Burg Hohenecken auf dem Schlossberg

Die Burganlage Hohenecken liegt auf dem 376 Meter hohen Schlossberg im gleichnamigen Stadtteil Kaiserslauterns. Sie wurde in der Stauferzeit zwischen 1150 und 1250 errichtet. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie im Jahr 1277. Sie liegt in Spornlage am Ende eines langgezogenen Bergrückens und wurde im Pfälzischen Erbfolgekrieg 1688 zerstört. Die Ruine gilt unter Experten als eine der sehenswertesten Burgen der Stauferzeit und bietet einen lohnenswerten Ausblick über die Umgebung. Sie ist daher heute ein beliebtes Ausflugsziel.

Geschichte

Über die frühe Geschichte und das Gründungsdatum der Burg ist nur wenig bekannt. In der älteren Literatur wird davon ausgegangen, dass die Burg direkt nach dem Neubau der Barbarossaburg in Kaiserslautern 1156 errichtet wurde. Neuere Befunde deuten auf eine Bauzeit um 1200 hin.

Mit Burg Hohenecken und der dazugehörigen Herrschaft waren wohl seit Beginn einflussreiche Reichsministeriale belehnt, die ursprünglich im Raum Worms beheimatet waren und sich seit 1162 im Raum Kaiserslautern aufhielten. Siegfried II. ist das erste urkundlich erwähnte Familienmitglied, das sich nach Burg Hohenecken benannte. Die Familie Lautern-Hohenecken übte sowohl in Kaiserslautern, als auch in Oberitalien hohe Ämter aus und besaß umfangreiche Rechte. Die Herrschaft bestand aus 4000 Hektar Rodungsland und den umliegenden Dörfern bis nach Erfenbach im Norden. Trotz der politisch-wirtschaftlichen Machtfülle verfügten die Hoheneckener nicht über das Bestimmungsrecht über ihre Burganteile oder die Rechtsgeschäfte. Erst Mitte des 13. Jahrhunderts erlangten sie Verfügungsfreiheit über ihren Eigenbesitz.

Ende des 13. Jahrhunderts kam es zum Verlust öffentlicher Funktionen und zu wirtschaftlichen Einbußen, was zum politischen und wirtschaftlichen Niedergang der Hohenecker führte. Zeitgleich setzten erstmals Bemühungen der aufstrebenden, hochadeligen Territorialherren ein das Gut der Hohenecker zu schmälern. Der Graf von Leiningen und der Trierer Erzbischof bemühten sich beispielsweise in den Folgejahren vergeblich in den Besitz der Burg zu gelangen.

Hohenecken war zu Beginn des 14. Jahrhunderts zur Ganerbenburg geworden, das heißt die Burg wurde zum „Mehrfamilienhaus“, das mehrere Besitzer aufwies. Die Burggemeinschaft änderte und vergrößerte sich durch Vererbung, Einheirat, Verpfändung und Verkauf mehrfach in ihrer Zusammensetzung mit bis zu fünf Anteilseignern.

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts verringerten sich zunehmend die Einflussmöglichkeiten der Hohenecker auf Burg und Herrschaft, da sie einen herben wirtschaftlichen Schlag zu verkraften hatten. König Ludwig verpfändete 1321 das Reichsland an die Kurpfalz wodurch den Hoheneckern bis 1357 das Geleitrecht komplett entzogen wurde. Zwischen 1369 und 1373 erzwangen Erzbischof und Graf schließlich das Öffnungsrecht für die Besitztümer der Hohenecker.

1394 schloss die Stadt Kaiserslautern mit den Hoheneckern einen Vertrag, der die Hohenecker verpflichtete, den Kaiserslauterern „Zuflucht, Einlass und Auslass“ zu gewähren. Im Gegenzug gingen auch die Lauterer Bürger ähnliche Verpflichtungen ein.

Die Familie Hohenecken konnte jedoch nicht gänzlich von der Burg verdrängt werden. Im Jahr 1442 wurde Jost von Hohenecken mit der gesamten Burg und ihren Zubehörden belehnt. 1481 ging ein Viertel der Burg in den Besitz der Pfalzgrafen über.

Die nächsten Jahrzehnte verliefen in ruhigen Bahnen, bis zum Bauernkrieg 1525. Ein Bauernheer mit über 1000 Mann drang in Kaiserslautern ein und besetzte die Burg Hohenecken wohl kampflos. Ob das Bauwerk dadurch zerstört wurde ist unklar. Im Jahr 1560 fanden jedenfalls Um- und Neubaumaßnahmen statt. Von den Pfalzgrafen als Anteilseigner der Burg, konnte man sich im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) mit Hilfe der verbündeten Lothringer entledigen, musste allerdings erhebliche kriegsbedingte Schäden verzeichnen.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg fand die Burg ihr Ende, als sie im September 1688 durch französische Soldaten besetzt und später gesprengt und niedergebrannt wurde. 1733 tauschte Franz III. von Lothringen die Burg und die Herrschaft gegen andere Güter mit der Kurpfalz, in deren Besitz sie bis zur Französischen Revolution (1789-1799) verblieb. Als ehemaliges Nationalgut gelangte die Ruine 1816 in den Besitz des Königreichs Bayern und 1948 in den des Landes Rheinland-Pfalz. Heute ist die Burg Eigentum der Stadt Kaiserslautern.

