Ehemalige Schuhfabrik Neuffer in Pirmasens

Alternative Bezeichnungen: Neuffer am Park

Die Grundsteinlegung für die ehemalige Schuhfabrik von Emil Paqués erfolgte im Juli 1894. 1926 kaufte Emil Neuffer die Firma Paqué AG auf und lässt die heutige imposante Fassade errichten. Die Schuhproduktion von Emil Neuffer hatte eine große wirtschaftliche Bedeutung für Pirmasens in den 1920/30er Jahren. Im Jahr 1962 wurde der Betrieb von den Erben Neuffers eingestellt. Erst mit dem Kauf durch Bernd D. Hummel im Jahr 1990 erlebt die Schuhfabrik eine Revitalisierung. Seither dient das Gebäude unter dem Namen Neuffer am Park als Gewerbepark.

Geschichte

Der Ursprung der ehemaligen Schuhfabrik Neuffer findet sich im Jahr 1894, als der Schuhfabrikant Emil Paqué am 31. Mai 1894 beim „Königlich-Bayerischen Bezirksamt“ die Baugenehmigung für das erste Gebäude des heutigen „Neuffer am Park“ beantragt. Dieser Antrag befindet sich heute noch im Stadtarchiv von Pirmasens, dort kann man nachlesen, dass Emil Paqué um Erlaubnis bittet, in der Flur „in der langen Ahnung“ ein Fabrikgebäude mit Wohnung errichten zu dürfen. Dadurch lässt sich erkennen, dass das Gebäude außerhalb der damals bebauten Stadtgrenzen errichtet werden sollte. Am 19. Juli 1894 wurde der Grundstein für die spätere Schuhfabrik gelegt, in der Urkunde zur Grundsteinlegung steht:

„Dieses Haus wurde im Jahre des Heils tausendachthundertvierundneunzig unter der Leitung des Baumeisters Elle zum Betrieb einer Schuhfabrik errichtet. Der Erbauer Emil Paqué ist 1855 zu St. Wendel geboren und Besitzer einer mechanischen Schuh- und Stiefelfabrik. Des Geschäft wurde im Jahre 1878 als Engrosgeschäft gegründet, entwickelte sich nach und nach zu dem jetzigen Umfange, so dass etwa 150 Personen gegenwärtig beschäftigt werden. Der Betrieb selbst wird mit einer Dampfmaschine von 22 Pferdestärken bewerkstelligt und es ist die Fabrik mit den neuesten Maschinen zur Anfertigung von Schuhen und Stiefeln ausgerüstet. Beiliegende Muster sollen der Nachwelt einen Beweis von der heutigen Leistungsfähigkeit liefern. Die alte Fabrik befindet sich jetzt noch am Exerzierplatz Nr. 1. Dieses Haus wurde lediglich zur Vergrößerung des Geschäftes erbaut. Auch die neue Straße von der Herzogstraße bis zur Fabrik wurde im Jahr 1893/94 von Emil Paqué angelegt und nach seiner Frau Louisenstraße genannt. Das zur Zeit der Erbauung im Geschäft angestellte Personal besteht aus folgenden Herren: August Paqué, Nikolaus Paqué, Jakob Paqué, Gebhard Becker, Carl Bingemer, Gustav Leinenweber, Jakob Eschmann, Berthold Adler, Carl Renner. Mögen die späteren Inhaber es den jetzigen an Fleiß und Beharrlichkeit gleichtun und das Haus eine bleibende Stätte regen Fleißes und rechten Schaffens sein. Das walte Gott! Dieser Eckstein wurde am 19. Juli 1894 gesetzt. Emil Paqué.“ (Urkunde im Grundstein der Schuhfabrik Emil Paqué)

Im Jahr 1919 wurden die heute architektonisch interessante Fassade an der Neufferstraße von dem Pirmasenser Architekt Josef Uhl geplant, diese Pläne wurden jedoch erst 1926 umgesetzt, nachdem Emil Neuffer die Firma Paqué AG aufgekauft hatte. Im selben Jahr verlagerte Emil Neuffer seinen Stammbetrieb der Schuhfabrik in das Gebäude und zusammen mit zwei weiteren Fabriken erreichte er eine Tagesproduktion von 5.000 Paar Schuhen. Diese Produktion hatte somit eine große wirtschaftliche Bedeutung für Pirmasens in den 20er und 30er Jahren. Während des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) wurde die Schuhproduktion in Pirmasens stillgelegt und auf amtlichen Befehl hin die Bestände beschlagnahmt sowie die Fabriken zur Ausbesserung für Uniformen und Militärstiefel umgenutzt. Emil Neuffer gelang es jedoch schon kurz nach der Kapitulation die Schuhproduktion wieder aufzunehmen und am 10.12.1949 konnten die Emil Neuffer’schen Schuhfabriken ihr 40-jähriges Jubiläum feiern. Bis zum Tod von Emil Neuffer im Jahr 1953 lief die Produktion gradlinig weiter, danach wurde der Betrieb im Jahr 1962 von den Erben Emil Neuffers eingestellt und die Firma liquidiert. Die bestehenden Gebäude wurden als Lager- und Produktionsstätten vermietet, jedoch wurden kaum Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt, sodass sich der Zustand der Gebäude zusehends verschlechterte. Erst mit dem Kauf durch den Pirmasenser Unternehmer Bernd D. Hummel im Jahr 1990 beginnt die Revitalisierung der Neuffer’schen Schuhfabriken.

