Burgruine Michelsburg bei Haschbach

Alternative Bezeichnungen: St. Michaelsburg

Die ganzjährig frei zugänglichen Reste der Michelsburg befinden sich auf dem Remigiusberg unweit der Gemeinden Haschbach und Theisbergstegen. Unmittelbar neben der Burg befindet sich die ehemalige Benediktinerpropstei des Reimser Remigiusklosters.

Geschichte

Eine Burganlage auf dem Remigiusberg wurde erstmals im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Dies geschah im Zusammenhang mit der Gründung der Propstei St. Remigius im Jahr 1127, in welcher es heißt, dass die Benediktinermönche auf dem Remigiusberg eine erbaute Befestigung gekauft und nach Abriss der Burg an der Stelle ihre Klosterbauten errichtet hatten. Man nimmt also an, dass sich die frühe Burganlage einst auf dem heutigen Propsteigelände befunden haben muss. Von wem und wann diese dort erbaut wurde, ist nicht bekannt. Im Jahr 1260 wurde eine Burg am Standort der heutigen Michelsburgruine erwähnt.

Die Erbauung dieser zweiten neuen Burg war wohl auf Erbstreitigkeiten nach dem Tod des letzten Grafen der ersten Veldenzer Linie, Graf Gerlach V. zurückzuführen. Die Veldenzer erhielten das Remigiusland vom Pfalzgrafen als Lehen. Graf Gerlach V. verstarb vor der Mündigkeit seiner Tochter, sodass zwei Verwandte Ansprüche auf die Vormundschaft erhoben. Diese waren der Großvater Graf Heinrich II. von Zweibrücken und ihr Großonkel Wildgraf Emrich.

Im Laufe dieser Erbauseinandersetzungen, beschloss Graf Heinrich II. von Zweibrücken eine eher provisorische hölzerne Burg auf klösterlichem Eigentum zu errichten, was bei den Benediktinern keinen Gefallen fand. Vor allem befürchtete der Klostervorsteher, die Anlage diene allein der Unterdrückung des Klosters. Daher sah sich der Graf von Zweibrücken veranlasst, dem Abt des Klosters zu versichern, dass diese Wehranlage nur temporär errichtet und nach Beendigung des Streits mit dem Wildgrafen wieder abgebrochen werde. Der Abt sollte allerdings recht behalten, denn die Holzburg wurde nach Beilegung des Erbstreits nicht wie versprochen zerstört, sondern vielmehr durch einen Steinbau ersetzt und in den folgenden Jahrzehnten weiter ausgebaut.

Die Michelsburg diente bis zum Aussterben des Veldenzer Grafenhauses im Jahre 1444 den Mitgliedern der Familie als Wohnsitz. Darauf verweist auch die Tatsache, dass die unmittelbar benachbarte Klosterkirche zur Grablege der Veldenzer wurde. Die Burg fiel nun zusammen mit der Grafschaft Veldenz an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken.

Im Jahr 1634 wurde das Umland der Michelsburg von der Pest heimgesucht, sodass wohl aus diesem Grunde die Herrschaft spätestens im Jahr 1637 den Remigiusberg verließ. Außerdem nimmt man an, dass die Burg im weiteren Verlauf des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) oder im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) auch baulich großen Schaden genommen hat.

Nach dem Einmarsch französischer Truppen beschlagnahmte die Verwaltung der Französischen Republik 1796 die Burg als Nationalgut und soll 1803 an Private versteigert worden sein. Zwischen 1903 und 1926 diente das Gelände zwischen Kloster und Burg als Steinbruch (heute Parkplatz). Dies führte zur vollkommenen Zerstörung der Westseite der Kernburg.

1972 bis 1974 wurden wenig fachgerechte Bestandssicherungsarbeiten durchgeführt. Seit 1997 bemüht sich eine private Initiative um die Erhaltung der Ruine.

Baubeschreibung

Die Burg war im Osten und Westen durch Halsgräben und im Norden durch einen weiteren, weniger tiefen Graben geschützt. Eines solchen Abstandshindernisses bedurfte es im Süden nicht, da hier die Bergflanke zum Tal hin sehr steil abfällt.

Die Anlage bestand aus einer oberen und einer unteren Burg. Die Unterburg umgab die Oberburg auf der Süd- und Westseite. Der Westteil der Burg ist aufgrund der Nutzung als Steinbruch im 20. Jahrhundert abgetragen.

Oberburg

Auf dem obersten Burgplateau (30 Meter lang und 15 Meter breit) stand die kleine, ringsum ummauerte Oberburg. An der Ostseite erhebt sich die etwa 20 Meter hoch aufragende Bruchsteinschildmauer über dem Halsgraben. Sie ist am Fuß dreieinhalb bis vier Meter dick.

