stallungen.

Auf der anderen Seite der Straße befindet sich ein Weiher – die aufgestaute Moosalb. Von diesem wurde das Wasser durch einen Kanal zu den Wasserrädern geleitet. Diese Wasserräder setzten wiederum die Hämmer und Blasbälge in Bewegung. Über dem Kanal befinden sich auf der Brücke ein altes Fenster und ein altes Wasserrad. Sie sind die einzigen Überreste der frühindustriellen Anlage zur Verarbeitung des Roheisens.

Das Gebäude mit dem Uhrentürmchen auf dem Dach war das damalige Wirtschaftshaus. In dem zweigeschossigen Gebäude sind heute ein Café und ein Gesundheitszentrum untergebracht. Außerdem ist noch die ehemalige Kohlescheune erhalten, welche heute als medizinisches Fitnessstudio dient.

Am Wirtschaftshaus erstreckt sich ein Park, in welchem die Geschichte vom Unterhammer veranschaulicht wird. Vier Kilometer talabwärts liegt an der Moosalb eine weitere Eisenschmelze mit Walzwerk. Auch diese gehörte zur Eisenproduktion der Familie Gienanth. Sogar die Verbindungsstraße zwischen diesen beiden Werken wurde von der Familie Gienanth gebaut.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Der Unterhammer liegt unmittelbar an der L 500 im Karlstal westlich von Trippstadt und südlich von Stelzenberg. Er liegt inmitten des Pfälzerwaldes und ist sowohl mit dem PKW als auch zu Fuß verbunden mit einer Wanderung zu erreichen. Trippstadt liegt ungefähr 10 Kilometer südlich der Stadt Kaiserslautern.

Literaturverzeichnis

  • Koch, Helmut (1971). Das Werden der Eisenindustrie in der Pfalz. In: Kaiserslautern, Stadt und Land. 1971, Nr. 2, S. 13-17. o.O.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Lage:

Unterhammer 3
67705 Trippstadt

Koordinaten:

49° 21“ 39′ N, 7° 44“ 24′ O

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1727 bis Anfang der 1860er Jahre

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