Bernd D. Hummel war fasziniert von der Historie und Architektur des Gebäudes und auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten für sein Unternehmen, sodass er die in Vergessenheit geratene alte „Neuffer-Schuhfabrik“ im Juli 1990 erwarb. Er beantragte, dass das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt wird und nannte den Komplex in „Neuffer am Park“ um. Die drei Aspekte -Altes bewahren, Wertvolles erhalten und Tradition fortsetzen- bildeten dabei den Grundsatz für die Umnutzung des Gebäudes. Gleichzeitig sollte das Gebäude eine moderne Ausstrahlung bekommen und die Arbeit mit Freizeitgestaltung, Sport, kulturellen Veranstaltungen und Gastronomie kombiniert werden. Der Unternehmer nahm, zusammen mit dem Pirmasenser Architekten Rolf Göttel, ab September 1990 die Renovierungsarbeiten in Angriff. Im Mai 1991 zog die Bernd Hummel Holding mit ihrem Geschäftssitz im Neuffer am Park ein und ab April 1993 wurde das Gebäude öffentlich und weitere Räumlichkeiten nach und nach vermietet. Heute hat sich der Neuffer am Park als ‚Medical Center’ und ‚Business Center’ etabliert. Im Jahr 2006 baute Bernd Hummel Holding ihre Räumlichkeiten im Neuffer am Park um und wurde damit mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Die Umnutzung der Neuffer-Schuhfabrik war das erste Konversionsprojekt zur Umgestaltung von ungenutzten Anlagen und Flächen zu Gewerbeparks in Pirmasens. Im Jahr 1997 folgte dann das Projekt Husterhöh-Kaserne und im Jahr 2007 der Rheinberger Komplex.

Objektbeschreibung

Die ehemalige Schuhfabrik von Emil Paqués, später Emil Neuffer, wurde im Jahr 1894 erbaut. Bei dem Gebäude handelt es sich um eine mehrflügelige Anlage aus dreigeschossigen Bauten, die um zwei Höfe herum errichtet wurden. Die erste bauliche Erweiterung des Gebäudes in Reformarchitektur erfolgte um 1920/30. Im Jahr 1990 erfolgten große Renovierungsarbeiten zur Umnutzung des Gebäudes nach den Plänen des Unternehmers Bernd D. Hummel und dem Pirmasenser Architekten Rolf Göttel. Neben den Renovierungsarbeiten am Gebäude selbst wurde zudem der hintere Innenhof mit den original alten Steinpflaster neu befestigt und in Kooperation mit der Stadt die Bürgersteige zur Neuffer- und Luisenstraße neu gepflastert sowie durch das Einpflanzen von Bäumen verschönert. Seit den 1990er Jahren beherbergt das Gebäude Arztpraxen, Büros, ein Sport- und Gesundheitszentrum sowie Einzelhandel auf insgesamt circa 11.000 Quadratmetern Fläche. Zusätzlich stehen Räumlichkeiten für Gastronomie und Veranstaltungen zur Verfügung.

Die Fassade an der Neufferstraße ist mit Stilelementen aus dem Barock, der Renaissance, dem Jugendstil und sogar aus der Antike der wahrscheinlich architektonisch interessanteste Teil der Fabrikanlage. Die Fabrikfassade hat durch einen prachtvollen Mittelrisalit und zwei Seitenrisalite einen schlossartigen Charakter. Über der dreigeteilten Einfahrt stehen vier aus Beton gegossene Skulpturen auf einem Architrav. Dabei stellt die linke männliche Figur einen Schuster dar, der einen Schuhmacherhammer und einen Stapel Schuhsohlen in den Händen hält. Neben dieser Figur, die die Arbeit verkörpern soll, steht die Göttin Demeter mit überquellendem Füllhorn für das Reichtum. Die Aphrodite mit Spiegel daneben soll die Schönheit verkörpern. Die rechte männliche Figur zeigt den Schutzgott der Kaufleute, den Gott Hermes.

Das Gebäude ist zudem ein eingetragenes Kulturdenkmal im „Verzeichnis der Kulturdenkmäler – Kreisfreie Stadt Pirmasens“.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit

Das Gebäude „Neuffer am Park“ befindet sich östlich von der Pirmasenser Innenstadt, direkt am Neufferpark und gegenüber der Pirmasenser Messe. Der Hauptbahnhof ist fußläufig in 20 Minuten zu erreichen und die Innenstadt in 10 Minuten. Parkplätze stehen direkt an dem Gebäude zur Verfügung.

Literaturverzeichnis

  • Generaldirektion Kulturelles Erbe (2017). Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler - Kreisfreie Stadt Pirmasens Mainz.

Quellenangaben

Artikel-Historie

Koordinaten:

49° 12“ 13′ N, 7° 36“ 44′ O

Epoche:

Unbekannt

Baustil:

Unbekannt

Datierung:
1894

Schlagworte:

Weiterführende Links:

Für dieses Objekt fehlen noch einige Angaben

  • Barrierefreiheit
  • Familiengeeignet
  • Epoche

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