Wohl der begrenzten Grundfläche geschuldet stieß an die Südostecke der Schildmauer ein Gebäude an. Es nahm die gesamte Südseite ein. Große, heute ausgebrochene Fensteröffnungen mit Stufengiebeln lassen einen Wohnbau erahnen.

Der südwestliche Bereich der oberen Ringmauer ist nur noch rudimentär erhalten. Im Gegensatz dazu ist an der Nordseite noch aufgehendes Mauerwerk vorhanden. Konsolen (Tragsteine) an der Innenseite der Nordmauer zeugen von einem einst hier stehenden Gebäude in der Hauptburg.

Nördliche Unterburg

Entlang der Nordseite der Oberburg erstrecken sich, mehrere Meter tiefer gelegen, die Reste einer langestreckten vorburgartigen Zwingeranlage, die mit Geschütztürmen bzw. Rondellen des späteren 15. oder 16. Jahrhunderts gesichert war. An der Nordwestseite ist ein gerundeter Stumpf eines solchen flankierenden Werkes erhalten geblieben.

Der Südzwinger

Südlich unterhalb des Wohngebäudes der Oberburg, sind die Reste einer Zwingermauer zu sehen. Ein stark verstürzter Flankierungsturm ist am Südende des Halsgrabens beziehungsweise am Beginn des Südzwingers zu erahnen.

Heute steht die Burganlage unter Denkmalschutz.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Burgruine Michelsburg liegt auf dem Remigiusberg in unmittelbarer Nachbarschaft der ehemaligen Propstei. Der Remigiusberg befindet sich zwischen den Orten Haschbach am Remigiusberg und Theisbergstegen nahe Kusel. Per PKW oder auch für Wanderfreunde sind die ehemalige Propsteikirche und die benachbarte Burgruine zu erreichen. Ein kostenloser Parkplatz befindet sich zwischen Burg und Kirche. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Kusel, Rammelsbach oder Altenglan.

(nach Jürgen Keddigkeit, Bezirksverband Pfalz, 2018)

Literaturverzeichnis

  • Dick, Helmut (1997). Chronik der Michelsburg auf dem Remigiusberg. Theisbergstegen.
  • Dick, Helmut; Schöpfer, Erwin (2002). Aspekte zur Baugeschichte der Propstei und der Michelsburg auf dem Remigiusberg. In: Westricher Heimatblätter 33, S. 149-187, o.O.
  • Gärtner, Peter (1854). Geschichte der bayerisch-rheinpfälzischen Schlösser und dieselben ehemals besitzenden Geschlechter nebst den sich daran knüpfenden romantischen Sagen. Band 1. S. 240 f, Speyer.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe (2016). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreis Kusel. Rheinland-Pfalz.
  • Hamm, Christian (1992). Die St. Michaelsburg auf dem Remigiusberg. In: 1000 Jahre Theisbergstegen 992-1992, S. 87-91, Rammelsbach.
  • Hinkelmann, Daniel (1971). Die Michelsburg und die Remigiuskapelle auf dem Remigiusberg. In: Westricher Heimatblätter 2, S. 83-91, o.O.
  • Keddigkeit, Jürgen; Untermann, Matthias / Keddigkeit, Jürgen et alteri (Hrsg.) (2015). Remigiusberg, St. Remigius. In: Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3, S. 640-663, Kaiserslautern.
  • Königstein, Alfons (1999). Die Michelsburg, ihre Bewohner und das Fürstentum Pfalz-Veldenz. In: 850 Jahre Haschbach am Renigiusberg, S. 75-83, Koblenz.
  • Kühn, Hans Joachim; Schon, Martine; Losse, Michael / Keddigkeit, Jürgen; Übel, Rolf; Burkhart, Ulrich (Hrsg.) (2005). Michelsburg. In: Pfälzisches Burgenlexikon, Band 3, S. 558-570, Kaiserslautern.
  • Lanzer, Rudi (1973). Um die trutzige Michelsburg auf dem Remigiusberg. In: Westricher Heimatblätter 4, S. 97-101, o.O.
  • Naeher, Julius (1887). Die Burgen der rheinischen Pfalz. Ein Beitrag zur Landeskunde und mittelalterlichen Kriegsbaukunst. S. 26-27, Straßburg.
  • Pfälzische Kreisgesellschaft des bayerischen Architecten- und Ingenieur-Vereins (Hrsg.) (1893). Die Baudenkmale in der Pfalz. Band 3. S. 228-236, Ludwigshafen am Rhein.

Quellenangaben

    Artikel-Historie

    Koordinaten:

    49° 31“ 17′ N, 7° 26“ 24′ O

    Baustil:

    Unbekannt

    Datierung:
    12./13. Jahrhundert

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