Baubeschreibung

Die gesamte Burganlage misst ungefähr 50 mal 90 Meter und ist zweigeteilt in eine ältere Oberburg (Grundfläche 25 mal 40 Meter) und eine sie umgebende Unterburg. Heute beeindrucken die teilweise noch mehrere Stockwerke aufragenden Wehr- und Wohnbauten, der Oberburg, die weitgehend dem 13. Jahrhundert zuzurechnen sind. Bis Ende des 17. Jahrhunderts wurden sie als das „obere Schloss“ und der „obere Stock“, welche die Hohenecker das „kayserliche Lehenhauß“ nannten, bezeichnet.

Die Oberburg besitzt eine mächtige ehemals drei Meter starke, 25 Meter lange und heute noch elf Meter hohe Schildmauer und einen fünfeckigen Bergfried. Die Schildmauer wurde während eines Umbaus zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet, um die dahinter liegenden Gebäude der Oberburg zu schützen. Später wurde die Mauer erhöht und die keilförmige Spitze des Bergfrieds integriert. Dieser freistehende  Turm ist der älteste Wehrbau von Burg Hohenecken. Der Turm wurde durch Beschuss und vor allem durch die Sprengung im Jahr 1689 stark beschädigt, sodass lediglich die mit Buckelquadern verkleidete Frontseite neun Meter hoch erhalten blieb. Der heute noch 20 Meter hohe Turm maß wohl acht mal acht Meter und im Inneren 3,6 mal 3,6 Meter.

Die Wohnbauten der Oberburg bestehen aus einer dreiflügeligen, hufeisenförmigen Wohnanlage, die ebenfalls durch die Explosion in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Ostabschluss des Nordpalas und die Ringmauer sind fast gänzlich verschwunden. Zahlreiche, unregelmäßig angeordnete, teils gerade, stich- und rundbogige Fenster und Türen sind erhalten, sowohl zum Hof, als auch zur nördlichen Außenseite hin. Zugang zum ersten Obergeschoss erfolgte von der Südseite über hölzerne Aufgänge. Besonders sehenswert sind hier neben zwei Türöffnungen zwei gekuppelte romanische Rundbogenfenster mit Dreiviertelsäulchen am Mittelpfosten und Laubwerkskapitell.

Der zweite Teil der Wohnbauten ist ein westlicher Quertrakt, der wahrscheinlich den Küchenbau beinhaltete. Beleg hierfür ist ein eingebauter, teilweise durch mehrere Geschosse laufender Kamin.

Den dritten Teil bildet ein polygonales Gebäude im südlichen Teil, erbaut zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert. Ein Umbau fand im 16. Jahrhundert statt, was Renaissancefenster und Türgewände, die gotische Bauteile ersetzten, belegen. Im Nordosten dieses Gebäudeteils schließt sich ein 1560 erbauter polygonaler Renaissancetreppenturm mit Schneckenstiege an. In der Südostecke zwischen Bergfried und Schildmauer liegt ein verschütteter Brunnen, der 1936 noch eine Tiefe von 30 Metern aufwies und heute von einer modernen Brunnenummauerung umgeben ist.

Die Unterburg wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und zuletzt nach Osten erweitert. Seit dem 15. Jahrhundert handelte es sich wahrscheinlich um eine teilweise bebaute und große umfriedete Fläche. Eine umlaufende, mehrfach abgeknickte Zwingermauer aus Bruchsteinen ist lediglich auf der Nordwestseite erhalten. Eine Bebauung zwischen Oberburg und Zwingermauer ist nicht mehr erhalten. Lediglich Fundamente eines rechteckigen Flankierungsturms sind erhalten, welcher zwischen dem 15. und 16. Jahrhundert errichtet wurde sowie Teile der Giebelwand eines Dienstgebäudes aus dem 16. Jahrhundert. Ein Torbau des 15. oder 16. Jahrhunderts mit Torbogen, dem Wappen der Hohenecker und der eingemeißelten Jahreszahl 1560, die auf die Umgestaltung der Burg in diesem Jahr hinweist, sind im Osten zu erkennen. 

Pflege und Erhaltung

Einige Bauten fielen den Restaurierungen und Aufräumarbeiten 1875 und 1905 zum Opfer, so dass heute eine große, hofähnliche Freifläche den östlichen Vorplatz vor der Kernanlage prägt.

Die Burgruine Hohenecken steht unter Denkmalschutz. 

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Die Burg liegt im Südwesten Kaiserslauterns im Stadtteil Hohenecken und ist ganzjährig frei zugänglich. Von der Ortsmitte des Kaiserslauterer Vorortes führt ein Fußweg vorbei an der Rochuskapelle und der katholischen Pfarrkirche hinauf zur Burgstelle. Ein flacherer Fußweg führt von Kaiserslautern durch den Wald zur Burg. Eine direkte Anfahrt mit dem PKW ist nicht möglich.

Literaturverzeichnis

  • Herrmann, W. (2015). Auf rotem Fels: Ein Führer zu den schönsten Burgen der Pfalz und des elsässischen Wasgau. Karlsruhe.
  • Keddigkeit, J. (2010). Burg Hohenecken. Kaiserslautern.
  • Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Stadt Kaiserslautern (Denkmalverzeichnis Stadt Kaiserslautern, 14. Aug. 2017). S. 18 Koblenz.
  • Keddigkeit, J., Burkhart, U. und Übel, R. (Hrsg.) (2007). Pfälzisches Burgenlexikon Band 2. Im Auftrag des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 24“ 53′ N, 7° 42“ 4′ O

Epoche:

Unbekannt

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
vor 1277 bis 1688

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